Symptome erkennen und richtig deuten

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NAGELVERÄNDERUNG

Daran kann’s liegen:
So genannte Uhrglasnägel – zu erkennen an der runden Form des Nagels, der auch aufgewölbt sein kann – entstehen durch Sauerstoffmangel und Gefäßveränderungen im Nagelbett. Sie können auf verschiedene interne Erkrankungen (z. B. Lunge oder Herz) hindeuten. Ist nur ein einzelner Nagel betroffen, deutet das auf eine lokale Gefäßveränderung hin.


Von Löffelnägeln spricht man, wenn sich im Nagel eine Mulde bildet und die Nagelspitze nach oben zeigt. Für Löffelnägel verantwortlich sind oft Blutarmut, Vitaminmangel, Eisenmangel etc. „Bei allen Nagelveränderungen ist es immer wichtig, vom Arzt überprüfen zu lassen, ob eine Grunderkrankung vorliegt, ­etwa Durchblutungsstörungen oder Psoriasis. Wird keine Grunderkrankung diagnostiziert, sind meist lokale Ursachen für die Nagelveränderungen verantwortlich. Dazu gehört beispielsweise der falsche Umgang mit Putzmitteln und anderen ­Chemikalien“, klärt Dr. Sabine Schwarz, Fachärztin für Dermatologie, auf. Brüchige oder splitternde Nägel deuten auch oft auf Mangelerscheinungen hin. Häufig sind hier Vitamin-, Eisen- und Kalziummangel die Ursache.

Das hilft:
„Wichtig für schöne Nägel ist – neben der Diagnose auf etwaige Grunderkrankungen – die richtige Nagelpflege. Das heißt, dass die Nägel nicht zu oft Chemikalien wie Putzmitteln, Nagellack, Nagellackentferner ausgesetzt werden sollten“, rät die Hautärztin.

Achtung:
Auch falsche Nagelpflege oder kleine Verletzungen können oft zu Nagelveränderungen führen. „Die Nägel sollten regelmäßig gekürzt werden. Dabei sollte man unbedingt aufpassen, dem Nagel keine Verletzungen zuzuführen“, sagt Dr. Schwarz, „da sonst Keime und Krankheitserreger leicht eindringen können.“

Starke Regelschmerzen

Daran kann’s liegen:
„Prinzipiell handelt es sich bei Regelkrämpfen um den Konteraktionsschmerz der ­Gebärmutter, wenn die Schleimhaut nach dem Hormonabfall abblutet und ausgepresst wird. Dies kann oft bei Frauen, die noch keine Kinder geboren haben, besonders schmerzintensiv sein“, erläutert Dr. Armin Breinl, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Graz.

Das hilft:
Bei leichten Schmerzen sind oft pflanzliche Extrakte ausreichend, bei starken Beschwerden helfen krampflösende und schmerzstillende Medikamente. Auch die Pille reduziert oft die Regelschmerzen.

Achtung:
Dr. Breinl rät: „Starke Unterbauchbeschwerden und starke Regelbeschwerden sollten vom Gynäkologen abgeklärt werden. So kann Endometriose eine Ursache für zyklische Beschwerden sein, auch können Myome die Regelkrämpfe verstärken.“ Bei Endometriose wächst Schleimhaut, die normalerweise die Gebärmutterhöhle auskleidet, auch außerhalb dieser. Endometrioseherde können überall im Körper entstehen, betreffen jedoch vorwiegend die weiblichen Beckenorgane (beispielsweise Eileiter, Eierstöcke). Die Zellen dieses Gewebes verhalten sich genauso wie Zellen der Gebärmutter. Sie werden von den weiblichen Hormonen gesteuert, unterliegen dem Menstruationszyklus und lösen Blutungen aus.
Da dieses Blut jedoch nicht abfließen kann, entstehen oft Entzündungen, Zysten, Verwachsungen oder Vernarbungen. Diese führen teils zu starken Schmerzen, können im Extremfall Organe gefährden. Myome (Uterusmyome) sind gutartige ­Geschwulste, die von der Muskelschicht der Gebärmutter (Myometrium) aus wachsen.  Sie sind die häufigsten gutartigen ­Tumore des weiblichen Genitaltrakts. Sie gehören nicht zu den Krebserkrankungen.
 

