Geschlechtskrankheiten verändern sich

Apothekertagung

Geschlechtskrankheiten verändern sich

Während in den westlichen Industriestaaten die sexuell übertragbaren Erkrankungen (STIs) - unter ihnen auch die klassischen Geschlechtskrankheiten wie Syphilis und Gonorrhoe - weiterhin gut behandelbar sind, rücken atypische Infektionen in den Vordergrund: zum Beispiel Chlamydien-, Zikavirus- oder HPV-Infektionen, hieß es am Montag bei der Fortbildungstagung der Österreichischen Apothekerkammer.

Die Tagung in Schladming (bis 7. März) befasst sich in diesem Jahr mit dem Generalthema "Infektionskrankheiten, Antibiotika und -Resistenzen". "Es gibt mehr als 30 Erkrankungen, die sexuell übertragbar sind. (...) Acht Erreger verursachen das Gros aller Infekte, davon sind vier, die klassischen Geschlechtskrankheiten Lues, Gonorrhoe, Lymphogranuloma und Trichomoniasis, gut therapierbar", sagte der Wiener Infektions- und Antibiotikaspezialist Oskar Janata (SMZ-Ost). HIV hätte die Medizin in den Industriestaaten in eine chronische Erkrankung überführen können. Diffiziler ist die Sache bei chronischer Hepatitis B. Sowohl die Hepatitis B als auch die Infektion mit dem Human Papilloma Virus (HPV), das Gebärmutterhalskrebs auslösen kann, ließe sich per Impfung gut verhindern.

Atypische Infekte werden häufiger

Global allerdings sind alle STIs inklusive der klassischen Geschlechtskrankheiten ein Riesenproblem in Afrika und in Asien. In den westlichen Industriestaaten haben Gonorrhoe und Syphilis jahrzehntelang in ihrer Häufigkeit abgenommen. Bei der Syphilis sei womöglich durch die verminderte Angst vor HIV/Aids und wieder weniger Safer Sex eventuell ein kleiner Anstieg zu sehen, sagte Janata. "Heute sind atypische Infekte wie Chlamydien oder HPV häufiger."

Auch nach 70 Jahren Penicillin heilt eine einmalige ausreichend hohe Dosis an Penicillin eine Syphilis zuverlässig aus. Schwieriger ist die Resistenzsituation bei der Gonorrhoe, bei der eine Kombination der richtigen Antibiotika erfolgen sollte. Trichonomaden-Infektionen werden weiterhin durch die Einnahme des Uralt-Antibiotikums Metronidazol kuriert.

Ein historischer Seitenblick: Bis zur Rückkehr von Christoph Kolumbus im Jahr 1493 war die Syphilis in der "Alten Welt" völlig unbekannt gewesen. Sie breitete sich mit der Einschleppung der Erkrankung durch die Seefahrer binnen weniger Jahre in einem wahren Seuchenzug aus. "Bis dahin hatte das Immunsystem der Menschen (in Europa, Asien und Afrika) nicht gewusst, was das ist. Das muss so wie die Pocken in Amerika (bei den Indianern; Anm.) gewesen sein", sagte Janata.

Schwierig ist die Situation zum Beispiel beim Zika-Virus. "Das Virus wird von infizierten Männern noch wochen- bis monatelang über die Genitalien und Spermien ausgeschieden, auch wenn es aus dem Blut schon längst verschwunden ist. Und 80 Prozent der Männer merken die asymptomatische Infektion nicht", sagte der Fachmann.

Bei den HPV-Impfungen zur Verhinderung von Gebärmutterhalskrebs und anderen auch Männer betreffenden Krebsformen sowie von Genitalwarzen scheint sich in einem der Länder, welche die kostenlose Impfung für Kinder eingeführt haben, eine Revolution abzuspielen. Laut dem Informationsdienst des britischen Wissenschaftsmagazins Nature ist in Australien durch die kostenlose Impfung aller Zwölf- bis 13-Jährigen von 2005 bis 2015 die Häufigkeit der HPV-Infektionen bei jungen Frauen von 23 auf ein Prozent gesunken. In zehn bis 20 Jahren könnte die HPV-Impfung damit Gebärmutterhalskrebs in Australien eliminieren, hieß es mit Verweis auf den britischen "Guardian".

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