Individuelle Ernährung für jeden Esstyp

Welcher Esstyp sind Sie?

Individuelle Ernährung für jeden Esstyp

Heilkost war schon bei den alten Griechen ein Thema.  Bereits 460 v. Chr. erklärte der griechische Arzt Hippokrates: „Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel und eure Heilmittel sollen eure Nahrungsmittel sein.“ Unter Heilkost ist keine pauschale Diät zu verstehen, sondern eine individuelle Essempfehlung. Angelehnt an das Konzept der individualisierten Medizin, bei dem therapeutische Verfahren maßgeschneidert an die speziellen Gegebenheiten des Patienten angepasst werden, entstand die Idee einer personalisierten Ernährungsweise. In seinem neuen Buch Iss, was deinen Körper heilt, erklärt der Allgemeinmediziner und Homöopath Dr. Walter Glück, dass nur eine individuelle Essempfehlung der Schlüssel zum Erfolg sei, um leichter abzunehmen aber auch um Alltagsbeschwerden zu lindern oder chronische Krankheiten zu vermeiden.  

Welcher Esstyp bin ich? 1/8
Milch-Typ Vorlieben: Milch, Milchprodukte oder bodenständige Hausmannskost Wesen: alles läuft gemütlich; wirkt zurückhaltend, behäbig; Entscheidungsfindung fällt schwer.
Süß-Typ Vorlieben: süße Speisen; isst und trinkt gerne zwischendurch; Kaffee, süße oder alkoholische Getränke für mehr Energie Wesen: bequem, bevorzugt Aktivitäten, die Spaß machen aber wenig Anstrengung erfordern, wenig Ausdauer und Durchhaltevermögen.
Kohlenhydrat/Neutral-Typ Vorlieben: Nudeln, Brot, süße Kohlenhydrate; verzichten lieber auf Fleisch als auf Nudeln Wesen: Ordnung und Verstand stehen an oberster Stelle. Reagiert stur, wenn etwas von der eigenen Vorstellung abweicht. Liebt Routine.
Säure-Typ Vorlieben: erfrischende, fruchtige, saftige oder saure Speisen und Getränke Wesen: herzlich, offen, hilfsbereit, verausgabt sich leicht, hektisch, ungeduldig, alles muss auf einmal und perfekt fertig sein. Ätzend und aggressiv bei Überforderung.
Salz-Typ Vorlieben: salzige, pikante Speisen; können aber aber auch Naschkatzen sein  Wesen: ruhig, ernst, verschlossen, pessimistisch, wenig freundlich, nachtragend, verliert nicht gerne, kann ungenießbar werden. Liebt das Meer, verträgt Sonne nur bedingt.
Umami-Typ Vorlieben: herzhaft, deftig, fleischig,  (Spareribs mit würziger Kruste) Wesen: kräftige, lebhafte Menschen; hitzig, bauen gerne Luftschlösser. Vertragen Kälte gut. Heißhungeranfälle am späten Vormittag; reagieren grantig, wenn sie nichts zu essen bekommen.
Bitter-Typ Vorlieben: bittere Speisen und Pflanzen, Bier Wesen: cholerisch, schwierig, mühsam, haben einen gewissen Charme, aber wenn man Grenzen überschreitet, wird es ungemütlich.
Scharf-Typ Vorlieben: pikant, gut gewürzt Wesen: korpulente Typen; impulsiv, resche Art, reagiert auf Kritik empfindlich,  kann trotz Trägheit recht aktiv sein, auch kontaktfreudig, leidet schnell unter (emotionaler) Kälte.

Was unser Essen aussagt

Typologien treffen Aussagen über eine Person in vieler Hinsicht. Seit Jahrtausenden finden sich in fast allen Kulturkreisen verschiedene Typisierungen. Auch das Essverhalten kann typisch sein. Laut Studien lässt sich zwischen Essverhalten und Charakter ein Zusammenhang nachweisen. Beides entwickelt sich im limbischen System unseres Gehirns zwischen dem ersten und achten Lebensjahr. Dr. Glück konnte in seiner Praxis ­beobachten, dass Patienten mit bestimmten Krankheiten und Charaktereigenschaften auch beim Essen ähnliche Vorlieben und Geschmackspräferenzen aufweisen.

