Diabetes

Ärzte warnen

"Diabetes-Tsunami" - Höchste Warnstufe

"Wenn wir so weitermachen, werden die Diabetiker die Mehrzahl in der Bevölkerung sein"

Dramatische Warnungen bezüglich der häufigsten schweren Stoffwechselerkrankung, der Diabetes, gab es am Mittwoch bei einer Pressekonferenz der österreichischen Diabetes-Fachgesellschaft in Wien. "Wir haben nicht eine 'Diabetes-Welle', wir haben einen 'Diabetes-Tsunami'." Dies sagte der Wiener Experte Helmut Brath von der entsprechenden Spezialambulanz der Wiener Gebietskrankenkasse.

Erschreckende Prognose
Den Hintergrund bildet der bevorstehende Weltgesundheitstag (7. April), der sich dem Thema mit dem Motto "Beat Diabetes" (Schlagt Diabetes) widmet. "2050 werden 33 Prozent der Bevölkerung an Diabetes leiden. (...) Wenn wir so weitermachen, werden die Diabetiker bald die Mehrzahl der Bevölkerung sein", sagte Brath. Der bewegungsarme westliche Lebensstil mit zu "süßer" und zu fettreicher Ernährung samt Übergewicht und Adipositas sind offenbar die treibenden Faktoren in der Entwicklung beim Typ-2-Diabetes (nicht insulinabhängiger Diabetes, ehemals "Altersdiabetes").

Diabetes im Vormarsch
Derzeit sind weltweit 415 Millionen Menschen zuckerkrank. 2040 werden es prognostizierte rund 640 Millionen Menschen sein. Inkludiert man die geschätzte Dunkelziffer nicht diagnostizierter Fälle, dürften laut dem Wiener Diabetologen in Österreich rund zehn Prozent der Erwachsenen betroffen sein, bei den älteren Menschen sind es offenbar bereits rund 20 Prozent. Eine aktuelle Screening-Untersuchung der Tiroler Apotheker zeigte, dass bei 1.210 erfassten Datensätzen 9,5 Prozent der untersuchten Personen an Diabetes litten, weitere 34,8 Prozent wurden als Prädiabetiker klassifiziert. Die erste Aktion lief von Mai bis Juni dieses Jahres.

 

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Soziale Benachteiligung macht zuckerkrank
"80 Prozent der Diabeteskranken leben in Ländern mit sehr niedrigem oder mittlerem Bruttosozialprodukt", sagte bei der Pressekonferenz der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) die Wiener Spezialistin Alexandra Kautzky-Willer. In Ländern wie Pakistan, Mexiko oder in den arabischen Staaten würden bereits 20 Prozent der Erwachsenen zuckerkrank sein.

Dieses Faktum scheint durch die zunehmende Verbreitung des westlichen Lebensstils weltweit bedingt zu sein. Gleichzeitig schlägt diese Situation über Menschen mit Migrationshintergrund erst recht in jenen Industriestaaten durch, wo viele dieser Personen ankommen. Alexandra Kautzky-Willer betonte, dass sowohl der in den Zielländern verbreitete Lebensstil mit weniger Bewegung und westlicher Ernährung als auch die oft schlechtere soziale Situation hier zum Tragen kämen. "Frauen mit Migrationshintergrund haben in Österreich ein um das 3,5-Fache gesteigertes Diabetesrisiko, Männer mit Migrationshintergrund haben das 1,5-Fache Diabetesrisiko."

Leitlinie zur Behandlung von "Arznei&Vernunft"
Die Initiative "Arznei&Vernunft" vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger, Ärzte- und Apothekerkammer hat zu diesem Thema am Mittwoch auch eine neue Leitlinie zum Thema "Diabetes mellitus Typ 2" vorgestellt. Sie wurde von einem mehr als 20-köpfigen österreichischen Expertengremium erarbeitet (www.arzneiundvernunft.at).