Sexuelle Lustlosigkeit

Bei der Frau – Daran kann’s liegen:
„Bei jungen Frauen führt oft gerade eine hormonelle Verhütung zum sogenannten ­Libidoverlust. Bei älteren Frauen ist oft der hormonelle Abfall der im Eierstock produzierten Hormone Ursache für Unlust und Antriebslosigkeit“, so Gynäkologe Dr. Armin Breinl.

Das hilft:
Bei Libidoverlust durch hormonelle Verhütung: Zunächst können spezielle Vitaminpräparate oder ein Wechsel des verwendeten Hormons die Unlust beseitigen. Oft ist aber der Wechsel der Verhütungsmethode zu empfehlen. Bei Hormonabfall: Hier hilft eine vom Experten verordnete gezielte Hormonersatztherapie rasch. Sollten psychische Probleme die Ursache darstellen, kann oft ein Therapeut helfen.

Achtung:
In einzelnen Fällen sind Erkrankungen der Scheide und Gebärmutter mit den entsprechend auftretenden Beschwerden eine ­Ursache für Libidoverlust. Auch hier gilt es: Abklärung durch einen Experten!

Beim Mann – Daran kann’s liegen:

Die Ursachen für Erektionsstörungen beim Mann (auch: Impotenz, Erektile Dysfunktion/ED) können psychische oder organischer Natur sein. „Eine primär organische Ursache ist oft von einer psychischen ­Belastungsreaktion begleitet, die die Lage um einiges erschwert“, sagt Urologe Assoc. Prof. Priv. Doz. Dr. Harun Fajkovic. Abgesehen von bestimmten Arzneimitteln (z. B. gegen Bluthochdruck) und bestimmten OPs (v. a. Radikale Prostatektomie), die zur ED führen, ist eine Reihe von Erkrankungen als Vorstufe der ED zu sehen. „Zuckerkrankheit mit Schädigungen der Blutgefäße als Folge ist Risikofaktor Nr. eins. Auch Alkoholismus und Rauchen sind im hohen Ausmaß für die Entstehung einer ED verantwortlich“, so Prof. Dr. Fajkovic.

Das hilft:

Mann muss einen Urologen aufsuchen! Oft steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund.

Magenprobleme

Daran kann’s liegen:
Druckgefühl im Bauch, Sodbrennen oder Blähungen: In der Regel alles unangenehm, aber meist harmlos. Die Ursache ist ungesunde Ernährung. Wir neigen ­dazu, zu viel, zu fett und zu schnell zu essen. Wer Zucker, Fett und Alkohol bewusst einschränkt, wird die Beschwerden meist rasch wieder los.

Das hilft:
Akut lindern Kräutertropfen sowie Antacida (Medikamente, die die Magensäure binden) aus der Apotheke das Problem. Starke Magenschmerzen schon vor dem Frühstück, Übelkeit und Appetitlosigkeit weisen hingegen auf eine Gastritis hin, eine Entzündung der Magenschleimhaut, die ärztlich behandelt werden muss.

Achtung:
Für Frauen gilt: Magenschmerzen zusammen mit Übelkeit, Kurzatmigkeit und Schwindel können einen Herzinfarkt ­ankündigen. Weil sich die weiblichen Symptome stark von den männlichen ­unterscheiden, wird der Infarkt bei ­Frauen oft erst zu spät erkannt. Darum: sofort ins Krankenhaus.

Gewichtsab-/zunahme

Abnahme – daran kann’s liegen:
Wenn Sie normal essen und trotzdem ­unkontrolliert Gewicht verlieren, sollten Sie möglichst bald einen Arzt konsultieren. Stress oder depressive Verstimmung können Ursachen für Gewichtsverlust sein.

Das hilft:
Erste Hilfe: Regelmäßige Essenszeiten ­einplanen und sich für die Mahlzeit Ruhe gönnen. Ausdauersportarten wie Joggen, Walken oder Radfahren bauen seelischen Druck ab, auch eine Entspannungstechnik wie Meditation kann sinnvoll sein.

Achtung:
Verlieren Sie weiter an Gewicht, sollten Sie überprüfen lassen, ob Schilddrüse und Verdauungssystem normal arbeiten. Diabetes könnte ebenfalls eine Ursache sein. Die ­Zuckererkrankung äußert sich unter anderem durch starken Durst, Mattigkeit und Heißhungerattacken. Tritt der starke ­Gewichtsverlust zusammen mit Nachtschweiß und erhöhter Temperatur auf, kann diese Symptomkombination ein Anzeichen für Tuberkulose sein oder sogar für einen Tumor, der dem Organismus Nährstoffe entzieht.