Die besten Tipps für jeden Ernährungs-Typ 1/8
Der Milch-Typ

Krankheitsneigung:  

Charakteristisch sind Beschwerden, die sich von einer Stelle auf die andere verlagern. Beispielsweise wechseln Gelenksbeschwerden mit Rückenschmerzen. Schwachstelle Nummer Eins sind die Knochen. Aufgrund körperlicher Trägheit treten Beschwerden am Bewegungsapparat oft schon früh auf. Vor allem Rücken und Wirbelsäule sind betroffen. Neben dem Bewegungsapparat sind auch Bindegewebe, Haut und Haare anfällig. Da eine Empfindlichkeit gegen Kälte besteht, sind die Beschwerden im Winter stärker und im Sommer besser.

Ernährungsempfehlung:

Trotz der Vorliebe für Milch, Fett und Eiweiß sollte ein übermäßiger Konsum von Milch vermieden und die Gesamt-Eiweißmenge gering gehalten werden. Statt Kuhmilch eher zu naturbelassener Mich anderer Tierarten (Schaf, Ziege) oder Pflanzenmilch (Hafer-, Reis-, Kokosmilch) greifen. Auf abwechslungsreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse achten, um einen Vitamin- und Mineralstoffmangel zu verhindern.  Generell jedes „Zu viel“ vermeiden, besonders Salz, Kaffee oder Alkohol. Deftige, fette und geräucherte Speisen ebenfalls nur in Maßen genießen, da sonst ein Gichtanfall droht.

Tipps aus der Homöopathie:  

Geeignete homöopathische Mittel sind Calcium carbonicum, Calcium phosphoricum sowie Silicea.
Der Süss-Typ

Krankheitsneigung:  

Bakterien und Pilze lieben Süßes und der Darm ist ein beliebtes Ansiedlungsgebiet. Über die Ernährung gelangen die Pilze in den Verdauungstrakt und können sich dort stark vermehren. Ein starker Befall kann zu Blähungen, Völlegefühl, Unverträglichkeit vieler Speisen, allgemeiner Schwäche oder Unwohlsein führen.  

Ernährungsempfehlung:  

Zur Behandlung eines massiven Pilzbefalls ist neben der chemischen Ausrottung der Pilze eine spezielle Diät erforderlich. Dabei ist vorübergehend auf Zucker, Obst, Alkohol, Milch und Vollkornprodukte zu verzichten, um dem Pilz die Nahrungsgrundlage zu entziehen. Generell statt Industriezucker lieber Honig oder Birkenzucker sowie Zuckerersatzstoffe wie Stevia – aber gut dosiert – verwenden. Honig ist mehr als Zucker, er hat viele gesundheitsfördernde Bestandteile. Um das Verlangen nach Süßem zu stillen, empfiehlt es sich, auf reifes Obst sowie Gemüse wie Karotten oder Tomaten zurückzugreifen. Obst sollte jedoch am besten als Frühstück oder Mittagessen genossen werden, abends ist es wegen der Gefahr der Gärung weniger verträglich.

Tipps aus der Homöopathie: 

Das homöopathische Mittel Apis mellifica wird aus Bienengift hergestellt und zählt zu den alten, bewährten Heilmitteln. 
Der Kohlenhydrat-Typ

Krankheitsneigung:  

Dieser Typ hat hauptsächlich zwei Schwachstellen: den Magen und das Kreuz. Wird ein sitzender Beruf ausgeübt und kaum Sport betrieben, zeigt sich die Wirbelsäule schnell als Dauerproblem. Zugluft, Wetterwechsel, Kälte und der Winter sind belastend. Auch die Atemwege sind gefährdet. Werden bestimmte Kohlenhydrate oder Ballaststoffe nicht gut vertragen, treten Blähungen, ein unangenehmes Völlegefühl oder ein harter Bauch auf. Allergien, Heuschnupfen, trockene Haut sowie niedriger Blutdruck, Kreislaufbeschweren, Menstruationsprobleme, Nasenbluten oder Blutarmut als Folge von Eisenmangel sind ebenfalls häufige Beschwerden.

Ernährungsempfehlung:  

Kohlenhydrat-Typen neigen leicht zu Einseitigkeit. Auch wenn auf Brot, Reis oder Nudeln nur schwer verzichtet werden kann, sollten kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel mit hohem Kaliumanteil, Vitaminen und Ballaststoffen berücksichtigt werden, etwa Nüsse, Mandeln, Obst, Grünkohl, Spinat beziehungsweise fast alle Gemüsesorten.   

