Therapien gegen Kopfschmerzen

Migräne effektiv stoppen

27.05.2016

Kopfschmerzarten und ihre Behandlungsmöglichkeiten

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Rund 90 Prozent der Bevölkerung leiden mindestens einmal im Leben an Kopfschmerzen. Ständig wiederkehrende, heftige Schmerzattacken können die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen. Hier erfahren Sie, was am besten dagegen hilft.

Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz
Ein Pochen in der Schläfe, ein leichtes Hämmern unter der Schädeldecke oder ein dumpfer Druck hinter den Augen – es gibt kaum jemanden, der nicht schon einmal von Kopfschmerzen geplagt wurde und die Beschwerden nicht kennt. Doch Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz. Auswirkungen, Formen und Ursachen können sehr unterschiedlich sein. Laut internationaler Kopfschmerzklassifikation sind rund 250 verschiedene Arten definiert.



Häufigste Kopfschmerzarten
Rund 80 bis 90 Prozent der Kopfschmerzen werden als eigenständige Krankheit – primäre Kopfschmerzen – klassifiziert. Die häufigsten Vertreter dieser Gruppe sind Migräne, Spannungskopfschmerzen und trigeminoautonome Kopfschmerzen (hier ist der fünfte Hirnnerv betroffen), wozu der sogenannte Clusterkopfschmerz zählt. Sekundäre Kopfschmerzen treten als Symptom verschiedenster Erkrankungen (wie Infektionen, Traumata, Tumore) auf. Kopfschmerzen einzuordnen und zu erklären ist oft schwer, denn nicht zwangsläufig müssen die Stellen, an denen der Schmerz am heftigsten wahrgenommen wird, auch ursächlich mit der Entstehung der Beschwerden übereinstimmen. Stress, Schlafmangel, Wetterfühligkeit aber auch orthopädische (Verspannungen oder Veränderungen der Wirbelsäule), internistische (Bluthochdruck, hormonelle Störungen), neurologische (erhöhter Hirndruck, Entzündungen) Ursachen sowie Reizungen oder Erkrankungen von Nerven im Gesicht oder Gehirn können Kopfschmerzen auslösen. „Häufige Kopfschmerzen sollte man immer von einem Neurologen abklären lassen. Es kann auch etwas Schlimmeres dahinter stecken, wie etwa ein Hirntumor“, erklärt plastischer Chirurg und Nervenspezialist Dr. Veith Moser.



Botox gegen Migräne
Während  beim Clusterkopfschmerz meist nur Intensität und Häufigkeit der Schmerzattacken reduziert werden können, lässt sich Migräne gut behandeln. Helfen Medikamente oder konservative Therapien nicht, ermöglicht eine lokale Botulinumtoxin-(Botox-)Behandlung die Beseitigung der Schmerzen für einige Monate. Bekannt ist Botox aus der Schönheitsmedizin, um Falten zu glätten, vor allem die sogenannte Zornesfalte über der Nasenwurzel. Diese  Falte entsteht durch Zusammenziehen des Gesichtsmuskels, der jedoch die kleinen Nervenäste in diesem Bereich einquetschen und eine Migräneattacke auslösen kann. „Spritzt man  Botox in den Muskel, lässt es diesen erschlaffen, der Nerv hat wieder Platz und der Kopfschmerz wird besser“, so Dr. Moser. Auch im Nacken- und Hinterkopfbereich liegen sogenannte Triggerpunkte für Migräne, die sich mit Botox behandeln lassen. Diese einfache, schnelle (Botox wirkt nach 2 bis 3 Tagen) und effektive Methode hat einen Nachteil: Die Wirkung ist zeitlich begrenzt und lässt nach drei bis vier Monaten nach.  



Dauerhafte Wirkung durch OP
Wem die Botox-Spritzen alle drei Monate zu mühsam oder zu teuer sind, der kann sich für einen kleinen chirurgischen Eingriff entscheiden. Über der Nasenwurzel treten die Nerven aus dem Schädel durch den Knochen heraus und verlaufen durch eine relativ dicke Muskelschicht. „Wenn sie da eingeengt sind, löst dies Migräne aus.  Man bezeichnet Migräne daher oft als Karpaltunnelsyndrom des Schädels“, erklärt Dr. Moser. Werden bestimmte Muskeln entfernt und die Nerven wieder befreit, sind auch die Kopfschmerzen weg. Seit rund 30 Jahren ist die chirurgische Entfernung bestimmter Muskelstränge zwischen den Augen zur Migräne-Behandlung bekannt und wurde in den 90er Jahren schließlich durch Botox abgelöst. „Dank eines hochauflösenden Nervenultraschalls ist der chirurgische Eingriff nun wieder interessant und das Ergebnis lässt sich auch viel besser vorhersagen“, so der Experte. Mithilfe des Ultraschalls ist es möglich, auch ganz kleine Nerven darzustellen und zu erkennen, ob und wo eine Einengung besteht. „Operiert wird nur, wenn eine Testblockade zu einer Besserung führt. Dazu wird ein lokales Betäubungsmittel gezielt dort hin gespritzt, wo der Nerv eingeengt ist“, erklärt der Nervenspezialist. Die Operation selbst erfolgt unter Vollnarkose und erfordert eine Übernachtung im Spital. Durch einen kleinen Einschnitt im Oberlidbereich – wie bei einer Oberlidstraffung – wird der Muskel zwischen den Augen durchtrennt, beziehungsweise entfernt, und so der Druck auf den Nerv gelöst. Die Kopfschmerzen verschwinden. Die Operation hat noch einen weiteren positiven  Nebeneffekt: die Zornesfalte zwischen den Augen wird ebenfalls beseitigt.

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