Endlich scharf sehen

Methoden gegen Fehlsichtigkeit

Endlich scharf sehen

Die Welt klar und deutlich sehen, ohne Brille oder Kontaktlinsen – viele Menschen wünschen sich diese Freiheit und entscheiden sich daher für eine Laser-Operation.

3 Mio. Österreicher leiden laut Statistik an einer Sehschwäche
Angelaufene Brillengläser, verrutschte Kontaktlinsen  oder verlegte Lesebrillen sind Vergangenheit – stattdessen scharfes Sehen bereits beim ersten Augenaufschlag in der Früh. Diesen Wunsch erfüllen sich immer mehr Fehlsichtige dank der neuen Lasermethoden zur Augenkorrektur. Kurz- und Weitsichtigkeit sowie Astigmatismus (Hornhautverkrümmung) aber auch Altersweitsichtigkeit lassen sich rasch und relativ risikoarm durch einen unblutigen ambulanten Eingriff beheben.


Arten der Fehlsichtigkeit 1/4
Kurzsichtigkeit: Bei Kurzsichtigkeit (Myopie) werden nahe Objekte besser gesehen als entfernte Objekte. Sie entsteht entweder durch einen zu langen Augapfel (durch Bindegewebsschwäche kann die Augenlänge ­immer mehr zunehmen) oder eine zu starke Brechkraft. Dies führt dazu, dass die Lichtstrahlen vor und nicht genau auf der Netzhaut zusammentreffen und ein unscharfes Bild auf der Netzhaut entsteht.  
Weitsichtigkeit: Bei Weitsichtigkeit (Hyperopie) werden Gegenstände in der Ferne besser erkannt als Gegenstände in der Nähe. Grund dafür ist ein zu ­kurzer Augapfel. Daher erfolgt die  Bündelung der einfallenden Lichtstrahlen erst hinter der Netzhaut.
Altersweitsichtigkeit: Durch vermehrte Wölbung der Augenlinse kann die Weitsichtigkeit bis zu einem gewissen Grad aus­geglichen werden. Im Laufe des ­Lebens nimmt die Elastizität der Augenlinse jedoch ab und die ­Linse kann nicht mehr entsprechend gewölbt werden. Dadurch fällt der Ausgleich der Weitsichtigkeit weg, es entsteht die sogenannte Altersweitsichtigkeit.
Hornhautverkrümmung: Stabsichtigkeit oder Astigmatismus  durch Hornhautverkrümmung ist meist angeboren. Die Hornhaut des Auges ist nicht rund, sondern meist oval. Ankommende Lichtstrahlen werden nicht punktförmig, sondern als Strich auf der Netzhaut abgebildet. Durch die unterschiedliche Krümmung der Hornhaut kommt es zu einem verzerrten Bild. Meist ist diese Form der Fehlsichtigkeit mit anderen ­Brechungsfehlern (Kurz- oder Weitsichtigkeit) kombiniert.


Leben ohne Sehhilfe
Fehlsichtigkeitskorrekturen mithilfe der Lasertechnologie gibt es bereits seit über zwei Jahrzehnten und nach vorliegenden Untersuchungen sind die Ergebnisse sehr gut und stabil. Dennoch bedeutet ein Eingriff am Auge für die meisten Menschen eine große Überwindung, handelt es sich hierbei doch um unser wichtigstes Sinnesorgan. Mittlerweile stehen eine Reihe von Techniken zur Verfügung, die immer raschere, schonendere Eingriffe am Auge erlauben und die Komplikationsrisiken deutlich reduzieren. Welche Methode geeignet ist, hängt von der Stärke der Fehlsichtigkeit und individuellen körperlichen Faktoren des Patienten ab.


Prof.Dr. Susanne Binder im Talk 1/4
Welche Fehlsichtigkeiten lassen sich durch moderne Lasermethoden beheben?

