Wie geht es weiter?

Prinzessin Kate: Krebs-Experte Paul Sevelda über ihre Chemotherapie

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Prinzessin Kate (42) ist an Krebs erkrankt. Nach ihrer berührenden Videobotschaft fragt sich die Welt: Was steht ihr bevor? Wir haben Antworten vom Experten.

Dem langen Schweigen folgte ein manipuliertes Familienfoto. Und nach dem Skandal war die Flucht nach vorne schließlich unausweichlich. In einer emotionalen Videobotschaft offenbarte Prinzessin Kate, dass in ihrem Körper im Zuge einer Operation Krebs gefunden wurde. „Im Januar“, so die Nachricht der Thronfolger-Gattin, „unterzog ich mich in London einer größeren Bauchoperation, und damals ging man davon aus, dass ich nicht an Krebs erkrankt sei. Die Operation war erfolgreich. Doch spätere Untersuchungen stellten Krebs fest. Mein medizinisches Team riet mir daher zu einer vorbeugenden Chemotherapie und ich befinde mich jetzt in der Anfangsphase dieser Behandlung.“ Wie auch ihr Schwiegervater ließ sie die Art der Krebserkrankung offen – Privatsache – und bat die Öffentlichkeit um Zurückhaltung. Nachsatz: „Wir hoffen, dass Sie verstehen werden, dass wir als Familie jetzt etwas Zeit, Raum und Privatsphäre brauchen, während ich meine Behandlung abschließen kann.“

Fragen an den Experten

Obwohl die vorangegangene OP erfolgreich war, muss sich Kate einer Chemotherapie unterziehen. Diese Behandlungsform wird als vorsorgliche oder auch adjuvante Chemotherapie bezeichnet und kommt u. a. nach der Entfernung von Eierstock- oder Darmkrebs zum Einsatz, um die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls zu verringern.
Wie sich eine derartige Therapie gestaltet, mit welchen Nebenwirkungen zu rechnen ist und was es bedeutet in einem so jungen Alter zu erkranken, beantwortet Prof. Dr. Paul Selevda, der Präsident der Österreichischen Krebshilfe im Interview:

Prinzessin Kate sprach von einer erfolgreichen OP. Warum braucht sie dennoch eine Chemotherapie?
Prof. Paul Sevelda:
Wir setzen bei einigen Krebserkrankungen eine sogenannte adjuvante Chemotherapie ein – v. a. bei Brustkrebs oder auch Eierstockkrebs. Mit dieser systemischen Therapie wird nach der Entfernung eines Tumors begonnen. Krebszellen, die eventuell nach der Operation im Körper verblieben sind (Anm.: z. B. in den Blut- und Lymphbahnen), sollen dadurch in ihrem Wachstum gehemmt werden. Mit der Therapie kann das Risiko eines Wiederauftretens des Krebses reduziert werden.

Wie viele Behandlungen werden bei einer vorsorglichen Chemo notwendig?
Prof. Sevelda:
Das kommt auf den Einzelfall bzw. auf die Art und Biologie der Krebserkrankung an. Durchgeführt werden im Schnitt sechs Zyklen. Ein Zyklus dauert häufig zwei bis vier Wochen. Darüber hinaus gibt es die medikamentöse Erhaltungstherapie. Sie kommt nach der adjuvanten Chemotherapie zum Einsatz und kann ein bis zwei Jahre dauern. Diese zusätzliche Behandlung ist zumeist eine Immuntherapie. Sie stimuliert teilweise die körpereigene Abwehrreaktion und setzt gezielt bei spezifischen Tumormerkmalen an. Die Erhaltungstherapie kommt mitunter bei Brust- und Eierstockkrebs zum Einsatz. Ziel ist es, dadurch die Chance auf Langzeitheilung deutlich zu erhöhen.

Mit welchen Nebenwirkungen ist zu rechnen?
Prof. Sevelda:
Die Nebenwirkungspalette hängt davon ab, welche Medikamente zum Einsatz kommen. Die meisten Nebenwirkungen können wir heute sehr gut behandeln. Erbrechen und Übelkeit sind mittlerweile selten geworden. Es gibt Therapien, bei denen es zu Haarverlust kommt, es gibt wiederum auch Therapien, durch die man den Haarverlust vermeiden kann. Es kann u. a. auch Veränderungen des Blutbildes geben, weshalb ein genaues Monitoring der Blutwerte wichtig ist. Eine bestimmte Art der Chemotherapie (Anm.: Taxane) kann zu Nervenschädigungen führen. Da kann vorgebeugt werden. Beziehungsweise: Wenn Zeichen dieser sogenannten Neurotoxizität auftreten, muss die Therapie früher als geplant beendet werden, um Langzeitschäden zu vermeiden. In aller Regel ist die Chemotherapie heute aber sehr sicher und besser verträglich als vor 20 Jahren.

Wenn man in jungen Jahren an Krebs erkrankt, ist das Risiko erneut zu erkranken höher als bei Alterskrebs?
Prof. Sevelda:
Nein, das stimmt nicht. Die Annahme, Alterskrebs sei harmlos und je jünger der Krebs auftaucht, desto gefährlicher sei er, ist falsch. Es kommt auf die Biologie des Tumors an.

Wenn eine Krebserkrankung in jungen Jahren entsteht, also Anfang 40, ist es wahrscheinlich, dass es sich dabei um eine genetisch bedingte Krebserkrankung handelt.
Prof. Sevelda:
Bei genetisch verursachten Krebserkrankungen ist eines der typischen Charakteristika, dass der Krebs in deutlich jüngeren Jahren auftritt. Hierbei handelt es sich jedoch um ein seltenes Phänomen. Es betrifft nur etwa fünf bis zehn Prozent der Menschen, die an Krebs erkranken. Ein weiteres wesentliches Merkmal einer genetisch bedingten Krebserkrankung ist, dass es innerhalb einer Familie, bei Blutsverwandten, zu gehäuften Krebserkrankungen, wie Brust-, Eierstock-, Prostata- und Dickdarmkrebs kommt. Ob man die Gene in sich trägt, kann man heutzutage bei bestimmten Voraussetzungen untersuchen lassen. Liegt eine Vorbelastung vor, wird die Vorsorge dementsprechend angepasst.

Wenn die Chemotherapie beendet ist und keine Erhaltungstherapie notwendig ist, folgt die Nachsorge. Als geheilt gilt man nach fünf „krebsfreien“ Jahren. Wie gestaltet sich die onkologische Nachsorge?
Prof. Sevelda:
Mittels Nachsorgeuntersuchungen lassen sich sowohl Rückfälle als auch Therapiespätfolgen erkennen. Fachgesellschaften empfehlen in den ersten zwei bis drei Jahren Nachsorgeuntersuchungen in eher kürzeren Intervallen von drei bis sechs Monaten. Bis zum fünften Jahr werden Untersuchungen halbjährlich empfohlen. Ab dem fünften Jahr sollte man dann einmal im Jahr zur Kontrolle gehen. Eine Krebsdiagnose begleitet einen das ganze Leben. Zum Glück ermöglicht die moderne Medizin den meisten ein lebenswertes Leben.  

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