Wenn der Körper SOS schreit

Warnzeichen erkennen

Wenn der Körper SOS schreit

Ein kleines Zwicken im Kopf, ein Drücken in der Magengegend, unregelmäßige Verdauung oder schmerzende Schultern – viele kleine Wehwehchen werden von uns ignoriert und als „Alltagsbeschwerden“ abgetan. Doch manchmal will uns unser Körper etwas damit sagen, worauf wir besser hören sollten. Denn nicht alle schwerwiegenden Erkrankungen machen sich durch große Beschwerden bemerkbar – einige fangen durchaus klein an.
Nicht jeder Kopfschmerz ist gleich ein Hirntumor, nicht jede Verdauungsstörung eine Vergiftung. Aber vor allem wenn Schmerzen regelmäßig auftauchen oder anhaltend sind, sollte man einen Arzt aufsuchen, um die Ursache der Symp­tome abklären zu lassen. Weiters gilt: Alles, was plötzlich sehr stark und anfallartig kommt, ist ungewöhnlich und sollte sofort vom Arzt überprüft werden.
Auf diesen Seiten finden Sie eine Zusammenfassung der häufigsten Alltagsbeschwerden und damit eine kleine Hilfestellung, um die Signale Ihres Körpers besser deuten zu können. Doch keine ­Panik: In den allermeisten Fällen ist die Ursache harmlos.

