Weihnachten

Diät

Weihnachtsgenuss ohne Reue

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 Die höheren Mengen an Fett, Zucker oder Alkohol, die man in der Adventzeit zu sich nimmt, überfordern den Magen-Darm-Trakt. Trotzdem kann man ohne Reue genießen.  

Kekse, Glühwein und fettige Speisen gehören in der Vorweihnachtszeit für viele Menschen einfach dazu. Zwar verbringen wir die genussfreudige Adventzeit momentan im Lockdown, geschlemmt wird aber trotzdem. Für das Verdauungssystem bedeutet das allerdings Schwerstarbeit. Die Folge von zu viel Fett, Alkohol und Zucker sind unter anderem Völlegefühl, Sodbrennen, Krämpfe, Durchfall, Übelkeit, Blähungen oder Verstopfung. Doch woher stammt überhaupt diese Vorliebe für süße oder fettige Nahrungsmittel und wie lassen sich die Magen-Darm-Beschwerden, die aus dem übermäßigen Konsum resultieren, verhindern oder lindern?

Die Gier nach Fett und Zucker
Der Grund für unsere Fett-Zucker-Gier liegt in einem evolutionsbiologischen Programm, schreibt Dr. Matthias Riedl, Ernährungs-Doc und Bestsellerautor im Buch „Mein Weg zur gesunden Ernährung“. Diese Kombination sei für unsere Ahnen ideal gewesen: „Kohlenhydrate lieferten schnell verfügbare Energie, mit der die Menschen beispielsweise auf der Jagd rasch sprinten konnten. Das Fett dagegen füllte ihre Energiespeicher und erlaubte es so, die mitunter langen Phasen ohne Nahrung zu überstehen“, so der Ernährungsexperte. Doch heutzutage gibt es an jeder Ecke hochkalorische Lebensmittel, die bei regelmäßigem Verzehr süchtig, dick und krank machen. Viele Menschen reagieren laut Dr. Riedl auf ­Süßigkeiten wie frisch Verliebte auf den Anblick des oder der Angebeteten. Süße Leckereien heben die Stimmung innerhalb von Sekunden. Laut Dr. Riedl konsumieren wir zu viel Zucker, knapp 100 Gramm pro Tag. Die vierfache Menge dessen, was die WHO als gesundheitlich unbedenklich ansieht (Anm.: WHO-Empfehlung: etwa 25 g, 6 TL). Der übermäßige Konsum von fettigen zuckerhaltigen Nahrungsmitteln sowie Alkohol kann Sodbrennen, Völlegefühl, Blähungen, Durchfall und Übelkeit auslösen. Außerdem wird der Darm durch fettiges Essen träge und das kann zu einer Obstipation führen.

Darmfit in der Vorweihnachtszeit
Mit einigen simplen Hausmitteln oder Tricks kann man die Folgen der Völlerei in der Adventszeit aber reduzieren. Beispiels­weise mit Bitterstoffen, die gegen Blähungen, Sodbrennen und Völlegefühl (Anm.: siehe weitere SOS-Tipps auf S. 7) helfen. Darüber hinaus können sie Dr. Riedl zufolge als natürliche Appetitzügler (Anm.: Einnahme vor einer Mahlzeit und bei Heißhunger) fungieren. Pfeffer in all seinen Farben erleichtert laut dem Mediziner Prof. Dietrich Grönemeyer die Fettverdauung und regt die Magen-Darm-Bewegung an.

