Beinverlängerung mit Fernsteuerung

Medizin

Beinverlängerung mit Fernsteuerung

Kein Mensch ist völlig symmetrisch und so bestehen häufig Längenunterschiede zwischen rechtem und linkem Bein. Eine zu große Differenz kann zu Fehlhaltung, schiefer Wirbelsäule und schmerzenden Gelenken führen. Beinlängenunterschiede können angeboren sein oder als Folge von Unfällen und Verletzungen auftreten. So wie bei Susanne F. Nach einem Schenkelhalsbruch durch einen Radunfall war ihr linkes Bein um zwei Zentimeter kürzer. „Ich ging unrund, bekam Kreuz- und Knieschmerzen“, schildert die 47-Jährige ihre Gründe für eine Knochenverlängerung. Dabei wird das verkürzte Bein mithilfe eines implantierten Teleskopnagels um die fehlenden Zentimeter verlängert.   

Einsatz der neuen Methode: 1/5
AKH Wien: 1090 Wien,
Währinger Gürtel 18–20
Tel.: 01/404 00-0
www.akhwien.at
Orthopädisches Spital Speising: 1130 Wien,
Speisinger Straße 109
Tel.: 0 1/801 82 - 0
www.oss.at
LKH-Univ. Klinikum Graz: 8036  Graz,
Auenbruggerplatz 1
Tel.: 0316/385-0
www.klinikum-graz.at
LKH – Univ.-Klinik Innsbruck: 6020 Innsbruck,
Anichstraße 35
Tel.: 050/504-0
www.tirol-kliniken.at
Klinikum Wels-Grieskirchen 4600 Wels,
Grieskirchner Straße 42
Tel.: 07242/415 - 0
www.klinikum-wegr.at

Moderne Knochenverlängerung

Die Experten für Knochenverlängerungen im Orthopädischen Spital Speising, Prim. Doz. Dr. Rudolf Ganger und OA Priv.-Doz. Dr. Christof Radler, verwenden ein ganz neues System, das nur in wenigen Zentren in Europa angeboten wird. Den Patienten wird ein verlängerbarer Marknagel implantiert, dessen Steuerung diese von außen über ein Magnetsystem selbst übernehmen. „In dem Nagel ist ein kleiner ­Magnet eingebaut, der um eine Achse rotieren kann“, erklärt Dr. Ganger. Durch die Rotation wird ein Spindelgetriebe in Gang gesetzt und der Marknagel um ein genau definiertes Ausmaß verlängert.

Schrittweise Beinverlängerung 1/4
1. Einbringen des Nagels Einsetzen. Durch einen kleinen Schnitt im Hüftbereich wird der ausfahrbare Verlängerungsnagel eingesetzt.
2. Verlängern Steuern. Über die externe Fernbedienung wird der Nagel drei Mal täglich (ein Millimeter/Tag) ausgefahren.
3. Neuer Knochen Auffüllen. Der Spalt zwischen den beiden Knochenenden wird durch neues Knochengewebe aufgefüllt.
4. Abschluss Entfernen. Nach Ende der Verlängerung und vollständiger Knochenheilung wird der Verlängerungsnagel entfernt.

Ablauf der Behandlung

In einer rund eineinhalbstündigen Operation durchtrennt der Chirurg über einen kleinen, etwa einen Zentimeter langen  Schnitt den verkürzten Knochen – im Falle von Susanne F. den Oberschenkelknochen  – an einer bestimmten Stelle. Dann wird der Teleskopnagel oberhalb des Hüftgelenks in den Markraum des Oberschenkelknochens eingebracht und am oberen und unteren Ende fixiert. Nach einer Woche beginnt die Patientin mithilfe der Fernsteuerung – diese wird an einer markierten Stelle, genau oberhalb des im Nagel befindlichen Magneten, von außen auf den Oberschenkel aufgesetzt – mit der Verlängerung. Einen Millimeter pro Tag, aufgeteilt auf drei Einzelschritte, wird der Oberschenkelknochen langsam auseinander­gedehnt. Die Verlängerungsgeschwindigkeit kann je nach Bedarf am Steuergerät individuell eingestellt werden.

