Ragweed

Symptome erkennen und lindern

Ragweed im Anflug

August ist Ragweed-Zeit. Rund jeder Zehnte in Österreich reagiert allergisch auf diesen Pollen. Warum an der ursächlichen ­Therapie kein Weg vorbeiführt und wie Sie bis dahin bestmöglich mit Ihren Symptomen umgehen. 

Mit August erlebt die Pollensaison in Österreich traditionell einen letzten Höhepunkt. Das Ragweed ist es, das zehn Prozent aller Österreicherinnen und Österreicher mit Symptomen plagt. Besonders im östlichen Österreich setzt die Blüte des Ragweeds – auch Fetzenkraut oder Ambrosia genannt – stark ein. Die allergischen Symptome sind vielfältig ausgeprägt und werden oftmals lange nicht richtig erkannt. Klarheit gibt erst ein entsprechender Allergietest.

Allergie ernst nehmen
Ragweed gilt als ein sehr starkes Allergen, das massive Symptome auslösen kann, die Betroffene stark belasten und im alltäglichen Leben einschränken. Die Pollenallergie oder „Pollinose“ tritt ausschließlich zur Blütezeit des jeweiligen Allergens (Gräser– oder Baumpollen) auf. Die überschießende Immunreaktion ist den Proteinen des Pollens geschuldet: An den Schleimhäuten werden sie freigesetzt und gelangen so in die Blutbahn. Bei entsprechender Empfindlichkeit wird Histamin freigesetzt, das wiederum die allergischen Symptome auslöst. Milde oder sich unspezifisch zeigende Symptome sind ein Hauptgrund dafür, warum Pollenallergien in vielen Fällen erst spät vermutet und in Folge diagnostiziert werden. Dabei wäre möglichst frühe Therapie wichtig, wie Expertinnen und Experten dringend anraten.

Gefährliche Langzeitfolgen
Denn bleiben Allergien unbehandelt, können sich nicht nur die Symptome verschlimmern, sondern auch gefährliche Langzeitfolgen eintreten. Etwa kann ein „Etagenwechsel“ entstehen: Hierbei „wandert“ die allergische Reaktion in die Bronchien weiter, also in die unteren Atemwege. Dort kann die Allergie weitaus komplexer und schwerwiegender auftreten. Auch ist das Auftreten von unerwarteten Kreuzreaktionen möglich: Hierbei reagiert das Immunsystem plötzlich auf Fremdstoffe, die einem Allergen ähnlich sind. Ein Beispiel hierfür ist das „Birkenpollen-Nuss-Kernobst-Syndrom“: Birkenpollen-Allergiker reagieren dann plötzlich auf den Verzehr eines Apfels, einer Haselnuss oder Tomate, weil das Immunsystem ein darin enthaltenes Protein mit jenem des Birkenpollens verwechselt. Besteht auch nur der leiseste Verdacht einer Pollenallergie, so sollte dringend ein (sehr unkompliziert durchzuführender) Allergietest angestrebt werden. So kann früh und effektiv therapiert werden.

Symptome lindern
Viele kleine Vorkehrungen können bei der Pollenreduktion helfen. Gut beraten ist, wer die Flugzeiten der allergieauslösenden Pollen im Blick hat: Die Webseite und App des Pollenwarndienstes der Uni Wien informieren darüber, wann die Belastung besonders hoch ist. Zur entsprechenden Tageszeit sollten Aufenthalte im Freien und das Lüften der Innenräume vermieden werden. Wirksame physische Barrieren, die das Pollenaufkommen reduzieren können, sind etwa Pollenschutzgitter für Fenster, Filter fürs Auto und Sonnenbrillen. Diese Maßnahmen bewirken, dass weniger Pollen an die Schleimhäute der Atemwege und Augen gelangen. Als sehr wirksam hat sich in dieser Hinsicht auch das Tragen von Mund-Nasen-Schutz erwiesen: Es werden schlicht weniger Pollen eingeatmet. Sorgsam sollte auch mit Kleidung umgegangen werden, denn Pollen setzen sich gut und gerne an Stoffen fest. Legen Sie die Straßenkleidung nicht erst im Schlafzimmer ab, waschen Sie sie häufig und lassen Sie Wäsche nicht im Freien trocknen!

Therapie muss sein
All diese Vorkehrungen können zwar Symptome lindern, aber niemals eine tatsächliche Therapie bieten. Eine Therapie ist allerdings entscheidend, um gefährliche Langzeitfolgen – etwa Verschlechterung, gefährliche Kreuzreaktionen (Allergie weitet sich plötzlich auf z. B. Nahrungsmittel aus) und „Etagenwechsel“ in die Lunge – zu verhindern. Das kann nur die Immuntherapie, auch „Hyposensibilisierung“ genannt. Hierbei werden dem Allergiker, der Allergikerin regelmäßig kleine Dosen des Allergens verabreicht, meist mittels Injektion oder über orale Einnahme. Für Gräserpollen-Allergiker gibt es die sogenannte „Gräsertablette“ (auch eine spezielle Ragweed-Tablette ist verfügbar), die besonders unkompliziert anzuwenden ist. Dieser kontrollierte Kontakt mit dem Allergen führt dazu, dass sich der Körper langsam an den Fremdstoff gewöhnt. So werden nicht nur die Symptome gelindert, sondern auch die Allergie selbst geheilt.   

