Erfolgskonzept Darm

Alles über ein unterschätztes Organ:

Erfolgskonzept Darm

Der Darm: Ein Organ, das bis vor Kurzem nur eher schambehaftet thematisiert wurde und über das außerdem in der breiten Öffentlichkeit wenig bekannt war. Doch spätestens seit die junge Wissenschaftlerin Giulia Enders (24) mit ihrem Buch „Darm mit Charme“ nicht mehr aus den Bestsellerlisten wegzudenken ist, hat sich das grundlegend geändert.

Popstar Darm

Dass ein Buch über unser Verdauungsorgan derart reißenden Absatz findet, liegt laut Autorin daran, dass jeder einen Darm habe – und dennoch so wenig davon mitbekomme, was dort passiert. Einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Erfolgsgeschichte leistet aber sicherlich auch ihre sympathische Art, komplexe Vorgänge im Körper mit einem Augenzwinkern zu erklären. Die Leserschaft dankte es der jungen Deutschen mit mehr als einer Million (!) verkauften Exemplaren ihres Buches „Darm mit Charme“ (Ullstein-Verlag, 17,50 Euro) in insgesamt 26 Ländern. Beim MADONNA Leading Ladies Award wurde Enders in der Rubrik „Buch“ ausgezeichnet.

Die Faszination „Darm“ hat Enders jedoch immer noch nicht losgelassen: „Wir sollten den Menschen zeigen, was für edle Kreaturen sie sind. Der perfekte Schritt für ein neues Organbewusstsein war für mich, zu merken, dass ich eins der fantastischsten Organe lange Zeit komplett unterschätzt habe. Dieser große Schritt - von Scham zu Charme - ist ein Aha-Effekt, der sich sehen lassen kann!“

Wichtige Aufklärung
Nicht nur ein großer Schritt, sondern auch ein wichtiger Schritt wurde damit gesetzt, schließlich hat der Darm eine bedeutende Rolle für unsere Gesundheit inne. Er befördert mehr als 30 Tonnen Nahrung, 50.000 Liter Flüssigkeit, kiloweise Schadstoffe, Erreger und Bakterien im Laufe unseres Lebens durch den Körper, nimmt verwertbare Stoffe aus der Nahrung auf und scheidet Unbrauchbares aus. Doch der Darm kümmert sich nicht nur um die Verdauung, sondern hängt auch mit unserer Stimmung zusammen. Selbst Allergien und unser Gewicht kommen „aus dem Bauch“. Dementsprechend reagiert er von allen Organen am empfindlichsten auf psychische Belastungen wie Stress, Leistungsdruck, Angst oder Trauer.

Denkender Darm

Der Grund ist einfach: Bereits in frühester Kindheit entsteht eine Verbindung zwischen Darm und Gehirn. „Die beiden entwerfen einen großen Teil unserer ersten Gefühlswelt als Säuglinge“, erklärt Enders. Erst mit zunehmendem Alter wird diese Verbindung schwächer, sie geht aber nicht gänzlich verloren. Der Informationsweg zwischen Gehirn und Darm funktioniert in beide Richtungen. So kann ein Darm, der gereizt ist, dazu beitragen, unsere Stimmung zu verschlechtern, andererseits wirken sich aber auch psychische Situationen auf die Darmtätigkeit aus.
Ermöglicht wird die Kommunikation zwischen Gehirn und Darm durch rund 100 Millionen Nervenzellen im Darm. Da dieses Nervensystem ähnlich organisiert ist wie unser Gehirn und autonom arbeitet, greift das Gehirn nicht steuernd ein, wird aber über alle Vorgänge im Darm informiert – ohne, dass wir uns dessen bewusst sind!

Mehr Aufmerksamkeit, bitte!

Auf seinen Darm zu achten, lohnt sich also in vielerlei Hinsicht. So trägt ein gesunder Darm nicht nur zur physischen, sondern auch zur psychischen Gesundheit bei. Übergewicht, Depression und Allergien können ebenso mit einem gestörten Gleichgewicht der Darmflora zusammenhängen, wie unser allgemeines Wohlbefinden und unsere Stimmung.

Und in Zukunft?

Derzeit konzentriert sich Enders auf ihre Doktorarbeit, die sie am Institut für Mikrobiologie und Krankenhaushygiene in Frankfurt am Main schreibt.
Ihr Thema ist das Bakterium Acinetobacter baumannii, das beim Menschen Blutvergiftung, Atemwegsinfekte und Wundinfektionen verursachen kann. Klingt sperrig, aber eins ist sicher: Enders wird uns demnächst charmant erklären, was es damit auf sich hat.

