Stimme

Kranke Stimme

Transplantat soll für makellosen Ton sorgen

Grazer Forscher suchen neue Therapie bei Stimmlippen-Fibrose

Durch Operationen im Kehlkopfbereich, Fehlbelastung oder pathologische Prozesse können sich Narben an Stimmbändern bilden. Patienten leiden an einer chronisch heiseren, nicht belastbaren Stimme und sind in der Kommunikation stark beeinträchtigt. Forscher der Med-Uni Graz wollen das vernarbte durch im Labor nachgezüchtetes Gewebe ersetzen.

Vernarbung (Fibrose) als Herausforderung

Die Stimmlippen, umgangssprachlich oft auch Stimmbänder genannt, sind nur etwas mehr als einen Zentimeter lang. Ihre Oberfläche ist von einer Schleimhautschicht (Mucosa) aus mehrschichtigem, unverhorntem Plattenepithel bedeckt. Während sich aber beispielsweise Schäden der Wangenschleimhaut vollständig rückbilden können, verheilen Verletzungen der Stimmlippen-Schleimhaut meist nur unter Narbenbildung, schilderte Markus Gugatschka von der Medizinischen Universität Graz gegenüber der APA.

Die Vernarbung, auch Fibrose genannt, stört jedoch die hochkomplexe Schichtstruktur der Stimmlippen und sorgt dafür, dass diese nicht mehr richtig schwingen können. Das führt zu einer Beeinträchtigung der Sprech- und Singstimme, welche von mehr oder weniger starker Heiserkeit bis zu totalem Stimmverlust reichen kann, wie Gugatschka erklärte. Trotz intensiver Forschung ist die Behandlung vernarbter Stimmlippen bisher allerdings ein weitgehend ungelöstes Problem in der Laryngologie und Phonochirurgie.

Stimmlippen aus dem Reagenzglas

"Das ist für Betroffene eine sehr belastende Situation", erklärte der Sprecher des interdisziplinären Grazer Forschungsnetzwerkes "Prometheus". Dieses möchte u.a. mithilfe von Tissue Engineering den gestörten Stimmklang wiederherstellen. Tissue Engineering ist der Überbegriff für die In-vitro-Herstellung von biologischem Gewebe durch die Kultivierung von Zellen im Labor. "Unser Ziel ist es, im Labor eine auf den Patienten zugeschnittene Stimmlippenschleimhaut zu erschaffen", schilderte der Mediziner an der HNO-Klinik an der Med-Uni Graz.

"Wir wollen aus zwei Zelltypen, die wir vom Patienten selbst nehmen, im Reagenzglas ein Stimmlippen-Schleimhauttransplantat gewinnen", erklärte Gugatschka das Konzept. So nehmen die Grazer Experten Epithelzellen der Mundschleimhaut und Stimmlippen-Fibroblasten - jene Bausteine der Stimmlippen, die eine zentrale Rolle beim Vernarbungsprozess spielen - und versuchen, sie unter speziellen Bedingungen in 3D-Zellkultur wachsen lassen.

Das so erzeugte Gewebe soll den Patienten transplantiert werden und das kranke Gewebe ersetzen, schilderte Gugatschka das Fernziel der Grazer Forschung. In dem interdisziplinären Grazer Forschungsnetzwerk sind dazu u.a. Forscher der Klinischen Abteilung für Phoniatrie der HNO-Klinik und der Core Facility "Alternative Biomodels & Preclinical Imaging" am Werk. Der Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank unterstützt das Projekt in den kommenden drei Jahren.