Achtung, Warnzeichen! 1/10
Magenprobleme Daran kann’s liegen:
Druckgefühl im Bauch, Sodbrennen oder Blähungen: In der Regel harmlos. Die Ursache ist ungesunde ­Ernährung. Wir neigen dazu, zu viel, zu fett und zu schnell zu essen. Wer Zucker, Fett und Alkohol bewusst einschränkt, wird die Beschwerden meist rasch wieder los.
Das hilft:
Akut lindern Kräutertropfen sowie Antacida (Medikamente, die die Magensäure binden) aus der Apotheke das Problem. Starke Magenschmerzen vor dem Frühstück, Übelkeit und Appetitlosigkeit weisen hingegen auf eine Gastritis hin, die ärztlich behandelt werden muss.
Achtung:
Für Frauen gilt: Magenschmerzen mit Übelkeit, Kurzatmigkeit und Schwindel können einen Herzinfarkt ankündigen. Weil sich die weiblichen Symptome stark von den männlichen unterscheiden, wird der Infarkt bei Frauen oft erst zu spät erkannt. Darum: sofort ins Spital.
Kopfweh Daran kann’s liegen:
Fast 70 Prozent der Bevölkerung leiden unter Spannungskopfschmerz. Ursachen sind z. B. Verspannungen, Stress.
Das hilft:
Spaziergänge, Ruhe, warme Auflagen oder Salben, die die Durchblutung anregen.
Achtung:
Kommt es immer wieder zu heftigen Schmerz­attacken, begleitet von Übelkeit und Lärmempfindlichkeit, kann vielleicht Migräne diagnostiziert werden. Sie sollten einen Arzt aufsuchen. Ebenso, wenn nach körperlicher Anstrengung ein starker Druck hinter der Stirn verspürt wird. Dann besteht die Gefahr einer Hirnblutung. Ein Alarmzeichen sind auch häufige Kopfschmerzen, die mit Kribbeln in Händen und Füßen und Verhaltensänderungen einhergehen. Wortfindungsstörungen, Apathie und grundlose Wut könnten auf einen Tumor hinweisen.
Nacken-/Schulterschmerz Daran kann’s liegen:
Schmerzt Sie jede Kopfbewegung und ist der Radius beim Drehen des Kopfes eingeschränkt? Fühlt sich der Schulter­bereich hart und druckempfindlich an? Meist sind Zugluft und stundenlanges starres Sitzen die Ursache.
Das hilft:
Die Schmerzen lassen sich durch Massagen, Wärmebehandlung oder Akupunktur rasch behandeln. Längerfristige Wirkung gegen den lästigen Schmerz bringt eine Stärkung der Rückenmuskulatur durch Yoga, Pilates, Rückentraining.
Achtung:
Lassen die Beschwerden nicht nach, sollte ein Orthopäde untersuchen, ob ein Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule vorliegt. Auch ein Zahnarzt könnte helfen: Leiden Sie an Craniomandibulärer Dysfunktion (CMD), pressen Sie im Schlaf Ihre Kiefer so fest aufeinander, dass sich der Druck bis in Nacken und Schultern fortsetzt.
Durchfall Daran kann’s liegen:
Ein Magen-Darm-Virus, verdorbene Lebensmittel oder ungewohnte Speisen im Urlaub – das sind die harmlosen Ursachen für Durchfall. Man verbringt viel Zeit auf der Toilette, friert und fühlt sich schlapp, aber nach zwei bis drei Tagen geht es wieder bergauf.
Das hilft:
Viel trinken ist in dieser Zeit besonders wichtig, neben Tee am besten mineralstoffhaltige Elektrolytlösung (Apotheke).
Achtung:
Ist Durchfall mit Erbrechen, heftigen Bauchschmerzen sowie Kopfschmerzen verbunden, sollte ein Arzt konsultiert werden. Möglich ist eine Salmonellen-Infektion oder eine Ansteckung mit Kolibakterien. Immer wiederkehrender Durchfall könnte auch auf eine Gluten-Unverträglichkeit hinweisen. Gluten ist ein Klebereiweiß, das in vielen Lebensmitteln vorkommt und bei manchen Menschen zu einer chronischen Darmentzündung führt.
Dauermüde Daran kann’s liegen:
Zu wenig Schlaf und Jetlag. Ist dies nicht der Fall, sollte ständige Müdigkeit immer von einem Arzt abgeklärt werden.
Achtung:
Ein Bluttest gibt Aufschluss, ob die Schilddrüse aus dem Gleichgewicht geraten ist. Produziert sie zu wenig Hormone (Unterfunktion), kommt es zu Müdigkeit, Haarausfall und Verstopfung, aber auch eine Überfunktion kann den Schlaf stören. Kommen zur Müdigkeit eingerissene Mundwinkel und extreme Blässe hinzu, dürfte ein Eisenmangel vorliegen. Frauen mit starker Menstruation und Vegetarier sind davon häufig betroffen. Eisenmangel kann über einen Bluttest festgestellt werden und muss behandelt werden, damit es nicht zu einer Blutarmut (Anämie) kommt. Starke Müdigkeit kann auch ein Hinweis auf Zuckerkrankheit sein, wenn weitere Symptome wie großer Durst, Gewichtsverlust oder auffällig schlecht heilende Wunden hinzukommen. Dann sofort zum Arzt!
Haarausfall Daran kann’s liegen:
Falsche Ernährung oder eine Radikaldiät können die Haar­wurzeln stark belasten, weil ihnen Eiweiß, Mineralstoffe und ­Vitamine fehlen. Auch viele Medikamente haben Haar­ausfall als Nebenwirkung. Das Gleiche gilt für Stress und Phasen hormoneller Veränderung: Nach der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren können Haare büschelweise ausfallen.
Das hilft:
Eine Untersuchung der Haarwurzeln (Trichogramm) beim ­Spezialisten, z. B. beim Dermatologen. Der Experte kann mit ­einem maßgeschneiderten Ernährungsprogramm oder Behandlungen  gegen Haarausfall unterstützen.
Achtung:
Bei starkem Haarausfall sollten Sie auch mit einer Blutuntersuchung den Hormonstatus und die Schilddrüsenfunktion überprüfen lassen.
Gewichtsverlust Daran kann’s liegen:
Wenn Sie normal essen und trotzdem unkontrolliert Gewicht verlieren, sollten Sie möglichst bald einen Arzt konsultieren. Stress oder eine depressive Verstimmung können Ursachen für den Gewichtsverlust sein.
Das hilft:
Erste Hilfe: Regelmäßige Essenszeiten einplanen und sich für die Mahlzeit Ruhe gönnen. Ausdauersportarten wie Joggen, Walken oder Radfahren bauen seelischen Druck ab, auch eine Entspannungstechnik wie Meditation kann sinnvoll sein.
Achtung:
Verlieren Sie weiter an Gewicht, sollten Sie überprüfen lassen, ob Schilddrüse und Verdauungssystem normal arbeiten. Diabetes könnte ebenfalls eine Ursache sein. Tritt der starke Gewichtsverlust zusammen mit Nachtschweiß und erhöhter Temperatur auf, kann diese Symptomkombination ein Anzeichen für Tuberkulose sein oder sogar für einen Tumor, der Nährstoffe entzieht.
Ständiger Hustenreiz Daran kann’s liegen:
Etwa drei Erkältungen pro Jahr gelten als normal. Wer häufiger unter Husten, Schnupfen und Halsschmerzen leidet, sitzt entweder den ganzen Tag im Zug einer Klimaanlage oder hat womöglich ein geschwächtes Immunsystem.
Das hilft:
Viel Bewegung an der frischen Luft, ausreichend Schlaf und eine ausgewogene Ernährung können Besserung bringen.
Achtung:
Ernst wird es bei Husten, wenn Fieber und starke Müdigkeit hinzukommen: Anzeichen einer Lungenentzündung. Ständigen Hustenreiz ohne weitere Erkältungssymptome sollte ebenfalls ein Arzt untersuchen. Mögliche Ursache: Allergie oder Entzündung der Speiseröhre. Bei Lungenkrebs ist Husten nur ein Symptom unter mehreren.
Steter Durst Daran kann’s liegen:
Viele Medikamente vermindern den Speichelfluss und trocknen so die Mundschleimhaut aus.
Das hilft:
Dagegen hilft nur eines: Viel trinken! Ideal sind rund zwei Liter Flüssigkeit am Tag, am besten Wasser oder ungezuckerter Tee.
Achtung:
Scheiden Medikamente als Verursacher aus, sollte der Arzt die Möglichkeit einer Autoimmunerkrankung abklären. Auch Diabetes (geht einher mit Durst, Mattigkeit und Heißhungerattacken ) macht sich durch übermäßigen Durst, gepaart mit Müdigkeit, bemerkbar.
Muskelschmerzen Daran kann’s liegen:
Wenn Muskeln stark beansprucht werden, kann es zu feinsten Rissen im Gewebe kommen – auch als Muskelkater bekannt.
Das hilft:
Durch warme Bäder, eine Trainingsauszeit und Sauna ist man jedoch nach spätestens zwei Tagen wieder fit. Muskelkrämpfe sind ebenfalls oft die Folge von zu viel Sport. Treten sie öfter auf, könnte ein Magnesiummangel vorliegen.
Achtung:
Regelmäßig wiederkehrende Schmerzen können auf eine ­Fibromyalgie hinweisen: Bei dieser rheumatischen Erkrankung sind bestimmte Punkte am Körper besonders druckempfindlich. Diese „Tender Points“ können etwa Ellenbogen, Knie, Schlüsselbeine oder Schultern sein. Weitere Symptome: Schlafstörungen, Erschöpfung, Reizdarm, Verstimmungen. Die Ursache der Fibromyalgie ist bisher nicht bekannt.