Prof. Dr. Susanne Binder: Sowohl Kurz- als auch Weitsichtigkeit sowie ­Astigmatismus können korrigiert werden. Die Korrektur der Altersweitsichtigkeit ist ­eine kombinierte Methode. Auf einem Auge wird in die Hornhaut eine Art Tasche präpariert und ein Inlay (künstliche Scheibe) hineingelegt. Ist der Patient beim Lasern einer Kurzsichtigkeit schon 40 Jahre, wird die Kurzsichtigkeit nicht an beiden Augen auf null korrigiert, sondern an einem Auge etwa eine oder 1,5 Dioptrien gelassen. So kann der Patient mit einem Auge scharf in die Ferne sehen und mit dem anderen ohne Brille noch lesen. Wird die Kurzsichtigkeit in jüngeren Jahren korrigiert, bleibt im Alter die Methode mit dem Inlay.
Was sind die neuesten Verfahren?

Dr. Binder: Die LASIK-Methode mit dem Femto-Sekundenlaser, da hier die Präzision höher ist. Die Relex-Smile-Methode – der Flap (Anm.: Hornhautläppchen) wird im Inneren der Hornhaut herausgenommen – wird in ­Zukunft mehr verwendet. Dazu braucht man aber eine gewisse Dicke der Hornhaut, dicker als bei der LASIK-Methode. Ist die Hornhaut zu dünn und kommt der Patient dafür nicht infrage, gibt es die ältere LASEK-Methode, wo man die Oberfläche chemisch abträgt. Diese Methode ist aber schmerzhaft.
Wer sollte sich nicht lasern lassen?

Dr. Binder: Patienten über 55 oder 60 Jahre sollten eher eine Star-Operation durchführen lassen, die auch die Dioptrien korrigiert. Trockene Augen sind eine Kontraindikation, da die Augen nach der LASIK-OP noch trockener werden. Ebenso Diabetes, schwerer Rheumatismus oder die Einnahme schwerer Medikamente (Anm.: Kortison).
Welche Risiken und Nebenwirkungen gibt es?

Dr. Binder: Bei weniger als einem Prozent gibt es Komplikationen. Trockene Augen, Blendeffekte und Lichtstreuung in der Nacht beim Autofahren oder fluktuierendes Sehen (in der Früh sieht man gut, gegen Abend durch den Druck der Lider schlechter). Sehr selten sind schwere Komplikationen wie ­Infektionen, Verletzungen, Hornhauttrübungen oder Ektasien (Vorwölben der Hornhaut).


Verschiedene Methoden
Bei normaler Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit oder Hornhautverkrümmung bei Sehschwächen von minus 10 bis plus 5 Dioptrien kommt in den meisten Fällen die LASIK-Methode zum Einsatz. Bestehen jedoch Kontraindikationen – wie etwa eine zu dünne Hornhaut – ist die LASEK-Technik die geeignete Wahl. Hier ist aber das Spektrum der zu behandelnden Dioptrienzahl geringer. Bei stärkerer Kurzsichtigkeit – vorausgesetzt, die Hornhaut ist entsprechend dick – kann das neue minimalinvasive Relex-Smile-Verfahren eingesetzt werden. Dabei wird das zur Fehlsichtigkeit führende Hornhautgewebe nicht verdampft, sondern mit winzigen Schnitten im Inneren der Hornhaut ein Scheibchen herausgeschnitten und über einen seitlichen Einschnitt entfernt. Die oberste Hornhautschicht bleibt intakt (kein Flap erforderlich). „Man braucht aber eine gewisse Dicke der Hornhaut, noch ­dicker als bei der LASIK-Methode“, erklärt die Augenärztin Prof. Dr. Susanne Binder. Ist die Hornhaut zu dünn, sind die Augen zu trocken, bestehen Erkrankungen wie Diabetes oder schwerer Rheumatismus oder muss der Patient bestimmte Medikamente einnehmen, ist auf eine Laseroperation generell zu verzichten. In diesen Fällen wird die Fehlsichtigkeit eventuell durch das Einsetzen einer Kunstlinse korrigiert.


