Alkohol: Wann spricht man von einer Sucht?

Suchtproblem

Alkohol: Wann spricht man von einer Sucht?

Dr. Jutta Leth, Psychiaterin bei Juvenis, antwortet.

Frage: Ich trinke gerne zu Hause ein Glas Wein zur Entspannung. Wann ist es zu viel und wann sollte ich mir Sorgen machen, nicht in eine Sucht hinein zu rutschen?

Antwort: Alkohol gehört zu den Genussmitteln und sollte generell nur als solches, aber nicht regelmäßig (täglich) konsumiert werden, da sich rasch Gewöhnungseffekte einstellen können. Und man die Dosis kontinuierlich erhöhen muss, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Eine Sucht ist gekennzeichnet durch diesen Effekt, den man Toleranzentwicklung nennt. Das zweite Hauptkriterium einer Sucht ist der Kontrollverlust. Das heißt, man kann nicht mehr aufhören zu trinken, auch wenn man das gerne möchte, weil der Köper die Substanz braucht, um zu funktionieren. Wenn in dieser Phase Alkohol nicht zugeführt wird, treten Entzugserscheinungen auf (wie Unruhezustände, Nervosität, Anspannung, Angst, depressive Verstimmungen, Zittern, Schwitzen, Übelkeit, Erbrechen, Blutdruckschwankungen, Herzrasen bis hin zu epileptischen Anfällen). Dies alles passiert, da Alkohol rasch biochemisch vom Körper in den Stoffwechsel eingebaut wird.

Alkohol verursacht in höheren Dosen an zahlreichen Organsystemen schwere Schäden (Gehirn, periphere Nerven, Leber, Verdauungstrakt, Magen, Bauchspeicheldrüse, Herz). Viele Menschen schlittern ungewollt in eine Sucht, wenn sie versuchen, Alkohol wie ein Medikament einzusetzen (etwa gegen Depressionen, Angstzustände, bei Anspannung). Sorgen machen sollte man sich, wenn es nicht mehr um den gelegentlichen Genuss geht, sondern wenn man begonnen hat, täglich Alkohol zu konsumieren (auch untertags), die Trinkmenge sukzessive steigt, wenn man auf höherprozentige Getränke umsteigt und man ein Alkoholverlangen verspürt und man sich gedanklich zunehmend mit dem Konsum beschäftigt (nicht vergessen Alkohol immer vorrätig zu haben, wo bekomme ich das Getränk her nach Geschäftsschluss und so weiter). Besonders gefährdet sind Menschen, die eine familiäre Belastung mit Suchterkrankungen haben und solche, die besonders hohe Mengen von Alkohol schon in jungen Jahren vertragen.

OÄ. Dr. Jutta Leth, Fachärztin für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin bei JUVENIS, 1010 Wien. www.juvenismed.at