Ratschläge der Großeltern – wissenschaftlich belegt
Es lohnt sich, auch Tipps der älteren Generation in dem Zusammenhang anzuwenden. Denn laut Dr. Riedl haben sie Vieles unbewusst umgesetzt, was die Ernährungsmedizin heute empfiehlt. Ein Spruch, den die Großeltern meist verwenden, lautet etwa: „Nach dem Essen sollst du ruhn oder 1.000 Schritte tun!“ ­Ruhe sowie Bewegung seien tatsächlich perfekte Optionen nach einer reichhaltigen Mahlzeit. Bei Reflux und Darmproblemen wird zu einem halbstündigen Verdauungsspaziergang nach dem Essen geraten, denn: „Bei jedem Schritt bewegt sich die Bauchdecke mit, das aktiviert Zellen im Magen, die den Nahrungsbrei weiterleiten.“ Zudem könne beim Gehen die Magensäure, die während der Verdauung entsteht, nicht nach oben fließen und damit auch kein Sodbrennen aus­lösen, so der Ernährungsexperte. Hat man keine Beschwerden, solle man sich hingegen ausruhen, damit sich der Körper auf die Verdauung konzentrieren kann. Auch Prof. Grönemeyer lässt ­einen Rat seiner Großmutter in sein Buch „Selbst heilen mit Kräutern“ einfließen. Sie habe immer den Echten Kümmel bei Blähungen eingesetzt. Und in unserer heutigen Zeit wird die Wirkung dieses Gewürzes gegen krampfartige Magen-Darm-Beschwerden, Völlegefühl sowie Verdauungsstörungen wissenschaftlich anerkannt. Für die Älteren, die in den Mangeljahren nach dem Zweiten Weltkrieg lebten, war Völlerei – wie in unserer Zeit üblich, undenkbar, schreibt Dr. Riedl. Sie wussten, wie man in Maßen genießt, ihre Tipps sind aber hochaktuell.   

SOS-TIPPS für Magen & Darm: 

Sodbrennen, Blähungen & Krämpfe:
Gegen Blähungen und Bauch­krämpfe helfen Kümmel und Kamille. Bitterstoffe helfen gegen Blähungen und Sodbrennen. Z. B. Salbeitee-Rezept von Prof. Grönemeyer: 3 x täglich 1–2 g Blätter mit 150 ml kochendem Wasser übergießen, 5 Min. abgedeckt ziehen lassen und nach dem Essen oder zw. den Mahlzeiten trinken. Der „Echte Kümmel kommt bei Krämpfen und Blähungen zum Einsatz. Vorgabe der EMA (Europäische Arzneimittel-Agentur): 3 x täglich 3 bis 6 Tropfen ätherisches Kümmelöl aus der Apotheke einnehmen.

Völlegefühl:

Gegen Völlegefühl und Druck im Bauchraum helfen Bitterstoffe – enthalten in Pflanzen wie etwa Schafgarbe, Salbei, Spitzwegerich oder Mariendistel. Sie regen die Verdauungssäfte an und wirken entspannend auf die Darmmuskulatur. Falls Sie Fertigpräparate verwenden, sollten diese weder Alkohol noch Konservierungsstoffe enthalten.

Übelkeit:

Gegen Übelkeit helfen Fenchel, Ingwer, Kamille, Melisse und Pfefferminze. Ein Magenwohltee bei Übelkeit von Prof. Grönemeyer: für eine Tasse 1 TL Ingwerwurzelstock frisch oder getrocknet) und TL getrocknete Melissenblätter mit 300 ml kochendem Wasser aufgießen und abgedeckt 10 bis 15 Minuten ziehen lassen. Anschließend abseihen und trinken. Dreimal täglich wiederholen.

Obstipation:

Bei akuter und vorübergehender Verstopfung hilft laut Prof. Grönemeyer Aloe-Direktsaft (eingedickter Aloesaft aus Blättern gereinigter Aloe ohne andere Zusätze; aus der Apotheke oder dem Reformhaus). Der Saft wirkt abführend.

Hangover:

Einem Kater vorbeugen kann man, indem man vorher einen Elektrolytdrink zu sich zu nimmt, viel Wasser trinkt oder Weihrauchtabletten schluckt.   

Buchtipps:

Ernährungsmediziner Dr. Matthias Riedl gibt Antworten auf die 100 wichtigsten Fragen zum Thema Ernährung. ZS Verlag GmbH um 23,90 Euro 

Prof. Dietrich Grönemeyer und Tochter Friederike Grönemeyer zeigen, wie man Heilkräuter richtig einsetzt. Becker Joest Volk Verlag um 30,80 Euro 

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