Tipps aus der Homöopathie:  

Häufig in der Homöopathie oder Naturheilkunde eingesetzte Mittel sind Kalium carbonicum, Solanum tuberosum, Eisen, Gräser oder chlorophyllhaltige beziehungsweise grüne Nahrungsergänzungen wie Alfalfa, Mikroalgen, Grüntee.
Der Säure-Typ

Krankheitsneigung:  

Säure-Typen sind wie Süß-Typen anfällig für Süchte, etwa nach Nikotin, Kaffee, Alkohol oder Aufputschgetränken. Übersäuerung ist ebenfalls ein spezielles Thema. Nahezu alle Krankheiten, von Haarausfall bis zum Gelenksrheuma, werden heute mit einer Übersäuerung in Zusammenhang gebracht. Der Verdauungstrakt, vor allem der Magen, ist eine empfindliche Stelle.  

Ernährungsempfehlung  

Die meisten Obstsorten, Essig, Gemüse wie Sauerkraut und alle fermentierten Rohstoffe sowie saure Milchprodukte zählen zu den sauren Nahrungsmittel. Bestimmte Beeren wie Heidel- und Brombeeren, Cranberrys, Himbeeren, Erdbeeren sowie manche Nüsse verfügen über gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe. Hochwertiger Essig regt die Bauchspeicheldrüse an und verbessert die Darmflora. Einige Obstsorten können jedoch im Darm eine Gärung hervorrufen und Schmerzen im Bauch oder der unteren Wirbelsäule verursachen. Säure in Getränken (kohlensäurehaltige Mineralwasser, Alkohol) sollte nur in Maßen genossen werden. Auf regelmäßige Mahlzeiten und einen ausgewogenen Säure-Basen-Haushalt achten!   

Tipps aus der Homöopathie:

Zu den wichtigsten homöopathischen Mitteln zählen Acidum phosphoricum, Acidum fluoricum, Acidum sulfuricum, Acidum nitricum oder Phosphor.
Der Salz-Typ

Krankheitsneigung:  

Besonders anfällig sind die Nieren, die Gefäße einschließlich der Blutdruckregulation und die Haut. Kopfschmerzen oder Blasenbeschwerden treten ebenfalls häufig auf. Die Schilddrüse und andere Hormondrüsen, der Energiehaushalt und der Funktionskreis Lunge-Herz, sind wunde Punkte. Unterleib, Verdauungstrakt, Rücken sowie der Bewegungsapparat zählen ebenso zu den am häufigsten von Krankheiten betroffenen Körperteilen.

Ernährungsempfehlung:  

Jodiertes Salz ist wichtig als Vorbeugung gegen Schilddrüsenerkrankung. Dennoch ist ein übermäßiger Salzkonsum zu vermeiden. Kräutersalz sowie andere Gewürze sind ein gesunde Alternative. Kalorienarmes Gemüse kann beispielsweise mit ­einer kleinen Menge gesalzenem Fleisch, Fisch oder Frischkäse kombiniert werden. Vermieden werden sollten auf jeden Fall aufputschende Mittel wie Kaffee und Genussmittel.

Tipps aus der Homöopathie:  

In der Naturheilkunde kommen häufig Schüßlersalze  zum Einsatz. Diese Mineralsalze sind Verbindungen von Kalzium, Magnesium, Kalium und Natrium mit anderen Elementen. Geeignete homöopathische Mittel sind Natrium muraticum, Jod, Sepia officinalis, Ambra grisea.
Der Umami-Typ

Krankheitsneigung:  

Entzündungen an Haut und Schleimhäuten, Akne, Furunkel aber auch ein gestörter Stoffwechsel, Verdauungsprobleme, Kopfschmerzen oder Infekte sind die häufigsten Krankheitsbilder des Umami-Typs.  

Ernährungsempfehlung:  

Der herzhaft deftige Geschmack kommt in Nahrungsmitteln alleine selten vor. Am ehestens in gut gereiftem Käse wie Parmesan. Ansonsten finden sich die Aromen in reifen Tomaten, Ketchup und Fischsoßen beziehungsweise wenn Lebensmittel geröstet werden oder in Geschmacksverstärkern. Das in Röststoffen enthaltene Acrylamid kann jedoch schädlich, eventuell sogar krebserregend sein. Auf Speisen wie Fleisch, Pommes oder Chips, die bei über 120 Grad frittiert oder gebraten wurden, sollte ebenso verzichtet werden wie auf Geschmacksverstärker und Emulgatoren. Lieber mehr Gemüse – geschmort oder gegart – auf den Speiseplan bringen.

