Planetary Health Diet

Die große Umwelt-Diät

10.05.2021

Was wir konsumieren, hat umfassende Auswirkungen auf unsere Umwelt. Wie Sie sich ressourcenschonender ernähren und dabei viel für Ihre Gesundheit tun können, lesen Sie hier. 

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Ganze 80 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent produziert allein unser kleines Land Österreich. Diese riesige Menge Kohlenstoffdioxid wird in der Umwelt freigesetzt. Neben den Sektoren Industrie und Verkehr ist die Landwirtschaft ein Hauptverursacher für die Emissionen: Hierbei gilt es zu bedenken, dass die Lebensmittelproduktion als Ganzes in sämtliche andere Sektoren hineinwirkt und so besonders große Auswirkungen auf die klimatische Entwicklung hat – beginnend bei der Rodung von Wald zugunsten landwirtschaftlicher Nutzflächen bis hin zum mitunter weiten Transport von Rohstoffen, Tieren und fertigen Nahrungsmitteln. Die gute Nachricht ist, dass jeder Einzelne diese Entwicklung mit einer Handvoll Ernährungsmaßnahmen positiv beeinflussen kann. Die noch bessere Nachricht: Umweltschonendes Essen nützt auch der Gesundheit. Denn was der Erde guttut, tut auch dem Körper gut.

Entwurf der „Umwelt-Diät“
Expertinnen und Experten der EAT-Lancet Commission haben eine Ernährungsformel entwickelt, die genau dies schaffen soll, nämlich Körper und Planet gesund halten: die „Planetary Health Diet“. Ein „nachhaltiger Teller“ ist das Ziel der Ernährungsweise. Im Wesentlichen wird der Fokus auf mehr Gemüse und Obst gelegt. Vollkorn, pflanzliches Protein und ungesättigte pflanzliche Fette werden ebenfalls großgeschrieben. Der Fleischkonsum, der besonders negativ zur Klimabilanz beiträgt, wird – wohl für die meisten – stark gedrosselt. Auch Milchprodukte und Zucker werden begrenzt. Die Experten definieren klare Mengenempfehlungen (s. re.). Auch die täglich konsumierte Kalorienmenge stellt einen entscheidenden Faktor dar: Die Wissenschaftler empfehlen als täglichen kalorischen Richtwert für Erwachsene 2.500 Kalorien. Diese Zahl muss jedoch individuell, entsprechend Aktivitäts­level, Alter, Größe und Geschlecht adaptiert werden. Eine zu kalorienreiche Ernährung schadet nicht nur der Gesundheit, sondern auch dem Klima: Wir essen mehr, als wir brauchen.

Tägliche Entscheidungen sind ausschlaggebend
Nachhaltiges Essen geht über die Reduktion von Fleisch hinaus. Auch abseits der „Planetary Health Diet“-Mengenempfehlungen kann jede und jeder viel dazu beitragen, die Umwelt zu schonen, und dabei auch die eigene Gesundheit fördern. Wer etwa vorwiegend regionale Lebensmittel kauft, erspart ihnen nicht nur lange Transportwege, die große Mengen an Abgasemissionen verursachen, sondern kauft in der Regel auch frischer und vitaminreicher und damit gesünder ein. Ähnliches gilt für saisonale Lebensmittel: Gemüse und Obst, die Saison haben, sind besonders nährstoffreich und schmackhaft. Beim saisonalen Kauf werden auch Abgase eingespart. Bei der Verpackung von Lebensmitteln entscheiden Sie ebenfalls mit, wie stark die Umwelt belastet wird: Wer Plastik reduziert, auf Wiederverwertbarkeit setzt und Fertigprodukte vermeidet, ernährt sich automatisch nachhaltiger und trägt zur Reduktion von Müll bei, der unseren Planeten massiv belastet.   

