Pollenflug

Turbulente Zeiten für Pollenallergiker

Gefahr im Anflug

Allergiker aufgepasst! So überstehen Sie die Pollenzeit

Es war der zweitwärmste Winter seit Beginn der Messgeschichte. Die Temperaturen sind weiterhin unbeständig. Was das für Pollenallergiker bedeutet und womit sie heuer rechnen müssen sowie Infos zu Diagnose und Therapien, lesen Sie hier! Alle Tipps aus dem neuen gesund&fit Magazin.

Allergieauslöser vermeiden 1/5
Allergenvermeidung
Die Allergenvermeidung bildet die Basis jeder Behandlung – umfassende, langfristige und konsequente Maßnahmen können das Leid deutlich verringern.

Die Nase rinnt, die Augen brennen und das Atmen fällt schwer – rund zwei Millionen Österreicher kennen das Leid der Pollenallergie. Eine Studie der Uni Salzburg mit 500 Schülern zwischen 13 und 21 Jahren zeigt: Über 53 Prozent weisen IgE-Antikörper (Antikörper des Immunglobulins-E) auf und sind somit sensibilisiert. Bei 25 Prozent wurde eine bereits manifestierte Allergie nachgewiesen. Dabei kennen Allergien kein Alter, denn auch bei „Best Agern“ (Anm.: Personen über 50 Jahre) kann es zu ersten Pollen-Sensibilisierungen kommen, die zu den typischen Symptomen führen – diese werden aber meist weniger stark erlebt. Worauf Sie als Pollenallergiker in der kommenden Saison vorbereitet sein sollten, wie Sie die Allergene bestmöglich vermeiden und wie wichtig Frühdiagnose und ­adäquate Therapie sind, erfahren Sie hier!

Der Pollenflug 2016 1/5
Die Purpurerle
Frühblüher. Mit dem Abblühen der Hasel – auch von der Erle ist keine hohe Belastung mehr zu erwarten – hat der Spuk der Frühblüher ein Ende. Allergologisch gewinnt die winterresistente Purpurerle immer mehr an Relevanz. Der in städtischen Bereichen häufig gepflanzte Baum blüht aufgrund seiner sibirischen Gene bereits zwei Monate vor seinen heimischen Verwandten und führt so bereits Mitte Dezember zu Problemen. Die zunehmende Verbreitung der Purpurerle verkürzt die pollenfreie Zeit auf nur zwei Monate jährlich. Die enge Verwandtschaft mit Hasel und Birke kann auch bei diesen ­Allergikern zu Beschwerden führen.


Die Allergie frühzeitig erkennen
Eines nach dem anderen: Am Beginn jeder Behandlung steht natürlich die Dia­gnose und diese sollte möglichst frühzeitig gestellt werden, um eine adäquate Therapie einzuleiten. Anderenfalls kann es zu einer Verschlechterung beziehungsweise einer Chronifizierung der Symtpome kommen. Denn bleiben die Beschwerden zu lange unbehandelt, weitet sich die allergische Entzündung Richtung Lunge aus, wo die Entstehung weiterer Allergien begünstigt wird und es im schlimmsten Fall zu allergisch bedingtem Asthma kommen kann – dieser „allergische Marsch“ wird auch als Etagenwechsel bezeichnet. Allergien werden häufig unterschätzt: Oft wird der Schnupfen auf die leichte Schulter genommen oder mit Erkältungserscheinungen verwechselt. Klingen Schnupfen (verstopfte, rinnende und/oder juckende Nase) und juckende, gerötete und tränende Augen innerhalb einer Woche nicht ab oder treten jährlich zum selben Zeitpunkt auf, sollten die Beschwerden durch einen allergologisch versierten Facharzt abgeklärt werden.
Erster und sehr wichtiger Bestandteil der ­Diagnostik ist ein ausführliches Anamnesegespräch, bei dem die Beschwerden mit möglichen Allergieauslösern in Zusammenhang gebracht werden. Danach folgt meist eine Hauttestung, bei der geringe Mengen eines standardisierten Allergen-Konzentrats auf die Haut getropft und leicht in die oberste Hautschicht geritzt werden. Eine allergische Reaktion zeigt sich innerhalb weniger Minuten durch gerötete, meist juckende Quaddelbildung. Ein weiterer Schritt ist die Spurensuche im Blut: Im Labor wird die Konzentration von IgE-Antikörpern gemessen – die „Biomarker“ der Allergie. Werden spezifische IgE-Antikörper nachgewiesen, liegt eine entsprechende Sensibilisierung vor. „Speziell die Blutuntersuchung hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Die komponentenbasierte Diagnostik stellt eine besonders genaue Diagnosemöglichkeit dar: Gezielt lässt sich feststellen, welche Eiweißbestandteile für die Allergie verantwortlich sind“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Erika Jensen-Jarolim vom Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung der MedUni Wien. Besonders treffsicher und wenig belastend ist der Allergen-Mikrochip, er wird auch als Screening-Methode bei Pollenallergikern  eingesetzt.

Kreuzreaktionen der Birke
Bei 40 Prozent der Birkenpollen-­Allergiker kommt es beim Verzehr bestimmter Nahrungsmittel (enthalten dem Allergen ähnliche ­Eiweiße) zu Kreuzreaktionen.
  • Kern- und Steinobst
  • Nüsse
  • Kiwi
  • Karotten, Sellerie, Petersilie
  • Erdbeere, Himbeere
  • Soja
  • rohe Kartoffel
  • Paprika
  • frische Feige
  • Kaki, Sharon
  • Jackfrucht und Maulbeere

Der Verzehr kann (!) zum oralen Allergiesyndrom (Juckreiz) und bei Hautkontakt zum lokalen Allergiesyndrom führen.


Gut therapiert ist halb geheilt
Die Behandlung einer Atemwegsallergie umfasst im Wesentlichen drei Säulen: Allergie-Auslöser (s. Kasten S. 17) meiden, Symptome mit antiallergischen Medikamenten lindern und die Krankheitsursache bekämpfen. In der symptomatischen Therapie wird bevorzugt mit Antihistaminika, die abschwellend wirken, und mit Kortison, das die allergische Entzündung hemmt, gearbeitet. Die dritte therapeutische Säule bildet die Spezifische Immuntherapie (SIT), dabei wird die Allergie mit den eigenen Waffen geschlagen – bei der Pollenallergie mit Pollenallergenen. „Das krankmachende Allergen wird über einen Zeitraum von drei Jahren in Form von Spritzen, Tropfen oder Tabletten dem Körper zugeführt. Dabei wird die Dosis langsam gesteigert, wodurch ein Gewöhnungseffekt entsteht, das Immunsystem lernt, die Allergene wieder zu tolerieren. Die Erfolgsquote der Desensibilisierung mittels SIT liegt bei rund 80 Prozent“, so Univ.-Prof. Dr. Reinhart Jarisch, stv. Leiter des Floridsdorfer Allergiezentrums.

Sicher durch die Pollensaison
Pollen, die wir nicht wollen – der warme Winter und die unbeständigen Temperaturen sorgen für ein facettenreiches Aeroallergen-Frühjahr. Wann welche Allergene ihren Höhepunkt erreichen, erfahren Sie unter www.pollenwarndienst.at oder in der gleichnamigen Gratis-App – ein Service der MedUni Wien. Früherkennung ist alles: Deshalb finden Sie online einen Risikotest, der Sie bei ersten Anzeichen zu einer fachärztlichen Kontrolle motiviert. So kann der Frühling kommen!