Weltdiabetestag 14. November

Das sollten Sie über das Volksleiden Diabetes wissen

10.11.2017

Rund 600.000 ÖsterreicherInnen sind vom Diabetes betroffen – rund alle 50 Minuten stirbt einer an den Folgen.

Zur Vollversion des Artikels
© Getty
Zur Vollversion des Artikels

Derzeit gibt es in Österreich 600.000 Menschen, die an Diabetes mellitus erkrankt sind. Betrachtet man ganz Mitteleuropa, ist die Zahl der Betroffenen seit 1998 um rund 40 ­Prozent gestiegen – Tendenz: steigend. So werden es im Jahr 2030, vorsichtig geschätzt, allein hierzulande mehr als 800.000 Erkrankte sein.

Verheerend sind die Auswirkungen der Krankheit. Denn alle 50 Minuten stirbt in Österreich ein Mensch an den Folgen (Schlaganfall und Herzinfarkt) des Diabetes – hochgerechnet auf ein Jahr sind das 10.000 Menschen. Zudem erblinden jährlich österreichweit 200 Patienten als Folge des Diabetes mellitus. Warum das Volksleiden im Vormarsch ist, wie Sie vorbeugen können und was im Erkrankungsfall hilft, erfahren Sie auf diesen Seiten.  
 
Was ist Diabetes?
Diabetes mellitus, was übersetzt so viel wie honigsüßer Durchfluss bedeutet, bezeichnet eine Störung des Kohlenhydratstoffwechsels, an der weltweit rund 366 Millionen Menschen leiden. Gekennzeichnet ist die Stoffwechselkrankheit durch einen Insulinmangel und -resistenzen, was einen chronisch erhöhten Blutzuckerspiegel, im Fachjargon als Hyperglykämie bezeichnet, zur Folge hat. Über kurz oder lang zieht das für den Organismus verheerende Folgen nach sich. Die gute Nachricht: Diabetes ist kein Schicksal.
 
Formen des Diabetes
Mit 85 bis 90 Prozent ist Diabetes Typ 2 die häufigste Form der Zuckerkrankheit, die auf Insulinresistenzen, die der Körper meist über Jahre aufgebaut hat, zurückzuführen ist – diese Form wird auch als Altersdiabetes bezeichnet. Übergewicht, hoher Blutdruck und hohe Blutfettwerte sowie Bewegungsmangel begünstigen die Entstehung über einen längeren Zeitraum. Anders bei fünf bis zehn Prozent der Diabetiker. Sie leiden an Diabetes Typ 1 – einer Autoimmunkrankheit, die insulinproduzierende Zellen zerstört und so zu einem absoluten Insulinmangel führt. Eine weitaus seltenere Form ist der Schwangerschaftsdiabetes. Im Zuge der Schwangerschaft liegt eine hormonell bedingte Unempfindlichkeit gegenüber dem Insulin vor. Die Folge: eine gestörte Glukosetoleranz – die Blutzuckerwerte sind dadurch zu hoch. Nach der Schwangerschaft normalisiert sich die Glukosetoleranz wieder – ein erhöhtes Risiko, an Diabetes Typ 1 oder 2 zu erkranken, bleibt aber. Ebenfalls sehr selten ist der sekundäre Diabetes, der sich als Folge einer anderen Krankheit, wie Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, hormonelle Erkrankungen, langjährige Medikamenteneinnahme und genetische Defekte, entwickelt.

Prädiabetes als Vorstufe
Hierzulande sind jeder zweite Mann und jede zweite Frau übergewichtig, nicht mal ein Drittel betreibt zumindest einmal pro Woche Sport, bei rund 50 Prozent ist der Cholesterinspiegel aus dem Lot und rund 30 Prozent haben einen zu hohen Blutdruck. Alles Risiken, die über kurz oder lang zu Diabetes Typ 2 (Altersdiabetes) führen können und sich vermeiden ­ließen. Experten befürchten, dass rund 35 Prozent der ÖsterreicherInnen auffällig erhöhte Blutzuckerwerte aufweisen. Sie leiden an Frühdiabetes (Prädiabetes) – ohne davon zu wissen. Meist bemerken die Betroffenen die drohende Gefahr nicht. Das Tückische: Diabetes macht sich erst dann bemerkbar, wenn er bereits Folgeschäden nach sich zieht. Dabei könnten rund 60 Prozent der Diabeteserkrankungen durch ein rechtzeitiges Umdenken, eine rechtzeitige Veränderung des Lebensstils abgewendet werden.