Tipps aus der Homöopathie:  

Tipps aus der Naturheilkunde: Der Shiitake-Pilz wird in Asien gegen Leberleiden, Arteriosklerose, Entzündungen und Tumore eingesetzt. Die wichtigsten homöopathischen Mittel sind Sulphur, Lachesis oder Antimonium crudum.
Der Bitter-Typ

Krankheitsneigung:  

Die Schwachstellen reichen vom Nervensystem über den Verdauungstrakt und die Leber bis zum Bewegungsapparat. Verspannungen, Magenbeschwerden, Ischiasschmerzen und Kopfschmerzen treten häufig auf. Da die Leber bei Störungen kaum Beschwerden verursacht, ist eine Frühdiagnose schwierig. Chronische Müdigkeit könnte auf Leberprobleme hinweisen. Erhöhte Leberwerte im Blut oder das Auftreten einer Gelbsucht sind bereits Alarmsignale.

Ernährungsempfehlung:

Nirgendwo sind die Übergänge zwischen Nahrungs- und Heilmittel so fließend wie bei Bitterpflanzen. Bitterstoffe sind beispielsweise enthalten in Salaten wie Zichorie, Rucola, Radicchio, Löwenzahn, in Artischocke, Rhabarber, Ingwer, Kurkuma, Curry aber auch in Kakao, Kaffee, Tee  sowie Bier oder Spirituosen. Zu vermeiden ist alles, was die Leber als Entgiftungsorgan belastet, nicht nur Alkohol, sondern auch andere Genussmittel wie Kaffee oder Nikotin, übermäßiger Fettkonsum oder scharfe Gewürze.  

Tipps aus der Homöopathie

Geeignete Mittel aus der Homöopathie oder Naturheilkunde etwa zur Entgiftung der Leber sind die Mariendistel, Aloegewächse sowie das Bittermittel Chinin, Nux vcomica, Ignatia aber auch in der richtigen Dosierung Arsen.
Der Scharf-Typ

Krankheitsneigung:  

Besonders anfällig für Entzündungen sind beim Scharf-Typ die Schleimhäute in der Nase, Magen, Darm, Blase  sowie der gynäkologische Bereich bei Frauen.  Brennende, heftige Akutkrankheiten wie Blasenentzündungen, Halsschmerzen und Ohrenentzündungen treten am häufigsten auf.

Ernährungsempfehlung:  

Die wichtigsten scharfen Nahrungsmittel sind die Chilischote, Pfeffer, frischer Koriander und Ingwer, Gewürze wie Koriandersamen, Kreuzkümmel, Kardamom, Muskat, Curry sowie Zwiebelgewächse, Knoblauch oder Rettich. Scharfe Lebensmittel helfen bei der Verdauung, eine milde Schärfe kurbelt auch den Stoffwechsel an, erzeugt Wärme, steigert die Durchblutung und gilt als Aphrodisiakum. Maßhalten bei üppigem, fettem Essen, Genussmitteln und Alkohol sind empfehlenswert.

Tipps aus der Homöopathie  

Die wichtigsten Mittel aus Homöopathie und Naturheilkunde sind Capsicum annuum, Cantharis. Zwiebelgewächse werden in der Homöopathie unterschiedlich eingesetzt, gegen Schnupfen, Magen- oder Blasenreizung. Sie enthalten wie Senf und Raps Schwefelverbindungen, die vor Mikroorganismen schützen sollen.  

Die acht Esstypen

In der Homöopathie spielt das Essverhalten eines Patienten eine wichtige Rolle. Aufgrund der Analyse des Verhaltens sowie der Gesamtheit der Krankheitssymptome wird eine individuelle homöopathische Medikation und eine persönliche Ernährungsempfehlung abgegeben.  Grundlage der persönlichen Ernährungsempfehlung, so Dr. Glück, ist die Berücksichtigung der verschiedenen Esstypen. Der Esstyp wird dadurch bestimmt, was wir mögen. Je nach Geschmacksempfinden  erfolgt die Einteilung in acht verschiedene Typen (siehe Infokasten rechts). Testen Sie selbst, welcher Esstyp Ihnen am ehesten entspricht.

Diesen Artikel teilen:

Posten Sie Ihre Meinung

Kommentare ausblenden
Diese Website verwendet Cookies
Cookies dienen der Benutzerführung und der Webanalyse und helfen dabei, die Funktionalität der Website zu verbessern, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Nähere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Impressum