Diabetes

Leben mit Diabetes

Neue Diabetes-Therapien

So bekommen Sie Ihren Blutzucker in den Griff

Diabetes ist nicht heilbar, mit Lebensstilmaßnahmen und modernen Medikamenten aber sehr gut zu behandeln. Hier finden Sie einen Überblick über die wichtigsten Therapiemethoden.

Risiken dank richtiger Therapie mindern
Diabetes bedeutet, der Körper hat die Fähigkeit verloren, den Blutzucker richtig zu verarbeiten. Dazu braucht er nun Unterstützung – egal um welchen Diabetes-Typ es sich handelt und in welchem Stadium die Erkrankung steht. Ständig überhöhte Blutzuckerwerte schädigen die Gefäße und legen den Grundstein für schwere Folgeerkrankungen. Deshalb ist es für Diabetiker wichtig, möglichst frühzeitig gegenzusteuern und medizinische Betreuung in Anspruch zu nehmen.

Arten der Therapie 1/3
Orale Antidiabetika:
Blutzuckersenkende Medikamente in Tablettenform eignen sich für Typ-2-Diabetiker, da hier der Körper noch eine gewisse Menge an Insulin produziert. Die Medikamente können entweder die Insulinwirkung verbessern, indem sie die Insulinempfindlichkeit im Gewebe erhöhen oder durch Stimulation von körpereigenem Insulin als Antwort auf Kohlenhydrate in der Nahrung.   


Ziele der Therapie
Ziel jeder antidiabetischen Therapie ist es, Akutkomplikationen zu vermeiden, Spätkomplikationen zu verhindern, Beschwerden zu lindern sowie den Betroffenen eine möglichst normale Lebensweise zu ermöglichen. Im Mittelpunkt der Therapie steht daher eine gute Blutzuckereinstellung. Da Typ-1-Diabetes und Typ-2-Diabetes verschiedene Ursachen haben, sind auch die Therapien unterschiedlich.

Dr. Hermann Toplak im Talk - „Die Basis ist der Lebensstil!“ 1/5
Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei Diabetes?
Dr. Hermann Toplak: Grundsätzlich ist die Basis der Therapie – vor allem des Typ 2, aber auch des Typ 1 – eine Sache des Lebensstils. Ernährung und Bewegung sind bei Menschen mit Typ 1 ideal aufeinander abzustimmen. Bei Typ 2 ist auch die Kalorienaufnahme ein Thema, da der Betroffene in der Regel übergewichtig oder fettleibig ist.


Basistherapie Lebensstil
Grundlage der Diabetestherapie ist die Lebensstilmodifikation mit Optimierung der Ernährungssituation, eventuell Gewichtsreduktion sowie körperliche Aktivität. „Ernährung und Bewegung sind bei Menschen mit Typ-1-Diabetes ideal auf­einander abzustimmen, bei Typ-2-Diabetes steht auch die Kalorienaufnahme im Mittelpunkt, da der Betroffene in der Regel übergewichtig oder fettleibig ist“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Hermann Toplak, Facharzt für innere Medizin und Präsident der Österreichischen Diabetes Gesellschaft.

Erste Hilfe

Unterzuckerung:  
Blutzuckerspiegel sinkt unter 50 mg/dl (Milligramm pro Deziliter Blut), Bewusstlosigkeit und Lebensgefahr drohen (hypoglykämischer Schock). Symptome: blasse Haut, Schweißausbrüche, Zittern, Pulsrasen, Unruhe, Schwindelgefühle, Seh- oder Bewegungsstörungen, Orientierungslosigkeit, Lähmungserscheinungen, Krampfanfälle und Bewusstlosigkeit. Maßnahmen: schnell verwertbaren Zucker verabreichen (Traubenzucker, ­Limonade, Kohlenhydrate).

Überzuckerung:
Blutzuckerspiegel steigt über 250 mg/dl. Ab 400 mg/dl besteht Lebensgefahr (hyperglykämisches Koma). Symptome: verstärkte Atmung, starker Durst, häufiges Urinieren, Kopfschmerzen, Benommenheit, beschleunigter Puls, Müdigkeit, Atem kann nach Azeton (wie ­Nagellack) riechen, taumelnder Gang. Maßnahmen: Insulin spritzen, viel trinken, Anstrengung vermeiden, nicht einschlafen, bei Erbrechen ins Spital.

