Lungenkrebs bleibt katastrophale Erkrankung

Rauchen

Lungenkrebs bleibt katastrophale Erkrankung

Neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall) und chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) ist das Lungenkarzinom die schwerwiegendste Folge des Rauchens. 90 Prozent dieser Erkrankungen sind mit dem Rauchen assoziiert. Laut einer neuen österreichischen Studie liegt die durchschnittliche Lebenserwartung der Patienten trotz aller Fortschritte der Medizin nur bei 16,4 Monaten.

4000 Erkrankungen pro Jahr

"Wir haben in Österreich pro Jahr 4.000 Lungenkrebserkrankungen. Bei den Männern haben wir einen kleinen Rückgang, bei den Frauen nimmt Zahl der Erkrankungen sehr stark zu. Wir können 15 Prozent der Patienten heilen", sagte der Wiener Lungenkarzinomspezialist Peter Pirker Ende November vergangenen Jahres anlässlich des Zentraleuropäischen Lungenkarzinomkongresses in Wien.

Die eine neue Studie mit der Auswertung von Daten von 2.293 Patienten, die zwischen 1989 und 2009 an der häufigsten Lungenkarzinomform, dem nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC), gelitten haben, zeigt jetzt genau, wie schwerwiegend die Erkrankung ist, die zumeist tödlich verläuft. Florian Kocher und die Co-Autoren haben, ausgehend vom Tiroler Krebsregister (MedUni Innsbruck) mit Beteiligung vieler anderer Kliniken in Österreich (z.B. aus Wien, Salzburg, Kufstein, aber auch Basel etc.), die Informationen aus 20 Jahren ausgewertet.

Im Schnitt: 64 Jahre alt

Demnach sind die meisten Menschen mit Lungenkrebs um die 64 Jahre alt. 1.611 oder 70 Prozent waren in dem Zeitraum Männer. Lungenkarzinome sind vor allem eine "Männerkrankheit", weil ehemals die Männer am häufigsten rauchen. Doch es gibt eine starke Trendumkehr. Bereits im Jahr 2015 dürfte Lungenkrebs in Europa die häufigste Krebs-Todesursache bei Frauen sein und damit das Mammakarzinom überholen. Das geht aus einer neuen epidemiologischen Studie hervor, die vor zwei Jahren von italienischen und Schweizer Wissenschaftern in den Annals of Oncology publiziert worden ist. In Großbritannien und in Polen ist das bereits der Fall.

Lungenkrebspatienten sind auch sonst nicht "gesund". 62 Prozent der Erkrankten hatten auch schon eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, ebenfalls 45 Prozent eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). 55 Prozent klagten bei Diagnosestellung über Husten, 62 Prozent über Kurzatmigkeit. Das deutet bereits darauf hin, dass die Lungenkrebs-Diagnosen zumeist viel zu spät für eine heilende Behandlung per Chirurgie gestellt werden.

Genau das zeigen die harten Daten: 38 Prozent der Lungenkrebserkrankungen - die größte Gruppe - wurden erst im fortgeschrittenen Stadium IV mit kaum einer Heilungsaussicht festgestellt. Zwar hat eine US-Studie ergeben, dass jährliche Niedrig-Dosis-Computertomografie-Untersuchungen von langjährigen Rauchern die Sterblichkeit um 20 Prozent senken könnten, doch trotzdem bliebe das Lungenkarzinom eine hochgradig tödliche Erkrankung.

Jedenfalls, nur 874 der fast 2.300 Patienten konnten "radikal", also mit kompletter Tumorentfernung, operiert werden. 1.278 konnten nur noch palliativ, also vor allem symptomlindernd und das Fortschreiten der Erkrankung hemmend, behandelt werden. Hier wurden zum Teil bis zu fünf auf einander folgende medikamentöse Therapieschemata (Chemotherapie etc.) angewendet.

Lebenserwartung
Das insgesamt betrübliche Ergebnis: Die durchschnittliche Lebenserwartung betrug 16,4 Monate, die Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung gar nur 5,1 Monate.

Die Lebenserwartung der Lungenkarzinompatienten stieg innerhalb der 20-jährigen Beobachtungszeit. Allerdings sterben weiterhin die meisten Erkrankten innerhalb absehbarer Zeit. Anfang Jänner provozierte der Tod des Journalisten Kurt Kuch, der sich ab der Diagnose seiner Lungenkarzinomerkrankung massiv für die Anti-Rauch-Kampagne eingesetzt hatte, jene Entwicklung, die jetzt in Österreich zum Verbot des Rauchens in der Gastronomie führen soll.

Die häufigsten Krebs-Mythen im Check 1/10
1. Junge Menschen bekommen keinen Krebs Stimmt nicht! Zwar sind für die meisten Tumorarten die Erkrankungsraten bei älteren Menschen höher, aber auch Kinder unter 15 Jahren können an Krebs erkranken. Am häufigsten sind Kinder von Blut- und Lymphkrebs betroffen.
2. Körpergewicht beeinflusst Krebsrisiko Bei Frauen, die in den Wechseljahren deutlich übergewichtig sind, steigt auch das Krebsrisiko.
3. Krebs ist ansteckend Es gibt tatsächlich Viren, die eine Krebserkrankung auslösen könnne. Humane Papilloma Viren (HPV) gehören dazu. Sie werden durch Geschlechtsverkehr übertragen und erhöhen das Risiko für Gebärmutterhalskrebs bei Frauen. Aus einem Tumor stammende Krebszellen werden vom Körper normalerweise nicht ausgeschieden. Man kann sich also nicht über Bettwäsche, WC,... anstecken.
4. Amalgam kann Krebs auslösen Ebenfalls weit verbreitet ist die Annahme, dass die quecksilberhaltige Zahnfüllung Amalgam eine Tumorerkrankung auslösen kann. In Wahrheit geben die Füllungen nur äußerst geringe Mengen an Quecksilber ab. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) nennt die Krebsgefahr durch Amalgam "äußerst unwahrscheinlich".
5. Alkohol als Krebsauslöser Alkohol und der eigene Lebensstil werden hingegen als Krebsauslöser unterschätzt. Dass Übergewicht Krebs auslösen kann, glauben beispielsweise nur wenige, obwohl dieser Risikofaktor gut untersucht und wissenschaftlich bewiesen ist. Auch der Alkoholkonsum wird als Krebs-Risikofaktor häufig unterschätzt.
6. Zusatzstoffe in Lebensmitteln verursachen Krebs In Lebensmitteln dürfen nur Zusatzstoffe verwendet werden, die zugelassen sind. Diese verursachen nach derzeitigem Kenntnisstand keinen Krebs.
7. Im Alter wächst Krebs kaum noch Es kommt nicht auf das Alter an, sondern auf die Krebsform. Einzige Ausnahme ist der Prostatakrebs - wenn er ab dem 60. Lebensjahr auftritt, wächst er nur mehr sehr langsam vor sich hin.
8. Zu viel Milchprodukte lösen Krebs aus Stimmt nicht - sogar das Gegenteil ist der Fall: das Kalzium in Milchprodukten bietet sogar eine Prophylaxe gegen Erreger.
9. Stress führt zu Krebs Stress kann indirekt Krebs auslösen - wer viel leisten muss, hat danach weniger Energie, fühlt sich kraftlos und erschöpft - das Immunsystem wird anfälliger und die Abwehrkräfte sind schwächer. Wer zusätzlich trinkt und raucht steigert seine Krebsgefahr dramatisch
10. Krebs durch zu engen BH Nein! Weder enge BHs noch BHs mit oder ohne Bügel haben Einfluss auf das Brustkrebsrisiko.

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