Wie gesundheitsschädlich sind High Heels wirklich?

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Wie gesundheitsschädlich sind High Heels wirklich?

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Stechende Schmerzen im Vorderfuß machen das Tragen von engen und hohen Schuhen unmöglich? Dann könnte das Morton Neurom dahinterstecken. Warum es oft nicht erkannt wird und wie es wieder vergeht. 

Wenn Hollywood-Stars den Red Carpet mit flachen, breiten Schuhen betreten, sorgt das für Schlagzeilen (Hallo, Jennifer Lawrence!). Unter anderem musste Schauspielerin Eva Longoria einige Zeit auf ihre High Heels verzichten. Denn die Nerven spielten plötzlich nicht mehr mit. Das jahrelange Tragen hoher, enger Schuhe führte bei der zierlichen Aktrice zu einem Nervenkompressionssyndrom im Vorfuß – dem Morton Neurom (auch Morton Metatarsalgie oder Morton Neuralgie genannt).

Die mechanische Überlastung der Nerven äußert sich durch brennende Schmerzen unter der dritten und vierten Zehe, Missempfindung bzw. Taubheit in den Zehen, „Ameisenlaufen“ oder auch stechende Schmerzen im Vorderfuß. Diese Symptome machen nicht nur das Tragen von Heels unmöglich, sondern bedeuten vor allem starke Einschränkungen im Alltag. Nervenchirurg OA Dr. Veith Moser verrät, wie das Morton Neurom erkannt und therapiert wird.

Was Nerven nervt

„Das Morton Neurom“, erklärt Nervenspezialist Dr. Moser, „entsteht – wie andere Nervenkompressionssyndrome auch – durch eine Einklemmung von Nerven. Zumeist passiert das an anatomischen Engstellen wie den Füßen.“ Der Raum zwischen der 3. und 4. Zehe ist beim Gehen und Laufen besonders eng. Die Nerven in diesem Areal sind bei Bewegung einer hohen Belastung ausgesetzt. Dies kann durch das häufige Tragen sehr enger Schuhe und intensiven Laufsport zusätzlich verschlimmert werden – vor allem wenn Fußfehlstellungen bestehen.

Durch den permanenten Druck beginnen die Nerven sich zu verändern – sie verdicken. Bei anhaltendem Druck wird das Morton Neurom immer größer und schmerzhafter. Auch durch Schwangerschaften oder Diabetes kann es entstehen, da durch veränderte Stoffwechselprozesse die Nerven stark anschwellen können und an Engstellen dann unter Platzmangel leiden. Eine weitere Ursache sind Unfälle, die z. B. zu Narbenbildung in dem Bereich führen.

Problem: Diagnose

Der Weg zur Diagnose ist bei vielen Betroffenen ein langer, denn das Morton Neurom versteckt sich im MRT (Magnetresonanztomographie) – die Standarduntersuchung bei Fußschmerz – und wird daher in einigen Fällen übersehen. Erfahrene Radiolog:innen setzen für die Diagnose den neuartigen hochauflösenden Ultraschall ein, der sogar kleinste Nerven und Strukturen und damit auch das Morton Neurom gut sichtbar macht.

Symptome im Check:

Erste Anzeichen: Das Morton Neurom entwickelt sich schleichend. Anfangs treten Schmerzen nach längerer Zeit in engen Schuhen auf und vergehen mit dem Ausziehen. Oder: nach mehreren Kilometern joggen.
Schreitet die Erkrankung voran: Kribbeln, Missempfindungen und manchmal Taubheitsgefühle in bzw. unter den Zehen. Schmerzen auch morgens beim Aufstehen möglich.
Starke Ausprägung: Es kommt zusätzlich zu Klickphänomenen oder Schnappen zwischen den Zehen und unter der Fußsohle.

Therapie: Konservativ oder OP?

In einem ersten Schritt wird versucht mit konservativen Methoden Linderung zu verschaffen. Möglichkeiten sind physikalische Therapien, bequemes Schuhwerk und -einlagen, Polsterung des Zehenzwischenraums oder ultraschallgezielte Kortison-Injektionen. Bei etwa 20 Prozent zeigt die Stoßwelle Wirkung.

„Wenn konservative Therapien keine oder nur kurzfristige Verbesserung erzielen, ist eine Operation angezeigt“, so Dr. Moser. „Es ist ein kleiner und unproblematischer Eingriff. Der OP-Erfolg kann bereits im Vorfeld durch eine sogenannte Testblockade imitiert werden. Dabei bekommt die Patientin ultraschallgezielt eine Betäubungsspritze ins schmerzauslösende Areal injiziert. Ist sie für einige Stunden schmerzfrei, ist gewiss, dass die OP helfen wird.“ Bei dem Eingriff entfernt der Chirurg durch einen kleinen Schnitt einengende Strukturen, um dem oder den Nerven wieder Platz zu schaffen.

Nach der OP muss zwei Wochen ein Vorfuß-Entlastungsschuh getragen werden, mit dem sich die Patientin normal fortbewegen kann. Skifahren und Wandern ist nach zwei Monaten wieder möglich. Auf die High Heels kann man etwa vier bis sechs Monate nach dem Eingriff zurück kehren.   

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