Krebs

Entstehung von Krebs

Darum ist Krebs so gefährlich

Rund 51 Prozent aller Männer und 43 Prozent aller Frauen erkranken im Laufe ihres Lebens an Krebs. Lesen Sie, warum die Erkrankung trotz neuer Therapien noch immer so gefährlich ist.

Die Diagnose Krebs ist ein Schock und verändert das Leben der Betroffenen schlagartig. Obwohl sich Krebs dank moderner Therapien mittlerweile zunehmend zu einer chronischen Krankheit entwickelt und oft sogar heilbar ist, verlieren dennoch rund 20.000 Österreicher jährlich den Kampf gegen den bösartigen Tumor. Trauriges Beispiel: die kürzlich verstorbene Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser. Die 53-Jährige trat Anfang 2015 erstmals mit der Diagnose Unterleibskrebs an die Öffentlichkeit und kehrte im Mai 2015 nach Operation und Chemotherapie scheinbar krebsfrei in die Politik zurück. Doch der Tumor kam wieder. Tapfer kämpfte die Politikerin erneut gegen den Krebs an, musste sich diesem schlussendlich geschlagen geben. Am 23. Februar erlag Sabine Oberhauser ihrem Leiden.  

Juli 2017 tritt das Wieder­eingliederungsteilzeitgesetz in Kraft. 1/5
Teilzeitmodell bei Wiedereinstieg: 
Sieben Jahre haben Gesundheitsministerin Dr. Sabine Oberhauser († 23. Februar 2017) und Nationalratspräsidentin Barbara Prammer († 2. August 2014) darum gekämpft, dass der Wiedereinstieg nach einer langen Krankenstandszeit – wie bei einer Krebserkrankung – sanfter und somit gesünder für Arbeitnehmer gestaltet wird. Mit Juli 2017 tritt nun das Wieder­eingliederungsteilzeitgesetz in Kraft. Es ermöglicht nicht nur die schrittweise Rückkehr ins Berufsleben, sondern bietet auch finanzielle Vorteile für Menschen, die durch schwere physische wie psychische Leiden mindestens und ununterbrochen sechs Wochen im Krankenstand waren.

Was ist Krebs?

Krebs ist eine Bezeichnung für eine Vielzahl von Erkrankungen, die durch ungebremste Zellvermehrung und bösartige Gewebsneubildung und -ausbreitung im Organismus gekennzeichnet sind. Umliegende Zellen werden verdrängt, gesundes Gewebe und Organe in ihrer Funktion eingeschränkt. Über Blut- und Lymphbahn können sich die entarteten Zellen auch in weiter abgelegene Regionen des Körpers ausbreiten und dort Tochtergeschwüre, sogenannte Metastasen, bilden. Laut Weltgesundheitsorganisation traten im Jahr 2014 weltweit rund 14 Millionen Krebs-Neuerkrankungen auf. Da viele der mehr als 230 bekannten Tumorarten in ihrer Entstehung nicht vermieden werden können, spielt Früherkennung eine wichtige Rolle.   

Stille Gefahr Unterleibskrebs 1/3
✏ Gebärmutterkrebs
Die Krebserkrankung kann den Gebärmutterkörper – hier besonders die Schleimhaut –, aber auch den Gebärmutterhals (Zervixkarzinom) betreffen. Der Gebärmutterkörperkrebs ist der vierthäufigste bösartige Tumor der Frau. Betroffen sind überwiegend Frauen in den Wechseljahren. Gebärmutterhalskrebs gilt als zweithäufigster bösartiger Tumor. Frauen zwischen 35 und 55 Jahren sind am häufigsten von Gebärmutterhalskrebs betroffen, die meisten Krebsvorstufen finden sich bei Frauen zwischen 30 und 40 Jahren.  Hauptursache ist die Infektion mit humanen Papillomaviren (HPV), zumeist in Kombination mit dem Risikofaktor Rauchen. Der beste Schutz zur Verhinderung ist die HPV-Impfung vor dem ersten Sexualkontakt.  

Früherkennung kann Leben retten

Früherkennungsprogramme helfen, Tumore rechtzeitig zu erkennen und  beinhalten medizinische Untersuchungen oder Tests bei Personen, die (noch) keine Beschwerden haben. Ziel dieser Untersuchungen ist es, allfällige Veränderungen, die auf Krebs hindeuten, so früh wie möglich sichtbar zu machen. Ist der Tumor noch klein und lokal begrenzt, sind die Chancen auf Heilung meist groß.

Warnsignale beachten

Neben den regelmäßigen Untersuchungen ist es wichtig, dem Körper entsprechende Aufmerksamkeit zu schenken und auf seine Signale zu achten. Zeigen sich ungewöhnliche Veränderungen, Schwellungen oder Knoten an der Haut, Schleimhaut oder Weichteilen, vergrößerte Lymphknoten sowie schlecht heilende Wunden, treten Symptome wie Blut im Stuhl oder Urin, langanhaltender Husten oder Heiserkeit, Erbrechen, Druck, Völlegefühl sowie unerklärliche Gewichtsabnahme auf, dann könnten dies Anzeichen einer Krebserkrankung sein.   Das Heimtückische an vielen Krebsarten – wie beispielsweise Unterleibskrebs – ist, dass sie oft gar keine oder nur unspezifische Beschwerden verursachen. Dadurch werden sie erst sehr spät entdeckt.