✏ So viel sollten wir essen

 - 300 Gramm Gemüse
- 200 Gramm Obst
- 250 Gramm Milchprodukte (wie Käse, Milch, Joghurt)
- 232 Gramm Vollkornprodukte oder Reis
- 75 Gramm Hülsenfrüchte (wie Linsen, Bohnen,Kichererbsen),
- 50 Gramm Kartoffeln
- 50 Gramm Nüsse
- 40 Gramm ungesättigte Fette
- 31 Gramm Zucker

- 29 Gramm Geflügel (oder eine Portion pro Woche)
- 28 Gramm Fisch (= z. B. ein­einhalb Lachsfilets pro Woche)
- 14 Gramm rotes Fleisch (= z. B. ein Burgerpatty pro Woche oder ein Rindersteak pro Monat)
- 13 Gramm Eier (= eineinhalb Eier pro Woche)
- 11,8 Gramm gesättigte Fette  


Einkaufstipps für Körper und Erde 

 1. Weniger Fleisch
Die Einschränkung des Fleischkonsums entlastet Ihre Gesundheit sowie die Umwelt gewaltig. Tierische Produkte beinhalten nicht nur eine hohe Konzentration an gesättigten Fettsäuren, die der Gefäßgesundheit schaden, sondern verbrauchen in ihrer Herstellung auch große Mengen an natürlichen Ressourcen. Versuchen Sie, Mahlzeiten vorzuplanen und probieren Sie sich an vegetarischen und veganen Rezepten, um die gewohnten Fleischgerichte mit schmackhaften, fleischlosen Alternativen abzuwechseln. Rezeptideen und Inspirationen finden Sie in großer Auswahl im Web oder in entsprechenden Kochbüchern (s. Buchtipps re. o.). Auch immer mehr Fleischersatzprodukte erreichen den Markt, die eine willkommene Abwechslung bieten. Achten Sie beim Fleisch- und Fischkauf auf höchste Bio-Qualität und Nachverfolgbarkeit.

2. Regional & Saisonal
Mit dem Kauf von regionalem und saisonalem Obst und Gemüse stellen Sie sicher, dass Sie besonders nährstoffreiche Lebensmittel konsumieren (da sie nicht frühzeitig geerntet werden müssen) und gleichzeitig die lokale Wirtschaft fördern. Durch den Fokus auf lokale Produkte ergeben sich gleichzeitig kürzere Transportwege, was Abgase geringer hält und dem Klima guttut. Achten Sie beim Kauf daher genau auf den Ursprung der Ware laut Etikett und kaufen Sie möglichst aus Österreich oder – falls nicht anders möglich – zumindest aus europäischer Herstellung.

3. Bessere Planung
Übermäßiger Konsum und schlecht geplante Einkäufe führen meist zu Verschwendung, die unnötig das Klima belastet. Ein zu großes Angebot an Lebensmitteln erzeugt riesige Mengen an Müll und verbraucht viele Ressourcen. Um den Lebensmittelmüll im Eigenheim so gering wie möglich zu halten, empfiehlt es sich, Mahlzeiten vorauszuplanen und die Einkaufsliste danach zu strukturieren. So landen wertvolle Nahrungsmittel nicht im Abfall, sondern im Topf. Auch Ihr Haushaltsbudget profitiert enorm von guter Vorbereitung. Es reicht, wenn Sie sich jede Woche einige Minuten Zeit nehmen, um Ihre Einkäufe gut zu planen.

4. Plastik reduzieren
Plastikmüll ist eine riesige Bedrohung unserer Umwelt und Gesundheit. Über unsachgemäße Entsorgung gelangen große Mengen Plastik in die Natur, verschmutzen z. B. Ozeane und Strände und gelangen in den Nahrungsmittelkreislauf. Vermeiden Sie es, verpackte Lebensmittel zu kaufen, setzen Sie auf Recycling und Wiederverwertung von Trinkflaschen oder Behältern und kaufen Sie Qualität und möglichst nachhaltige Materialien anstatt preiswerter Plastikprodukte mit sehr überschaubarer Haltbarkeit.  

Buchtipps:

Über 100 klimafreundliche Rezepte: „Cooking for Future“ von KlimaTeller, erschienen im Christian München Verlag, 25,70 Euro. 

„Das Klimakochbuch“ von Boris Demrovski, erschienen im Franckh-Kosmos Verlag, ab 18,50 Euro. 

„Vegan Low Budget“ von Niko Rittenau und Sebastian Copien, erschienen im Becker Joest Volk Verlag, 20,60 Euro. 

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