So halten Sie Ihren Darm gesund 1/9
1.Flüssigkeit:
Wer seine Verdauung schon morgens in Schwung bringen möchte, sollte mit einem Glas lauwarmen Wasser in den Tag starten. Trinken Sie über den Tag verteilt mindestens zwei Liter Wasser oder Kräutertee, vor allem, wenn Sie viele Ballaststoffe zu sich nehmen.
2. Ernährung:
Zu viel Zucker, tierisches Eiweiß, weißes Mehl, Fast Food, Junk Food und chemische Nahrungsmittelzusätze wirken sich auf unseren Darm negativ aus. Bei langanhaltender Fehlernährung kommt es zu Veränderungen der Darmflora. Greifen Sie daher vermehrt zu Vollkornprodukten, Obst, Gemüse, Samen und Nüssen. Lebensmittel, die Milchsäurebakterien enthalten, beispielsweise Naturjoghurt, Buttermilch oder Sauerkraut, sind empfehlenswert.
3. Ballaststoffe:
Sie verhindern die Vermehrung unerwünschter Bakterien und begünstigen im Optimalfall das Wachstum gesundheitsförderlicher Bakterien, die die Darmflora in einer gesunden Balance halten. Wer bisher allerdings eher ballaststoffarm gegessen hat, sollte nicht zu schnell auf ballaststoffreiche Gerichte umsteigen, um Blähungen zu vermeiden. Gönnen Sie Ihrem Körper eine Eingewöhnungsphase, in der Sie Ihre Ballaststoffzufuhr erst nach und nach erhöhen.
4. Haltung bewahren:
Es ist ein Thema, über das nur ungern gesprochen wird: Die beste Sitzposition am Keramikthron. Enders rät dazu, die Beine auf einen kleinen Schemel zu stellen, um sich so in Hockposition zu bringen: „In dieser Position wird der Schließmuskel gelockert. So kann alles besser flutschen. Es reicht aber auch, sich nach vorne zu beugen!“
5. Gifte:
Nicht nur Nahrung landet in unserem Darm. Auch Medikamente, Hormone, Schadstoffe in der Nahrung und Umweltgifte landen im Verdauungstrakt. Nehmen Sie daher Medikamente nie länger als notwendig ein, und achten Sie beim Kauf Ihrer Lebensmittel auf biologische Erzeugnisse.
6. Stress vermeiden:
Oft hat eine gestörte Verdauung auch mit dem Lebensstil zu tun. Wenn Sie trotz ausreichender Flüssigkeitsaufnahme und gesunder Ernährung zu Bauchschmerzen, Verstopfung, Durchfall oder Blähungen neigen, sollten Sie einen Gang zurückschalten und versuchen, Stressfaktoren zu minimieren oder zu meiden.
7. Sauberkeit statt Hygiene:
95 Prozent der Bakterien sind für unseren Körper nicht schädlich. Desinfektion hat daher im normalen Haushalt nichts zu suchen, solange niemand krank ist. Im Alltag reichen Wasser und ein Tropfen Reinigungsmittel, denn so werden schon 90 Prozent der Bakterien abgetötet. Den Rest kann der Körper als „Trainingslager“ für das Immunsystem nutzen.
8. Probiotika:
Bei Probiotika handelt es sich um Mikroorganismen, die in ausreichenden Mengen aufgenommen, einen gesundheitsfördernden Einfluss auf unseren Körper haben. Viele probiotische Bakterienarten helfen beispielsweise dem Darm, Nahrung, Mineralstoffe oder Vitamine aufzunehmen, stellen Abwehrstoffe her, um fremde Bakterien zu vertreiben und das Immunsystem zu trainieren. Zu finden sind Probiotika in speziellen Zubereitungen, die lebensfähige Mikroorganismen enthalten, z. B. im probiotischen Joghurt.
9. Präbiotika:
Sie sind alltagstauglicher als Probiotika, denn sie können die „guten“ Darmbakterien fördern und sie im Kampf gegen „schlechte“ Bakterien unterstützen. Präbiotika werden mittels Ballaststoffen (etwa 30 g täglich) gefüttert. Sie sind in wenig oder gar nicht verarbeiteten pflanzlichen Lebensmitteln vorhanden. Greifen Sie öfter zu Knoblauch, Zwiebeln, Spargel oder Kartoffelgerichten.

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