Vorsorge: Wie viel ist sinnvoll?

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Vorsorge: Wie viel ist sinnvoll?

Studien zeigen, dass ein individuelles Vorsorgeprogramm bis zu zehn gesundeLebensjahre mehr bringt: Wir verraten, wie sinnvolle Vorsorge aussieht!

Eigentlich fühlte ich mich nicht krank, im Gegenteil“, erzählt die 38-jährige Wienerin Christa K. „Ich bin nur zur Vorsorgeuntersuchung gegangen, weil eine Freundin wollte, dass ich sie begleite.“ Die Lehrerin hatte keinerlei Beschwerden, im Rahmen der Untersuchung wurde jedoch ein bösartiger Tumor in der Brust festgestellt. „Weil dieser so früh erkannt wurde, konnte er relativ leicht entfernt werden. Ich gelte heute, fünf Jahre später, als geheilt. Die Vorsorgeuntersuchung hat vielleicht mein Leben gerettet, mir aber mit Sicherheit intensivere Therapien erspart“, ist sie überzeugt.

Vorsorge ist besser als Sorge
Obwohl sich das österreichische Vorsorgeprogramm großer Akzeptanz erfreut, sind dennoch viele besonders stolz darauf, jahrelang nicht beim Arzt gewesen zu sein. Besondere Vorsorge-Muffel sind die Männer. Dabei zeigen internationale Studien, dass ein individuelles Präventionsprogramm bis zu zehn gesunde Lebensjahre mehr bringen kann. Frühzeitig erkannt sind zum Beispiel Brust- und Darmkrebs meist heilbar.

Seit das Vorsorgeprogramm der Sozialversicherung 1974 eingeführt wurde, stieg die Lebenserwartung bei Frauen um sieben Jahre auf 81, bei Männern von 67 auf 75 Jahre. Das erklärte Ziel des österreichischen Vorsorgeprogramms ist es, Erkrankungen möglichst früh zu erkennen, um diese besser therapieren zu können, beziehungsweise Risikofaktoren zu ermitteln und mit einer entsprechend frühzeitigen Änderung des Lebensstils wirkungsvoll entgegen zu steuern. Die Früherkennung und Behandlung von Bluthochdruck führte beispielsweise seit dem Jahr 1980 dazu, dass die Anzahl der Schlaganfälle um 45 Prozent sank.

Die Vorsorgeuntersuchung

Statistiken zufolge sterben pro Jahr rund 32.000 Menschen an den Folgen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese verursachen 43 Prozent der Sterbefälle und sind damit Österreichs Todesursache Nummer Eins. Mit ca. 19.000 Todesfällen pro Jahr sind Krebserkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Österreich. Einen besonderen Schwerpunkt legt das Vorsorgeprogramm der Sozialversicherung daher auf die Früherkennung von Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die Früherkennung häufiger Krebserkrankungen (Gebärmutterhalskrebs, Brustkrebs, Darmkrebs). Außerdem deckt es die Früherkennung von Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, die Vorbeugung von Suchterkrankungen, Zahnerkrankungen und Erkrankungen des höheren Alters ab.

Österreichische Vorsorgeuntersuchung 1/6
1. Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung wird zur Früherkennung ein individuelles Risikoprofil erstellt, bei dem Lebensgewohnheiten (Rauchen, körperliche Aktivität, Alkoholkonsum) und Krankheitsfälle in der Familie ebenso Beachtung finden wie körperliche Parameter, etwa Blutdruck, der BMI, der Taillenumfang und Cholesterinwerte. Gesenkt werden kann das Erkrankungsrisiko durch regelmäßige Bewegung, Senkung von Bluthochdruck und die Verminderung von möglicherweise bestehendem Übergewicht.


Umstritten: Mammografie

Während die meisten Untersuchungsmaßnahmen zur Prävention breite Anerkennung in der Medizin finden, wird das Mammografie-Screening kontrovers diskutiert. Es gibt Hinweise darauf, dass 1000 gesunde Frauen zehn Jahre lang zum Screening gehen müssten, damit eine einzige Frau vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt werden kann. Andererseits gibt es aber sehr wohl viele Frauen, die von der Maßnahme profitieren. Jeder Frau steht die Entscheidung frei, allerdings sollte man sich dabei immer bewusst sein, dass es häufig zu falschen positiven Ergebnissen kommt. Diese Fehldiagnosen stellen für die Betroffenen nicht nur eine enorme psychische Belastung dar, sondern führen, wenn sie nicht revidiert werden, zu weiteren Untersuchungen und unter Umständen unnötigen operativen Eingriffen.

Weitere Maßnahmen

Neben den jährlichen Checks durch das kostenlose Vorsorgeprogramm der Sozialversicherung empfiehlt es sich außerdem, einmal pro Jahr oder sofort, wenn sich Auffälligkeiten an der Haut, wie etwa veränderte Muttermale zeigen, den Hautarzt aufzusuchen, um Hautkrebs möglichst früh zu erkennen. Frauen sollten einmal pro Jahr den Gynäkologen aufsuchen; Männern wird ab 45 eine jährliche urologische Untersuchung angeraten.

Vorsorgemaßnahme Lebensstil

Neben der umfassenden Palette medizinischer Angebote zur Prävention und Früherkennung von Erkrankungen sollte nicht vergessen werden, dass Vorsorge bei einem selbst beginnt. Schon einfache Maßnahmen, wie etwa das Rauchen aufzugeben, sich bewusst und gesund zu ernähren, Stress zu reduzieren und auf regelmäßige körperliche Bewegung zu achten, können das Risiko für die Entstehung von Erkrankungen deutlich reduzieren. Vorsorge beginnt also daheim!