So steuern Sie den Fettschalter

Abnehmen ohne Diät

So steuern Sie den Fettschalter

Das Fett muss weg

Doch warum nehmen wir so schwer ab? Wieso werden Herr und Frau Österreicher immer dicker? Ein neues Buch soll den „Fettschalter“ gefunden haben. gesund&fit hat eine Expertin gefragt. Lesen Sie selbst.

900.000 Österreicher sind adipös
Übergewicht ist in Österreich längst keine Nebensache mehr, sondern ein Problem mit Gewicht. Etwa 42 Prozent aller erwachsenen Männer und Frauen gelten bereits als übergewichtig. 900.000 Österreicher sind adipös und – besonders besorgniserregend: 24 Prozent der Kinder leiden unter Fettleibigkeit. Warum werden wir dick? „Stress macht uns dick. Unsere Lebens- und Ernährungsweise ist nicht mehr artgerecht. Wir bewegen uns zu wenig und essen keine von der Natur uns zur Verfügung gestellten Lebensmittel, sondern industriell verarbeitete Nahrungsmittel“, erklärt Elisabeth Polster, Ernährungsexpertin und neuerdings auch Autorin. Ihr Buch „Sündigen erlaubt“  greift dieses brisante Thema auf.  Warum uns unsere moderne Lebensweise dick macht? Lesen Sie dazu auch das Interview auf dieser Seite.

Elisabeth Polster im Talk - "Ernährung nicht mehr artgerecht" 1/4
Warum werden wir eigentlich dick?

Elisabeth Polster: Das ist ganz einfach erklärt: Weil wir uns nicht mehr artgerecht ernähren und auch nicht artgerecht leben.


Der Fettschalter

Der renommierte Nierenarzt Prof. Richard J. Johnson will einen „Fettschalter“ gefunden haben. Um diesen zu erklären, reist er an den Beginn der Menschheit. Menschen waren in der Lage, diesen fiktiven „Fettschalter“ umzulegen, um Ex­tremsituationen – wie eisige Winter – zu überstehen. Der Schalter wurde und wird mit fruchtzuckerreicher Nahrung umgelegt und ermöglicht, möglichst rasch Speck anzusetzen. Doch: Schnell anzusetzen war früher vorteilhaft und Fruktose nicht rund um die Uhr verfügbar. Weiters sieht der Forscher die Ursache für Übergewicht in der modernen von Stress geprägten Lebensweise. Wie wir nun durch eine kleine Lebensumstellung den Fettschalter zu unseren Gunsten umlegen können:     

Auslöser: Stress
Beginnen wir mit dem Stress-Faktor: Zu viel Stress ist ungesund und blockiert den Fettabbau. Wir machen Dinge, bei denen wir spüren, dass es uns schlecht geht – negativer Stress (Distress) baut sich auf. Hinzu kommt, dass viele das Hormon Cortisol nicht vollständig abbauen. Cortisol ist ein Steroidhormon der Nebennierenrinde, das unter Stress erzeugt wird. Es erhöht den Blutzuckerspiegel. Ist der Blutzuckerspiegel erhöht, ist die Fettverbrennung gestoppt. Wichtig daher der Abbau des Hormons. Polster: „Dieser ist nur mit ausreichend Bewegung wie einem langen Spaziergang möglich. Wir arbeiten jedoch zu viel und greifen im Stress zu den falschen, meist süßen Lebensmitteln. Das führt letztendlich dazu, dass wir zunehmen.“ Daher: 20 Minuten moderate Bewegung täglich können bereits kleine Wunder bewirken!

Mental-Tipps für den Start 1/4
Glaubenssätze loslassen
Lassen Sie Ihre negativen Glaubenssätze los. Sagen Sie öfter zu sich: „Ich schaffe es sowieso nie!“, „Ich war schon als Kind dick!“ oder „Jetzt ist schon alles egal!“? Die meisten Glaubenssätze, die uns begleiten, stammen aus der Kindheit und haben nichts mit uns zu tun. Lassen Sie diese alten Sätze los und kreieren Sie doch neue!


Blutzuckerspiegel regulieren
Steht der Körper ständig unter Stress, muss er auch ständig in Energiebereitschaft sein. Wenn der Blutzucker sinkt, wird unserem Gehirn signalisiert, dass wir Energie benötigen. „Wenn wir“, so Polster, „in so einer Situation uns nicht bewusst für Nüsse und Obst entscheiden, greifen wir leider oft auf Süßes und Fettiges zurück.“ Und hier sind wir beim großen Ernährungsthema. Denn nicht nur das Stresshormon, sondern auch ein zu hoher Blutzuckerspiegel macht dick. Generell gilt: nur drei Mahlzeiten pro Tag, ausgewogen essen, um den Blutzuckerspiegel konstant zu halten! Wie diese drei Mahlzeiten aussehen könnten, das verrät Polster im neuen COOKING-Magazin und hier.


 Insulin lagert Fett ein    
Denn: Wer auf bewusste und zuckerarme Ernährung setzt, der schüttet weniger Insulin aus, welches wiederum die Einlagerung von Fett fördert. Zudem kann die gefährliche Insulin-Resistenz – die für Fettleibigkeit verantwortlich gemacht wird – verhindert werden. Diese ist nämlich das Ergebnis eines dauerhaft zu hohen Blutzuckers. Um sich vor einer Überzuckerung zu schützen, lassen unsere Zellen das Insulin samt Glukose nur noch eingeschränkt passieren. Denn bevor die Zelle droht zu „verzuckern“, macht sie lieber zu. Das bedeutet auch, dass der aufgenommene Zucker im Körper nicht mehr optimal verarbeitet wird, der Blutzucker wird weniger schnell gesenkt, die Sättigungssignale wirken nicht mehr ausreichend und zusätzlich werden unsere Muskelzellen nicht optimal mit Nähr- und Vitalstoffen versorgt. In der Blutbahn fließt zu viel Zucker und unsere Bauchspeicheldrüse schüttet immer mehr Insulin aus, um doch noch Zucker in die Zellen zu bekommen. Was in dieser Phase aber nicht mehr funktioniert (Insulinunempfindlichkeit). Nachdem unsere Bauchspeicheldrüse über einen langen Zeitraum Höchstleistung erbracht hat, lässt ihre Kraft nach. Diabetes mellitus Typ 2 ist die Folge, das metabolische Syndrom droht. Daher: rechtzeitig den Fettschalter umlegen.

Das können Sie tun
Zusammengefasst: Wenn wir Fett verbrennen wollen, sollten wir darauf achten, aktiv Stress zu reduzieren, und zwar durch viel Bewegung. Weiters: Essen Sie nur dreimal am Tag bewusst! Zusatztipp: Bereiten Sie sich auch mental (Tipps li.) vor. Denn das ist nicht einfach eine Diät, das ist eine Lebensphilosophie.