Wann zum Arzt?
Bei Schmerzen:
Generell gilt: Alles, was plötzlich sehr stark und anfallartig kommt, ist ungewöhnlich und sollte überprüft werden. Plötz­licher und anfallartiger Schmerz ist immer ein Alarmsignal. Sofort zum Arzt oder ins Spital fahren! Ebenso sollte man einen Arzt aufsuchen, wenn die handelsüblichen Schmerzmittel nicht die erwünschte Wirkung zeigen.

Bei Blutungen:

Jede Form der Blutung, ob beim Husten oder im Stuhl, sollte sofort überprüft werden. Auch schwarzer Stuhl deutet auf eine innere Blutung hin!

Bei Müdigkeit:
Liegen keine bekannten Umstände wie Schlafmangel vor, sollte man seinen Arzt auf jeden Fall in Kenntnis setzen. Ständige Müdigkeit, gepaart mit großem Durst, könnte ein Hinweis auf ­Diabetes sein.

Bei Gewichtsverlust:

Wenn Sie ungewollt in drei Monaten etwa ein Drittel Ihres Ursprungsgewichts verlieren, ist das immer ein Alarmsignal und sehr gefährlich. Kommt dann auch noch Nachtschweiß dazu, deutet das auf einen Tumor hin.

Bei Durchfall:

Ab drei Tagen kann es aber zu Dehydrierung kommen und man sollte einen Arzt konsultieren.
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