Verschiedene Lasertechniken 1/3
 Lasek/PRK Die LASEK-Methode ist eine Weiterentwicklung der PRK-Methode.  Hier wird die oberflächliche, regenerationsfähige Hornhautschicht (Epithel) ganz dünn abgelöst und die Oberfläche mit dem Laser entsprechend der Fehlsichtigkeit modelliert. In den ersten Tagen nach der OP muss der Patient eine spezielle „Verbandkontaktlinse“ tragen, unter der sich die Hornhaut wieder regeneriert. Geeignet bei zu geringer Hornhautdicke, speziellen Augenerkrankungen oder Sportarten mit direktem Körperkontakt. Nachteil: Der Heilungsprozess ist im Vergleich zur LASIK-Methode langsamer, schmerzhafter und die postoperative Phase teilweise unkalkulierbar (Sehleistung unterliegt Schwankungen).
Lasik Bei der modernen Femto-LASIK-Technik wird ein dünnes Hornhautläppchen (Flap) mit dem Laser geschnitten, zur Seite geklappt und das darunter liegende Gewebe mit dem Laser modelliert. Danach wird der Flap wieder auf den ursprünglichen Platz zurückgelegt, wo er sich festsaugt. Der Eingriff ist fast schmerzlos und die Sehleistung am nächsten Tag bereits hergestellt. Risiko: trockene Augen und die Gefahr, dass sich der Flap bei Unfällen verschiebt, da dieser nicht vollständig anwächst.
Relex-Smile Minimalinvasives Verfahren, das ohne Hitze funktioniert. Ohne Beschädigung der Hornhautoberfläche wird mittels Laser eine dünne Scheibe (Lentikel) im Inneren der Hornhaut ausgeschnitten. Über einen kleinen Seitenschnitt wird der Lentikel entnommen. Vorteil: Kommt ohne Flap aus. Nachteil: Entsprechende Hornhautdicke ist notwendig. Korrektur von Weitsichtigkeit ist noch nicht möglich. Die optische Anpassung an die individuellen Parameter des Patienten ist nicht so exakt wie bei der LASIK-Methode. Ein Nachlasern ist mit dieser Methode nicht möglich, da ist eine der anderen Techniken erforderlich.


Altersweitsichtigkeit
Ab dem 40. Lebensjahr verliert die Augenlinse ihre Elastizität, was sich durch nachlassende Anpassungsfähigkeit im Nahsichtbereich bemerkbar macht. Mittlerweile lässt sich auch die Altersweitsichtigkeit mittels Laser beheben. „Ist der Patient bei der Laserkorrektur der Kurzsichtigkeit schon 40 Jahre, wird die Sehschwäche nicht an beiden Augen auf null korrigiert, sondern an einem Auge eine bis 1,5 Diop­trien belassen“, erklärt Prof. Binder. Dadurch sieht der Patient auf einem Auge scharf in die Ferne, das andere ist zum Lesen geeignet. „Das funktioniert sehr gut“, so die Expertin.

Risiken selten, aber vorhanden
So sicher Augenlasern mittlerweile ist, wie bei jedem Eingriff sind Komplikationen nicht ausgeschlossen. Die bekanntesten Nebenwirkungen sind trockene Augen. Dies kommt vor allem bei der LASIK-Methode häufig vor und kann bis zu 12 Monate anhalten. Ebenso können erhöhte Lichtempfindlichkeit, Blendeffekte und Lichthöfe (Halos) bei Dämmerung und in der Nacht auftreten und beim Autofahren unangenehm werden. Infektionen sind auch nicht ausgeschlossen. In sehr seltenen Fällen tritt Jahre nach der Operation eine Ausdünnung und Vorwölbung der Hornhaut (Keratektasie) auf. „Dies ist eher bei der LASIK-Methode der Fall, wenn zu viele Dioptrien entfernt werden müssen und die verbliebene Hornhaut zu dünn ist. Dann kann es vor allem bei Frauen in der Schwangerschaft passieren, dass sich das Gewebe aufweicht und es zu Vorwölbungen der Hornhaut kommt“, erklärt Prof. Binder. Dieses Risiko besteht auch, wenn die Patienten Medikamente wie Kortison nehmen. „Wer einmal eine Laser-OP hatte und dann Kortison nimmt, sollte daher aufpassen“, warnt die Expertin. Neben den Vorteilen sollten daher auch die möglichen Risiken einer Laseroperation besprochen und die für den Patienten bestmögliche Behandlungsmethode  gefunden werden.

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