Zunahme – daran kann’s liegen:
Wer hingegen übermäßig Fettgewebe ansammelt, bei dem sind die dafür zuständigen Hauptfaktoren falsche Ernährung (z. B. zu häufiges, zu kalorienreiches, industriell verarbeitetes Essen), Bewegungsmangel, Erbanlagen und seelischer Stress zu durchleuchten. Aber eben auch Krankheiten wie eine Schilddrüsen-Unterfunktion könnten vorliegen.

Achtung:
Wird nicht rechtzeitig die Notbremse gezogen, führt ein Zuviel an Gewicht u. a. zu ­erhöhtem Blutzucker und zu einem chronischen Entzündungsprozess im Körper, ­insbesondere in den Arterien.

Kopfschmerz

Daran kann’s liegen:
Fast 70 Prozent der Bevölkerung leiden gelegentlich unter Spannungskopfschmerz. Ursachen sind zum Beispiel Verspannungen, Stress.

Das hilft:
Dagegen helfen Spaziergänge, Ruhe, warme Auflagen oder Salben, die die Durchblutung ­anregen.

Achtung:
Kommt es immer wieder zu heftigen Schmerzattacken, begleitet von Übelkeit und Lärmempfindlichkeit, kann vielleicht Migräne diagnostiziert werden. Betroffene sollten einen Arzt aufsuchen. Ebenso, wenn nach dem Sport oder körperlicher Anstrengung ein starker Druck hinter der Stirn verspürt wird. Dann besteht die Gefahr einer Hirnblutung. Ein Alarmzeichen sind auch häufige Kopfschmerzen, die mit Kribbeln in Händen und Füßen und Verhaltensänderungen ­einhergehen. Wortfindungsstörungen, Apathie und grundlose Wut könnten auf einen Tumor hinweisen.

Dauermüdigkeit

Daran kann’s liegen:
Ständige Müdigkeit, die nicht auf zu wenig Schlaf oder Jetlag zurückzuführen ist, sollte  immer von einem Arzt abgeklärt werden.

Achtung:
Ein Bluttest gibt Aufschluss, ob nicht zum Beispiel die Schilddrüse aus dem Gleich­gewicht geraten ist. Produziert sie zu wenig Hormone (Unterfunktion), kommt es zu Müdigkeit, Haarausfall und Verstopfung, aber auch eine Überfunktion kann den Schlaf stören.


Kommen zur Müdigkeit auch eingerissene Mundwinkel und extreme Blässe hinzu, dürfte ein Eisenmangel vorliegen. Frauen mit starker Menstruation und Vegetarier sind davon häufig betroffen. Eisenmangel kann über einen Bluttest festgestellt werden und muss behandelt werden, damit es nicht zu einer Blutarmut (Anämie) kommt.


Starke Müdigkeit kann auch ein Hinweis auf Zuckerkrankheit sein, wenn weitere Symptome wie großer Durst, Gewichtsverlust oder auffällig schlecht heilende Wunden hinzukommen. Dann sofort zum Arzt!


Zwar schwer zu diagnostizieren, aber nicht auszuschließen, ist bei meist schweren, mindestens sechs Monate anhaltenden Erschöpfungszuständen und Schwäche das chronische Erschöpfungssyndrom (Chronic Fatigue Syndrome/CFS, auch myalgische Enzephalomyelitis/ME genannt).  Weitere Symptome sind: niedrige Erschöpfungsschwelle, sofortige oder zeitverzögerte Zustandsverschlechterung nach ­Anstrengung und Belastung, die mehrere Tage/Wochen anhalten kann, Schlafstörungen, kognitive und neurologische Beeinträchtigungen, verstärkt durch Anstrengung, Störung des Kreislaufsystems sowie dauerhaft grippeähnliche Symptome, ­Muskel- und Gelenkschmerzen, Immunschwäche, Infektionen, gastrointestinale und ­urogenitale Beschwerden. Die Ursachen ­einer ME/CFS sind noch unbekannt. Auch gibt es derzeit noch keine zugelassenen Medikamente. So konzentriert sich die Behandlung auf Symptomlinderung.