Herz

Herz & Kreislauf

Herzinsuffizienz: Therapie oft zu spät

Zahlen in Europa dürften sich bis 2030 auf bis zu 30 Millionen verdoppeln

Die ersten Anzeichen werden oft schlicht auf Alterserscheinungen zurückgeführt: Dabei kann es an beginnender Herzinsuffizienz liegen, wenn man beispielsweise die eine oder andere Pause braucht, wenn man Stiegen hoch steigen muss. Bis zu 140.000 Österreicher dürften betroffen sein, so Mediziner und Betroffene bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Wien.

Viele Patienten bleiben un- oder unterbehandelt

Derzeit leiden europaweit etwa 14 Millionen Menschen unter chronischer Herzinsuffizienz - bis zu zwei Prozent der Gesamtbevölkerung. Schätzungen gehen davon aus, dass in den nächsten 15 Jahren mit einer Verdopplung zu rechnen ist. Die nicht ganz einfache Diagnose aufgrund meist unspezifischer Symptome, die hohe Dunkelziffer vor allem im Frühstadium, und die mangelnde Therapietreue führen dazu, dass trotz gut wirksamer moderner Medikamente und Therapien zu viele Patienten un- oder unterbehandelt bleiben, sind Experten überzeugt. Viele gehen schlicht von "normalen" Alterserscheinungen aus.

Patienten brauchen Disziplin und Durchhaltevermögen

Die Sterberate bei der komplexen und sehr verbreiteten Herzinsuffizienz, im Volksmund meist flapsig "Herzschwäche" genannt, liegt über jener einiger Krebserkrankungen. "Moderne Medikamente können die Lebensqualität deutlich verbessern - die Patienten brauchen allerdings Disziplin und Durchhaltevermögen", schilderte Franz Radl, Vertreter der Selbsthilfe-Organisation "Österreichischer Herzverband". Dabei dürfe man nicht sofort mit einer spürbaren Verbesserung rechnen.

Meist ist eine regelmäßige und konstante Einnahme unbedingt notwendig, auch wenn oft anfangs eine subjektive Verschlechterung des Zustandes zu beobachten ist, sagte er. Bekannte Nebenwirkungen wie ein Sinken des Blutdrucks führen nicht selten dazu, dass Arzneimittel nicht oder nicht konstant nach Verordnung eingesetzt werden. Auch wenn es oft, vor allem am Anfang, ein großes Maß an Motivation braucht, hat sich Sport und Fitnesstraining als durchaus förderlich erwiesen.

Aufklärungsarbeit stehe im Fokus beim Umgang seiner Organisation mit Herzinsuffizienz, oft aber auch Motivation und Unterstützung. Kardiologe Deddo Mörtl vom Universitätsklinikum St. Pölten mahnte eine bessere Vernetzung von allen an der Betreuung dieser Patienten Beteiligten ein, damit die medizinischen Fortschritte auch "ankommen".

Symptome erkennen

Erste Ansprechpartner sind bei Beschwerden wie Kurzatmigkeit, Flüssigkeitsablagerungen, Müdigkeit, Schwindel, häufigem Harnlassen oder Appetitlosigkeit oft die Hausärzte, die rasch eine Abklärung durch Kardiologen veranlassen müssen.