➩ (Drohende) Bewusstlosigkeit: Notarzt informieren, Erste-Hilfe-Maßnahmen.


Behandlung von Typ-1-Diabetes
Bei Typ-1-Diabetes besteht  absoluter Mangel an Insulin. Die Therapie erfordert daher lebenslange Zufuhr dieses Hormons mittels Insulinpräparaten. Bei der konventionellen Insulintherapie werden Essensmengen und -zeiten entsprechend den gespritzten Insulinmengen abgestimmt. Diese Form ist meist der Beginn einer Therapie und wird ehestmöglich auf eine funktionelle Insulintherapie umgestellt.  Die intensivierte (funktionelle) Insulintherapie ist der Goldstandard bei Typ-1-Diabetes. Entsprechend dem individuellen Insulinbedarf erfolgt ein- oder zweimal täglich die Verabreichung eines lange wirksamen Basisinsulins und zusätzlich zu den Mahlzeiten eines kurz wirksamen Insulins. Um die Behandlung entsprechend anpassen zu können, ist eine regelmäßige Überprüfung des Blutzuckers notwendig. Mittels moderner Insulinpumpen ist es möglich, das Insulin kontinuierlich zu verabreichen. 

Behandlung von Typ-2-Diabetes

Bei Typ-2-Diabetes ist im frühen Stadium die Insulinproduktion noch weitgehend intakt. „Die medikamentöse Behandlung besteht anfänglich aus den oralen Anti­diabetika“, so Diabetesexperte Dr. Toplak. „Diese verbessern entweder die Insulinwirkung, indem sie die Insulinempfindlichkeit des Gewebes erhöhen, oder stimulieren körpereigenes Insulin als Antwort auf Kohlenhydrate in der Nahrung. Lässt die Bauchspeicheldrüse schließlich weiter nach, wird oft Insulin erforderlich.“ Laut einer Studie zeigt sich, dass sich der Blutzucker von insulinpflichtigen Typ-2-Diabetikern durch den Einsatz einer Insulinpumpe (die bisher nur bei Typ 1 eingesetzt wird) besser einstellen lässt als mit mehreren Spritzen am Tag.  

Moderne Geräte im Test 1/2
„Intelligente“ Insulinpumpe
Die Technik
Die Insulinpumpe (Größe eines Mobiltelefons) wird am Gürtel befestigt oder in der Tasche getragen. Sie besitzt ein Insulinreservoir und ist über einen Schlauch direkt mit dem Infusionsset verbunden, das auf den Körper aufgeklebt wird. Die neueste ­Generation wird mit einem kleinen Sensor  gekoppelt.
Anwendung
Über den Sensor wird automatisch rund um die Uhr die Glukosekonzentration im Gewebe bestimmt. Auf diese Weise wird der Patient frühzeitig über Unter- und Überzuckerung informiert.
www.medtronic-diabetes.at


Die Wahl des richtigen Arztes
Der erste Schritt zur Therapie ist der Weg zum Arzt. In Österreich gibt es die Spezialbezeichnung Diabetologe nicht. Die Experten sind meist Fachärzte für innere Medizin mit dem Schwerpunkt Diabetes, aber auch andere Fachärzte beziehungsweise praktische Ärzte, die sich seit vielen Jahren mit dem Thema intensiv auseinandersetzen. Für den Patienten ist es oft schwer, hier einen Überblick zu gewinnen. Neben der fachlichen Qualifikation des Arztes muss auch die Chemie zwischen ihm und dem Patienten stimmen. Letztendlich geht es das Management der Erkrankung und um Akzeptanz. Diese muss nicht nur zwischen Arzt und Patienten bestehen. „Der Patient soll seine Erkrankung ernst nehmen und sich ihr stellen, andererseits soll auch die Gesellschaft die Menschen mit Diabetes als wichtige gesellschaftliche Aufgabe anerkennen“, so Dr. Toplak. Schließlich ist Diabetes mellitus (zumindest Typ 2) auch ein Symptom unseres modernen Lebensstils.