Chronischer Rückenschmerz: unentdeckte Form betrifft vor allem Junge

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Chronischer Rückenschmerz: unentdeckte Form betrifft vor allem Junge

Wo liegt die Grenze zwischen Kreuzschmerzen und einer chronisch entzündlichen Erkrankung?

Rückenschmerzen sind die Volkskrankheit Nummer 1 und können vielfältige
Ursachen haben. Bei länger andauernden Schmerzen gerade auch im jungen Alter ist gleichermaßen die Wachsamkeit von Betroffenen und Ärzten gefragt. Denn entzündlicher Rückenschmerz trifft oft junge Menschen mitten im Leben. Etwa 60.000 Österreicher leiden an einer entzündlichrheumatischen Form des Rückenschmerzes, doch nur ein Viertel davon ist diagnostiziert. Damit leiden knapp 45.000 an der Erkrankung, ohne davon zu wissen. Ein wichtiger Anlass für mehr Aufklärungsarbeit zum Thema Rückenschmerz, sind sich die Experten einig.

Betroffen: Junge Erwachsene mitten im Leben
Wenn junge Menschen unter Rückenschmerzen leiden, werden diese oft schlechter Körperhaltung und fehlender Bewegung zugeschrieben. Dass auch eine rheumatische Entzündung die Ursache sein kann, wird heute kaum bedacht. „Die axiale Spondyloarthritis ist eine rheumatisch-entzündliche Erkrankung der Wirbelsäule und der Kreuz-Darmbeingelenke. Die ersten Symptome dieser Erkrankung treten oft in jungen Jahren auf. Nach dem 40. Lebensjahr ist ein Auftreten der Beschwerden eher selten. Frauen und Männer können gleichermaßen betroffen sein,“ erklärt Prof. Dr. Joachim Sieper, Leiter der Rheumatologie der Charité Universitätsklinik Berlin, Campus Benjamin Franklin.

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Chronischer Rückenschmerz: unentdeckte Form betrifft vor allem Junge
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Die Erkrankung kann mild sein, sie kann aber auch in Schüben verlaufen und sehr kräftezehrend sein. „Abhängig vom Grad der Entzündung haben chronisch entzündliche Rückenschmerzen starken Einfluss auf die Lebensqualität der Betroffenen. Sie fühlen sich oft müde, schwach und können ihren Alltag nicht wie gewohnt meistern”, ergänzt Rheumatologe OA Doz. Dr. Johannes Grisar, Leiter der Rheumaambulanz im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Wien.

Signale frühzeitig erkennen
Zu den auffälligsten Symptomen der axialen Spondyloarthritis zählt die Morgensteifigkeit in der Lendenwirbelsäule und im Bereich des Beckens. Die Schmerzen bessern sich bei Bewegung und verschlechtern sich im Ruhezustand. Die Rückenschmerzen werden oft von einer Uveitis (Regenbogenhautentzündung) oder anderen Formen der Arthritis wie z.B. geschwollenen Kniegelenken begleitet.

Die Ursachen für Rückenschmerzen können vielfältig sein. Bei etwa 5% der Fälle kann ein entzündlicher Rückenschmerz vorliegen, was ein Merkmal für die sogenannte axiale Spondyloarthritis ist. Wenn Betroffene an chronischen Rückenschmerzen leiden, aber nicht genau wissen, was das sein könnte, kann dieser Überblick weiterhelfen:

Symptom-Check chronisch entzündlicher Rückenschmerz 1/5
1. Rückenschmerz tritt erstmals im jungen Erwachsenenalter auf
26 Jahre, sportlich, mitten im Leben, in der Karriere - und geprägt von starken Rückenschmerzen. Das ist ein unerwartetes Bild, aber nicht untypisch für den chronisch entzündlichen Rückenschmerz. Denn die ersten Symptome dieser Erkrankung treten vorwiegend in den Zwanzigern auf. Nach dem
45. Lebensjahr ist eine Neuerkrankung nur mehr äusserst selten. Das Durchschnittsalter liegt unter 40 Jahren, Frauen und Männer können gleichermaßen betroffen sein.

„Falls ein Betroffener unter diesen Beschwerden leidet, sollte er sich umgehend an seinen Hausarzt wenden, um eine Überweisung zum Rheumatologen zu bekommen“, betont Prof. Sieper. „Denn die Früherkennung ist entscheidend. Wird die Entzündung früh erkannt und kontrolliert, behält der Betroffene seine Mobilität und seine Lebensqualität. Bleibt die Erkrankung jedoch unentdeckt, kann es zu Verknöcherungen der Wirbelsäule kommen.“

Frühdiagnose durch Magnetresonanz
Basis für eine Diagnose ist ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt, körperliche Untersuchungen sowie Bluttests über Entzündungswerte und den Erbfaktor HLA-B27. Dazu kommen bildgebende Verfahren wie das Röntgen oder die Magnetresonanztomografie (MRT). Während im Röntgen bereits die Spätfolgen in Form von Schädigungen an der Wirbelsäule bzw. des Kreuz-Darmbeingelenks zu
sehen sind, zeigen MRT-Bilder bereits auch kleine Entzündungsherde noch bevor es zu Dauerveränderungen an den Knochen kommt. Deshalb hat sich die MRT für die frühzeitige Diagnose des entzündlichen Rückenschmerzes bewährt.