Das Geheimnis glücklicher Beziehungen

Expertin im Talk

Das Geheimnis glücklicher Beziehungen

David trifft auf Theresa auf einer Party. Sie verlieben sich Hals über Kopf. Es ist die ganz große Liebe. Keiner kann auch nur einen Tag ohne den anderen, alles unternehmen sie gemeinsam. Jedes Erlebnis ist neu und aufregend, die Anziehung zwischen den beiden schier unendlich. Doch dann vergehen ein paar Wochen, die anfängliche Begeisterung nimmt ab. Man bemüht sich weniger, dem anderen zu gefallen. Nach ein paar Monaten sitzt David  mal wieder zockend vor dem Computer, während Theresa genervt ist, weil sie die gemeinsame Zeit lieber draußen in der Sonne am See genießen möchte. Und es ist nicht das erste Mal, dass aus diesem Konflikt ein lauter Streit entsteht. Aus einer scheinbar harmlosen Situation wird ein Orkan aus verletzenden Worten. Dann folgt die Stille, in der es keinen Gewinner, sondern nur Verlierer gibt.

Was macht die Liebe mit uns?

Wenn wir verliebt sind, können wir oft nicht klar denken, sind nicht ganz wir selbst. Kein Wunder, wird unser Körper doch von einer geballten Ladung Glückshormone wie Oxytocin, Serotonin, Noradrenalin, Dopamin, Östrogen und Testosteron durchströmt. Doch die Schmetterlinge im Bauch und das Dauergrinsen im Gesicht verschwinden zusammen mit der rosaroten Brille nach drei bis 18 Monaten schnell wieder, wenn die Verliebtheitsphase zu Ende geht und der Alltag Einzug hält. Paartherapeut Dr. Roland Weber unterscheidet insgesamt fünf Phasen in der Liebe. Nach dem Verliebtsein, in Phase zwei, lernen wir den Partner mitsamt seinen Macken und Fehlern kennen. Hier kommt es bereits häufig zur Trennung von Paaren, die nicht gewillt sind für Phase drei, der „Erziehungsphase“. Hier werden Grenzen ausgetestet und man lernt sich intensiver kennen. In Phase vier geht es um Akzeptanz und Wir-Bildung. In Phase fünf kann man dann schließlich erst von echter „Liebe“ sprechen. Hier geht um die gemeinsame Zukunft, die Beziehung wird nicht mehr so schnell infrage gestellt. So weit schaffen es viele Paare allerdings nicht ...

So bleibt die Liebe stark:
Alltagstaugliche und wirksame Tipps von Beziehungs-Expertin Elena-Katharina Sohn auf einen Blick. Wie Sie sich selbst treu bleiben und Ihre Beziehung lebendig halten:

♥ keine zu hohen Erwartungen haben
♥ nicht alles muss immer perfekt sein
♥ den Partner nicht für mein Glück     verantwortlich machen
♥ auf die eigenen Bedürfnisse achten
♥ mit sich selbst im Reinen sein
♥ den eigenen Lebenssinn finden
♥ eigene Hobbys, Freunde etc. haben
♥ Ich-Ebene und Wir-Ebene bilden
♥ sich selbst lieben – und den Partner
♥ Im Streit nicht gleich die ganze Beziehung/den Partner infrage stellen
♥ nicht alles auf sich selbst beziehen
♥ Schuld nicht beim anderen suchen
♥ die Dinge mit Humor nehmen
♥ einen liebevollen Blick aufeinander haben


Nach einer Trennung folgt oft eine lange Leidensphase und viel Liebeskummer. Diese schmerzliche Erfahrung hat auch Autorin und Beziehungsexpertin Elena-Katharina Sohn gemacht. Aus der Motivation heraus, anderen bei der Aufarbeitung ihres Liebesleids zu helfen, gründete die Journalistin und Autorin die, von Therapeuten, Psychologen und Coaches betreute Plattform www.die-liebeskuemmerer.de. In ihrem neuen Buch „Goodbye Beziehungsstress“ (Nachfolger des Bestsellers „Goodbye Herzschmerz“ und „Schluss mit Kummer, Liebes“) beschreibt sie die zehn größten Fehler, die auf der Suche nach der „perfekten“ Beziehung oft gemacht werden. Und sie weiß zudem, wie man sie vermeidet – damit die Liebe hält und die Beziehung eine Chance bekommt, zu wachsen.    