Die Fakten zum Eingriff 1/3
Längendifferenz ausgleichen Knochenverlängerung Beinverkürzungen können angeborene Ursachen haben oder als Folge von Verletzungen auftreten. Diese wirken sich oft auf die gesamte Körperhaltung aus, führen zu Schmerzen in den Gelenken und Verformung der Wirbelsäule. Kleinere Differenzen können konservativ, durch Einlagen oder Schuhe mit Absätzen, ausgeglichen werden. Größere Unterschiede erfordern einen chirurgischen Eingriff. Dabei wird der Knochen des verkürzten Beines an einer Stelle durchtrennt und so weit auseinandergezogen, bis die richtige Länge erreicht ist. Der Zwischenraum füllt sich mit neuem Knochengewebe. ­Dafür gibt es zwei Methoden:  
Äußerer Rahmen Externer Fixateur War früher und ist auch heute in vielen Fällen – etwa bei Kindern mit noch offener Wachstumsfuge oder sehr komplexen Verlängerungen – die Methode erster Wahl. Hier umgibt ein Metallgestänge wie eine Art Käfig das betroffene Bein. Der Rahmen wird mit Schrauben und Drähten am Knochen fixiert und durch tägliches Nachstellen der Drehspindeln die Verlängerung erreicht.  
Teleskopnagel im Knochen Marknagel Ein Nagel wird über einen kleinen Hautschnitt in das Innere des Knochens eingesetzt und teleskopartig verlängert. Etwa eine Woche nach der Operation beginnt man mit der Verlängerung. Ein modernes System ermöglicht die Steuerung von außen mittels „Fernbedienung“, die einen Magneten im Inneren des Nagels antreibt. Der Patient setzt drei Mal täglich die Fernsteuerung auf eine definierte Stelle am betroffenen Bein (genau über dem Magneten) auf und startet den Verlängerungsprozess (ein Millimeter pro Tag).  Die Verlängerungsgeschwindigkeit wird je nach Bedarf am Steuergerät eingestellt. Durch das langsame, stetige Auseinanderziehen kann sich ausreichend neue Knochensubstanz bilden und die Lücke schließen. Dauer: Mit rund 40 Tagen pro Zentimeter Verlängerungsstrecke ist zu rechnen, bis der Knochen ausreichend stabil und belastbar ist. In der Zwischenzeit ist Teilbelastung mithilfe von Krücken möglich.  Nach einer entsprechenden Zeit wird der Nagel wieder entfernt. Grenzen der Methode: schlechte Knochenqualität, offene Wachstumsfuge (Kinder). Bei Verlängerungen ab fünf Zentimeter steigt die Komplikationsrate.

Neuer Knochen entsteht

„Nach der Knochendurchtrennung entsteht dort ein ganz weicher, junger Knochen“, erklärt Dr. Ganger, „den wir dann wie einen Kaugummi auseinanderziehen.“  Eine wöchentliche Kontrolle der Verlängerung sowie des Zustandes des neu gebildeten Knochens gewährleistet ein optimales Ergebnis. Die Behandlung ist nahezu schmerzlos, wie die Patientin bestätigt. „Ich hab es nur im Muskel gespürt, solange ich gedehnt habe“, erzählt Susanne F. Nach 20 Tagen ist das Verlängerungsziel von zwei Zentimetern erreicht. Physiotherapie und Muskelmassagen waren für Susanne ein wichtiger Teil der Therapie. Rund zwei Monate – abhängig von biologischen Faktoren – benötigt der Knochen, um die entsprechende Stabilität zu erreichen. In dieser Zeit darf die Patientin das Bein unter Zuhilfenahme von Krücken nur teilbelasten.  Dann ist der Knochen so fest wie vorher und der Nagel wird entfernt.

Grenzen der Verlängerung

Beinverlängerungen mittels Marknagel stoßen auch an ihre Grenzen. Neben schlechter Knochendichte und Knochenqualität sind komplexe Deformitäten und ein junges Alter Gründe, die gegen diese Methode sprechen. „Bei Kindern können wir die Verlängerung mit dem Marknagel nicht machen, solange die Wachstumsfuge geöffnet ist“, erklärt Dr. Christof Radler, Spezialist für Kinder- und Jugendorthopädie. „Vor allem bei kindlichen Verlängerungen am Unterschenkel ist der externe Fixateur daher das Mittel der Wahl.“ Dabei umgibt ein Metallgestell das Bein von außen wie eine Art Käfig und wird mit Drähten und Nägeln am Knochen fixiert. Die Verlängerung erfolgt mittlerweile computergesteuert. Generell ist eine Knochendehnung bis fünf Zentimeter möglich. Danach steigt das Komplikationsrisiko, wie die Experten betonen. Um die Gelenke nicht zu schädigen, wäre bei größeren Differenzen eine zweite Behandlung der bessere Weg.

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