Ist es eine Allergie?

Wie Sie mögliche Symptome erkennen können: 

Symptomcheck:
1. Heuschnupfen: Die Nasenschleimhaut schwillt an, es bildet sich vermehrt Sekret und/oder es juckt im Hals.
2. Tränende Augen: Die Augen sind gerötet und/oder tränen verstärkt, evtl. besonders beim oder nach Aufenthalt im Freien.
3. Asthma: Die Atemwege schwellen an und es kommt oft zu Husten und Kurzatmigkeit.
4. Juckreiz: Schwellungen und/oder Juckreiz im Mund- und Rachenraum treten auf, häufig bis zum Lippenbereich.
5. Nesselsucht: Ein blasser bis roter Ausschlag auf der Haut entsteht, dazu kommt es oft zu Juckreiz und trockener Haut bzw. trockenen Hautstellen.
6. Unspezifische Symptome: Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Infektanfälligkeit können hinzukommen.

Entstehung von Allergien
Erbfaktor Mediziner gehen mittlerweile davon aus, dass eine immunologische Überreaktion des Körpers in den meisten Fällen angeboren ist. Ist ein Elternteil Allergiker/Allergikerin, dann liegt die Übertragungswahrscheinlichkeit auf das Kind bei 20 bis 40 Prozent. Leiden beide Elternteile an einer Allergie, liegt die Weitergabe-Wahrscheinlichkeit bereits bei 40 bis 60 Prozent und bei bis zu 80 Prozent, wenn Vater und Mutter sich dieselbe Allergie teilen.

Kontakt Daneben können nicht-erbliche Faktoren über die Entstehung einer Allergie mitentscheiden. Etwa ist diese abhängig von der Vielfalt an Fremdstoffen, mit denen wir im Säuglings- und Kindesalter konfrontiert werden: Es wurde wissenschaftlich belegt, dass zu gründliche Hygiene im Haushalt einen negativen Effekt
hat, da Kinder so mit weniger Fremdstoffen in Kontakt kommen und der Körper in Folge auf einige wenige umso stärker reagiert. Bakterienkontakt und ausgeheilte Erkrankungen in jungen Jahren hingegen helfen dabei, das Immunsystem auf lange Sicht feiner zu kalibrieren.  

Allergene reduzieren 

1. Nase Spülen
Nicht besonders angenehm, aber sehr wirksam sind Spülungen, die die Atemwege von Allergenen befreien. Tipp: Lösen Sie 1 Teelöffel gewöhnliches Kochsalz in ca. 250 Milliliter lauwarmem Wasser auf. Ziehen Sie die Lösung in die Nase hoch – am besten auf beiden Seiten und mindestens einmal täglich.

2. „Flugzeiten“ beachten

Wenn Sie in der Pollenzeit weiter draußen Sport betreiben wollen, tun Sie das am besten in den Morgenstunden – da ist die Pollenbelastung oftmals am geringsten. Atmen Sie beim Sporteln immer durch die Nase. Die Nasenschleimhaut agiert wie ein natürlicher Filter, der die Pollen abfängt. Tipp: Nutzen Sie Apps, die über die aktuelle Pollenbelastung informieren!

3. Kleidung ablegen
An Hose, Shirt & Co. haften Pollen, selbst wenn sie mit freiem Auge nicht sichtbar sind. Halten Sie Ihre Straßenkleidung aus dem Schlafzimmer fern und lassen Sie Wäsche nicht im Freien trocknen.

4. Haare waschen
Auch unsere Haare sind „Pollenfänger“, vor allem, wenn wir uns im Freien aufhalten. Waschen Sie Ihre Haare im Frühling am besten täglich und gründlich, so spülen Sie Pollen aus und können Symptome wie nächtliche Nies– und Asthmaattacken reduzieren.

5. Pollen filtern
Wenn Sie viel im Auto unterwegs sind, ist ein Pollenfilter unerlässlich. Er hält die Allergieauslöser aus dem Innenraum des Autos fern. In neuen Modellen ist er oft standardmäßig eingebaut, in älteren kann nachgerüstet werden. Den Filter vor jeder Pollensaison wechseln.

6. Augen schützen
Bei Ausflügen draußen empfiehlt es sich, eine Sonnenbrille zu tragen, damit weniger Allergene in die Augen gelangen. Auch Mund-Nasen-Schutz kann helfen, um die Atemwege etwas abzuschirmen.