Endlich rauchfrei!

Wie auch Sie ein stabiler Nichtraucher werden

30.09.2016

Der Experte erklärt, wie Sie mit Ihrem Laster abschließen.

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Erinnern Sie sich noch? Damals als Sie – wahrscheinlich wie so viele andere auch – am Schulhof das erste Mal an einer Zigarette gezogen haben? „Die erste Zigarette ist meist nicht mehr als ein Hilfsmittel zur externen Persönlichkeitsstabilisation in jungen Jahren, die auf jugendlicher Unsicherheit beruht. Natürlich gibt es auch Ausnahmefälle, in denen Personen später zu rauchen beginnen“, kennt Dr. Arif de Mendelssohn, FA für Psychiatrie und Suchtexperte, die Motivation für den erstmaligen Griff zur Zigarette. „Auch wenn die erste Zigarette meist zu Übelkeit und Hustenreiz führt, sind wir durch das Belohnungsgefühl, als „cool“ wahrgenommen zu werden und die Identifikation mit Vorbildern – seien es Schauspieler oder Bekannte – getrieben, weiter zu rauchen. Das Rauschgefühl selbst ist beim Nikotinkonsum im Vergleich mit anderen Drogen nach Gewöhnung vergleichsweise gering und selten Hauptgrund für den Konsum.  Es sorgt für ein leicht beschwingtes Gefühl, macht fokussierter, konzentrierter und leicht euphorisch. Allmählich dient das Rauchen immer mehr der Selbstregulation, um positive Situationen positiver zu machen und negative abzumildern – die Zigarette übernimmt somit eine Funktionalität. Ein Gewöhnungseffekt stellt sich ein, veranlasst uns, mehr zu rauchen, und sorgt für Denkmuster, die uns annehmen lassen, dass es uns mit Zigarette besser geht. Fakt ist aber, dass es uns eigentlich nach eingetretener Gewöhnung nur ohne schlechter geht. Wir schlittern zunehmend in die Abhängigkeit“, erklärt der Suchtexperte.

Schockierende Bilder sollen uns die Zigarette weniger schmackhaft machen – eine Strategie, die bei süchtigen Rauchern häufig keine Früchte trägt. Aber wie gelingt es uns nun, mit unserem Laster ein für allemal abzuschließen?

Eins, zwei, drei – rauchfrei?

Ganz so einfach geht es leider nicht. Um überhaupt aufhören zu können, bedarf es viel mehr als nur dem Willen dazu. Neben der kognitiven Einsicht braucht es das emotionale Verständnis, dass der Gedanke „mit Zigarette geht’s besser“ nur mehr einen Trugschluss darstellt und wir in Wirklichkeit durch den fortgesetzten Konsum weitgehend versuchen, das ursprüngliche Ausgangsniveau – vor Gewöhnung und Toleranzentwicklung – wiederherzustellen. „Das Ziel ist, dass es uns auch ohne Nikotinkonsum wieder gut gehen kann, indem wir die Sucht bekämpfen. Rauchen Nikotinabhängige nämlich eine Zigarette“, so Dr. de Mendelssohn, „steigt die Konzentration nicht wie vermutet an, sondern wir sind lediglich bemüht, auf das Ausgangsniveau zurückzukehren. Denn bei Toleranz und Suchtentwicklung verschlechtert sich das Ausgangsniveau und muss zunehmend durch den fortwährenden Konsum und Dosissteigerung ausgeglichen werden.“
Die Führung eines Raucherprotokolls, in dem jede gerauchte Zigarette genau dokumentiert wird, hilft uns mit sachkundiger Begleitung das zu erkennen. Zudem müssen wir lernen, uns die positiven und negativen Aspekte des Rauchens zeitgleich vor Augen zu führen, anstelle sie gesondert zu betrachten. Erst dann macht ein Rauchstopp Sinn. Häufig sind gerade in der Phase des Nichtrauchens Ersatzaktivitäten wie Kaugummi kauen (oral) sowie häkeln oder Origami (motorisch) sinnvoll, die bereits vor dem Rauchstopp entwickelt werden sollten. „Letztlich ist das Ziel der Behandlung immer die Entwicklung einer positiven und stabilen Identifikation als Ex-Raucher“, so de Mendelssohn.

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