Unterversorgung bei Kinderpsychiatrie

Österreich

Unterversorgung bei Kinderpsychiatrie

Ärztekammer diagnostiziert weiter Unterversorgung. Lob für Ausbau bei Kinder-Reha.

Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) diagnostiziert immer noch eine Unterversorgung im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die Anzahl der Fachärztinnen und -ärzte mit Kassenvertrag müsse aufgestockt werden, zudem gebe es zu wenig Betten für die stationäre kinderpsychiatrische Versorgung, hieß es in einer Aussendung am Sonntag.

Ausbau bei Kinder-Reha
Begrüßt hat die Standesvertretung den kürzlich beschlossenen Ausbau der Rehabilitation für schwerkranke Kinder und die entsprechende Einigung von Sozialversicherung und Ländern. "Der niederschwellige Zugang und die Errichtung von auf die Bedürfnisse der Kinder abgestimmten Reha-Zentren sind ein großer Schritt nach vorne, die jahrzehntelange Unterversorgung dürfte damit der Vergangenheit angehören", sagte ÖÄK-Präsident Artur Wechselberger. Er lobte, dass jedes Kind Anspruch auf Rehabilitation habe. Das Vorhaben, 343 zusätzliche Betten zu errichten, sei aus ärztlicher Sicht schon lange überfällig..

Nur 377 Betten

Die kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung führe hingegen nach wie vor ein Schattendasein, kritisierte Charlotte Hartl, Obfrau der Fachgruppe Kinder- und Jugendpsychiatrie in der ÖÄK, trotz gradueller Verbesserungen. "Mittlerweile gibt es bundesweit 13 Fachärztinnen und -ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie mit einer Kassenordination, in Niederösterreich wurde eine sechste Stelle ausgeschrieben. In Wien werden heuer weitere sechs Kassenärztinnen und -ärzte ihre Versorgungsarbeit aufnehmen. Leider gibt es in Salzburg, der Steiermark und dem Burgenland noch keine einzige Kassenplanstelle", beklagte Hartl. Die Unterversorgung betreffe aber nicht nur den kassenärztlichen Bereich, auch die Spitäler seien betroffen. Für die stationäre kinderpsychiatrische Betreuung gebe es derzeit nur 377 Betten, benötigt würden nach internationalen Standards jedoch doppelt so viele.

Zusätzlich kämpfe das noch junge Fach mit Ausbildungsproblemen, die in der Folge in einem Fachärztemangel gemündet haben. "Pro Jahr schließen nur zehn Ärztinnen und Ärzte ihre fachärztliche Ausbildung ab, die Mangelfachregelung hat diesbezüglich leider keine nennenswerte Verbesserung bewirkt", sagte Hartl. So könne eine flächendeckende Versorgung nicht erreicht werden, sagte die Expertin abschließend.