Früherkennung: Schlüssel zum Erfolg
Wie bei so vielen Krankheiten ist dazu aber auch hier die Früherkennung erster Anzeichen entscheidend. Und dazu braucht es gar nicht viel: Ein kleiner Piks genügt – per Fingernadelstich beim Hausarzt, Internisten oder mit dem Blutzucker Messgerät auch zu Hause, kann der Blutzucker ganz einfach gemessen werden. Zeigen sich dann erste Auffälligkeiten, kann durch die richtige Lifestyle-Intervention einer Manifestation des Diabetes gegengesteuert werden. Wir verraten wie!

Die wichtigsten Diabetes-Fakten im Überblick

1. Was ist Diabetes?
Diabetes mellitus bezeichnet eine chronische Stoffwechselerkrankung, bei der zu wenig Insulin gebildet wird. Gemeinsames Symptom aller unbehandelten Patienten ist der erhöhte Blutzuckerwert.

2. Die zwei gängigsten Formen
Diabetes Typ 1: Fünf bis zehn Prozent aller Diabetes-Patienten in Österreich sind Typ-1-Diabetiker. Bei dieser Form handelt es sich um eine Autoimmunkrankheit. Körpereigene Abwehrstoffe (Antikörper) des Immunsystems, die eigentlich der Bekämpfung krankmachender Keime dienen, richten sich aus bislang ungeklärten Gründen plötzlich gegen die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und zerstören diese.

Da nur noch wenig und irgendwann gar kein Insulin mehr produziert wird (absoluter Insulinmangel), kann der Körper und seine Zellen die Energie, die er über das Blut zugeführt bekommt, nicht mehr abbauen und den Organen und Muskeln als Energie zur Verfügung stellen – der Zucker bleibt somit im Blut. Der Blutzuckerspiegel steigt (Hyperglykämie). Der absolute Insulinmangel kann bis zur Ketoazidose, einer lebensgefährlichen Stoffwechselentgleisung führen. Oft entsteht Diabetes Typ 1 bereits im Kindes-und Jugendalter.

Diabetes Typ 2: 85 bis 90 Prozent aller Diabeteserkrankungen sind auf Typ 2, Altersdiabetes, zurückzuführen. In erster Linie ist es ein ungesunder Lebensstil, der zur Erkrankung führt – so sind 80 Prozent aller Typ-2-Diabetiker übergewichtig. Jahrelanger Zuckerkonsum führt zu einer Überproduktion von Insulin. Die Folge: eine sogenannte Insulinresistenz. Demzufolge produziert die Bauchspeicheldrüse immer mehr Insulin.

Die ständige Überforderung des Organs samt seiner spezifizierten Zellen führt dazu, dass die Insulinproduktion immer mehr abnimmt. Daneben wird ein anderes, vor Zucker schützendes Hormon aus dem Darm (GLP-1) in geringerem Ausmaß gebildet, was die Zuckerfreisetzung aus der Leber wiederum fördert. Das Insulin kann nicht mehr in die Zellen geschleust werden – der Blutzuckerspiegel steigt. Da immer mehr junge Menschen an Übergewicht leiden – jedes fünfte Kind in Österreich ist übergewichtig – kann Diabetes Typ 2 immer häufiger bei Teenagern und jungen Erwachsenen beobachtet werden.

3. Therapie
Während Typ-1-Diabetiker auf Insulingabe (Spritzen) angewiesen sind, sind Typ-2-Diabetiker nur in starken Fällen darauf angewiesen. Oft sind Medikamente und eine Diät ausreichend.

Zur Vollversion des Artikels