Das böse Wort Rezidiv

Noch schlimmer als die primäre Krebsdiagnose ist in den meisten Fällen das „böse Wort“ Rezidiv. Unter diesem Begriff versteht man das Wiederauftreten einer Erkrankung nach einer symptomfreien Phase. Einfach gesagt: Das Rezidiv ist ein Rückfall, der für viele Krebspatienten noch weitaus bedrohlicher ist als die Erstdiagnose. Warum ein Patient scheinbar geheilt ist, nach Jahren oder sogar Jahrzehnten der Krebs dann aber doch zurückkehrt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Ebenso, ob die Erkrankung beim Wiederauftreten heilbar ist, ob man nur mit einem chronischen Verlauf rechnen muss oder ob sie lebensbedrohlich wird.  Das Wiederauftreten der Krebserkrankung kann auf zwei unterschiedliche Arten erfolgen. Bei einem Lokalrezidiv wächst ein neuer Tumor an der ursprünglichen Stelle und ist auf diesen Ort begrenzt. Treten jedoch Absiedlungen des Ersttumors an anderen Stellen im Körper auf, spricht man von Fernmetastasen. Das Risiko eines Rezidivs variiert nach Tumorart und Stadium bei der Primärdiagnose. Während man bei einigen Krebsarten nach fünf symptomfreien Jahren als geheilt  gilt, ist dies bei anderen Tumorerkrankungen, beispielsweise Brustkrebs, nicht der Fall. Studien zeigen, dass hier der Krebs jederzeit, sogar nach 10 oder 25 Jahren, wiederkommen kann.

Wenn Krebszellen wandern

Dachte man früher, ein Krebs wächst vor sich hin, beginnt irgendwann Krebszellen abzusiedeln und lässt sich heilen, wenn man ihn rechtzeitig entdeckt und behandelt, so weiß man heute, dass dies nicht immer zutrifft. Krebserkrankungen sind viel komplexer. Ein Tumor kann schon sehr früh streuen, kleine Zellhäufchen oder Einzelzellen im Gewebe oder Knochenmark verteilen. Wie und warum sich manche Krebszellen aus dem Primärtumor lösen, in andere Gewebe wandern, sich dort niederlassen und vermehren, ist derzeit noch ein ungelöstes Rätsel. Für die meisten krebsbedingten Todesfälle sind nicht die Primärtumore, sondern die Metastasen verantwortlich.

Schlafende Zellen

Nicht jede Tumorzelle, die in fremdes Gewebe einwandert, entwickelt sich gleich zu einer Metastase. Kleine Inseln von Krebszellen, die nach einer Krebstherapie im Körper zurückbleiben, können vom Immunsystem kontrolliert, oft jahrelang unbemerkt ruhen, bevor sie dann in manchen Fällen wie aus dem Nichts zu einem Tochtertumor heranwachsen. Der Krebs, der scheinbar wiederkehrt, war in Wirklichkeit nie weg. Einzelne Zellen oder kleine Zellverbände sind nicht immer leicht nachweisbar. Durch spezielle Verfahren wie Punktion des Knochenmarks, Gewebeproben oder mithilfe passender Antikörper und Farbstoffe ist es jedoch möglich, die schla­fenden Tumorzellen zu entdecken und sichtbar zu machen. Auch eine erhöhte Konzentration von Tumormarkern kann einen Hinweis auf eine erneute Krebs­erkrankung liefern.  

Chancen auf Heilung

Ein Wiederauftreten des Krebses bedeutet nicht automatisch eine lebensbedrohliche, unheilbare Situation. Wie gut die Heilungschancen sind, hängt von vielen Faktoren ab, wie etwa der Art des Tumors, dem Zeitpunkt und der Ausdehnung des Rezidivs. Eine bessere Prognose haben in der Regel Patienten, bei denen das Rezidiv erst später (ab zwei Jahre nach der Erstdiagnose) und nur als einzelner Tumorherd auftritt. Tritt das Rezidiv relativ schnell nach der Ersttherapie wieder auf und haben sich zahlreiche Metastasen gebildet, ist die Behandlung  deutlich schwieriger.   

Leben mit Krebs

Forscher arbeiten ständig an neuen Strategien, um die Tumorzellen zu bekämpfen oder in Schach zu halten. Ziel dieser Bemühungen ist es, für alle Tumorarten Medikamente zu entwickeln, die selbst Betroffenen im fortgeschrittenen Stadium erlauben, dauerhaft ohne weiteres Fortschreiten der Erkrankung zu leben. Derzeit befinden sich zahlreiche Medikamente in unterschiedlichen Entwicklungsstadien – teilweise mit vielversprechenden Aussichten.