Keine Hollywood-Vorstellungen
Ein Parameter für die Zukunft einer Beziehung  liegt bereits vor bzw. in in der Kennenlernphase: Denn viele von uns gehen eine Partnerschaft aus der falschen Motivation heraus ein. Bei manchen ist die Sehnsucht nach der Liebe so groß, dass man sich den Mann/die Frau nur um des Verliebtseins willen erwählt. Andere wiederum können schlichtweg nicht alleine mit sich sein und klammern sich deshalb an die vermeintliche große Liebe. Doch dabei wird der Auserwählte oft gar nicht wirklich gesehen. Er steckt lediglich in einem Idealbild fest, das er eigentlich gar nicht erfüllen kann. Und das führt über kurz oder lang automatisch zur Enttäuschung. Die riesengroße, überromantisierte Erwartungshaltung „à la Hollywood“ herunterzuschrauben ist also gleich das erste „Geheimnis“. Das heißt nicht, dass man auf Romantik verzichten muss, aber die Liebe auf den ersten Blick, wie im Film und dann nur mehr Friede, Freude und guter Sex – das ist in den meisten (Beziehungs-)Fällen leider nicht umsetzbar. Darum plädiert Sohn auf die reine, freie Liebe, die wirklich das Gegenüber meint – mit all seinen Stärken und eben auch Schwächen, die man lieben lernen kann. Dafür muss so manche eigene Vorstellung vielleicht ab und zu nachkorrigiert werden, um Projektionen zu vermeiden. „Man sollte versuchen, sein Gegenüber so zu sehen und zu nehmen, wie es wirklich ist. Und nicht gemessen an der Rolle, die es für einen erfüllen soll“ , so die Expertin . Im Fall von David wäre es dann nicht mehr das lästige Zocken, das man ablehnt, sondern seine kindliche Verspieltheit, die man vielleicht sogar anziehend, jedenfalls aber liebenswert findet.

Beziehungs-Guidelines 1/5
Ich- und wir-Ebene

Nur wer mit sich selbst im Reinen ist, also auf der Ich-Ebene klar verwurzelt ist, kann auch auf der Wir-Ebene gelassen und entspannt sein.  Das nimmt viel Druck aus der Beziehung und man kann Konflikte besser lösen.
Streitkultur

Auch in Krisenzeiten sollte man den liebevollen Blick auf den Partner behalten und nicht vergessen, dass es um die gemeinsame Sache geht. Nicht gleich die ganze Beziehung infrage stellen oder den Partner als Feind sehen. Weder  alles Schlechte auf sich beziehen, noch dem Partner die ganze Schuld geben. Reflexion und Eigenverantwortung sind wichtig!
Erwartungshaltung

Wer sich ständige Perfektion und die große Liebe in einer Sekunde erwartet, wird mit aller Wahrscheinlichkeit enttäuscht. Kennenlernen braucht Zeit und Geduld. Projektionen und romantisierte Vorstellungen haben hier keinen Platz. Das Gegenüber ohne übersteigerte Erwartungshaltung betrachten.
Motivation

Die Liebe für den Menschen – und nicht  das alleinige Interesse am Verliebtsein oder das Nicht-alleine-sein-Können – sollte die treibende Motivation für eine Partnerschaft  sein.
Freiwilligkeit

Wer verstanden hat, dass Beziehungen auf Freiwilligkeit beruhen, nimmt viel vom Frustrationspotenzial weg. Denn: Mein Partner ist nicht für mein Glück verantwortlich! Man darf sich alles wünschen, aber der andere ist nicht verpflichtet, diese Wünsche zu erfüllen. Tipp: Sich fragen, ob man sich selbst helfen kann, oder bei andauernden Problemen, ob diese Partnerschaft doch nicht die richtige für mich ist.
 

Das zweite Geheimnis liegt in der Einsicht, dass eine Beziehung generell auf Freiwilligkeit beruht. Sohn dazu: „Man darf sich von seinem Partner natürlich alles wünschen – aber der andere ist nicht dazu verpflichtet, diese Wünsche auch zu erfüllen. Das Gegenüber ist nicht für mein Glück verantwortlich.“  Im konkreten Beispiel muss Theresa überlegen, ob sie sich den Wunsch, nach draußen zu gehen, nicht auch selbst oder mit ihren Freunden erfüllen kann. Denn in einer funktionierenden Beziehung muss jedes Individuum weiterhin auch auf die eigenen Bedürfnisse achten und aufpassen, sich nicht selbst zu verlieren. Die Autorin ergänzt: „Viele Menschen arbeiten sich regelrecht an ihrem Partner ab und wollen ihn verändern. Diese Zeit sollten sie besser in sich selbst investieren. Denn, je wohler zwei Menschen sich auch auf der Ich-Ebene in ihrer Beziehung fühlen, umso gelassener werden sie auch auf der Wir-Ebene sein.“ Das wiederum bedeutet mehr Stabilität in der Beziehung und ermöglicht entspanntere Konfliktbewältigung. Weitere wichtige Essenzen für eine gut funktionierende Partnerschaft sind daher Eigenverantwortung, Selbstbewusstsein bzw. Selbstliebe – das hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern bedeutet Entfaltungsfreiheit für mich –  und meinen Liebsten. Sprich, klar zu sein auf der Ich-Ebene, mein Glück nicht vom Partner abhängig zu machen und eigene Hobbys und Ziele zu haben.

Zutaten für eine gute Beziehung
Was dann noch ganz wichtig ist, laut Sohn, ist die Gelassenheit, also die Dinge öfter mit Humor zu nehmen und bei einem Konflikt nicht gleich die ganze Beziehung infrage stellen. Alle Essenzen zusammengenommen und der Zustand, zu sich selbst gefunden zu haben und im Reinen zu sein, erhöhen die Chance auf eine liebevolle, respektvolle – und lang andauernde – Beziehung um ein Vielfaches. Wer nicht mehr nach dem Deckel zu seinem Topf oder der „besseren Hälfte“ sucht, sondern selbst schon ganz ist – für den ist der Partner die perfekte Draufgabe, die Kirsche auf der Sahne. Oder, mathematisch ausgedrückt: Wer selbst 100 Prozent ist, kann mit einem anderen Menschen 200 Prozent werden! Das sind doch vielversprechende Aussichten – für alle Singles und Pärchen da draußen!

Elena-Katharina Sohn im Talk

Worum geht es in Ihrem Buch „Goodbye Beziehungsstress“?
Elena-Katharina Sohn:
Es handelt von den zehn größten Fehlern, die die meisten von uns auf der Suche nach dem Beziehungsglück machen – und wie man sie verhindern kann, um eine wirklich glückliche Partnerschaft zu führen oder zu finden.

Was sind denn Ihrer Meinung nach die wesentlichsten „Zutaten“ für eine gut funktionierende Beziehung?
Sohn:
Gelassenheit, Selbstbewusstsein, Selbstliebe, einfach mit sich im Reinen sein.
Wie ist das mit der Erwartungshaltung dem Partner gegenüber?
sohn: Man darf sich von seinem Partner natürlich alles wünschen, aber man muss sich immer klarmachen, dass der andere nicht verpflichtet ist, diese Wünsche auch zu erfüllen. Das Gegenüber ist nicht dafür verantwortlich, mich glücklich zu machen. Wenn man einmal verstanden hat, dass Beziehungen auf Freiwilligkeit beruhen, nimmt das sehr viel Frustrationspotenzial.


Aber wie schafft man es, die Verantwortung für das eigene Glück nicht an den Partner abzuwälzen?
Sohn:
Viele Menschen arbeiten sich regelrecht an ihrem Partner ab, wollen ihn verändern, zermartern sich den Kopf. All diese Zeit sollten sie besser in sich selbst investieren. Denn wer auf der Ich-Ebene happy ist, ist auf der Wir-Ebene gelassener – und das macht die Beziehung entspannter, lässt auch Konflikte besser überstehen.


Wie kann man am besten aus der bestehenden Dynamik aussteigen bzw. Muster aufbrechen?
Sohn:
Ich empfehle zu Anfang einen Perspektivenwechsel: Betrachte die Situation mal aus der Sicht deines Partners oder „von oben“ als neutraler Zuschauer. Das verändert schon viel.

Haben Sie einen Tipp zum Schluss an alle Singles bzw. Pärchen, wie man die Liebe findet/aufrechterhalten kann?
Sohn:
Sich den liebevollen Blick auf den Partner zu erhalten oder zu finden ist umso leichter, je weniger ich ihn durch die Brille meiner eigenen Erwartungen betrachte. Man sollte versuchen, sein Gegenüber so zu sehen und zu nehmen, wie es wirklich ist. Und nicht gemessen an der Rolle, die es für einen erfüllen soll.

Autorin Elena-Katharina Sohn gibt Beziehungs-Tipps, zu finden unter www.die-liebeskuemmerer.de

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