So lange können Sie noch schwanger werden

Test zeigt

So lange können Sie noch schwanger werden

Familienplanung: Wie lange ist Zeit für ein Baby

Paare werden immer später Eltern. Ein neuer Test gibt Aufschluss darüber, wie lange eine Schwangerschaft möglich ist.

Planung ist das halbe Leben
Die Karriere ist so eben voll angelaufen. Ebenso vielleicht die Partnersuche. Man fühlt sich frei und vollkommen unabhängig. Dutzende Traumreisen stehen noch auf der To-do-Liste und wenn die beste Freundin ihr Neugeborenes hutscht, verspürt man maximal ein zartes „eh süß“. Die Zeit Anfang, Mitte 30 wird von Frauen oft als die schönste im Leben wahrgenommen. Die Jahre vergehen wie im Flug. Und dann, wenn endlich alles „perfekt“ und man „bereit“ für ein Baby ist, bleibt oft als einzige Hoffnung der Weg zum Fertilitätsspezialisten – in vielen Fällen ein jahrlanges Martyrium, das nicht immer mit einem Happy End endet. Um Frauen beim Timing ihrer Familienplanung zu unterstützen und sie zu motivieren, rechtzeitig das Thema Baby anzugehen, entwickelte der Reproduktionsmediziner und Gynäkologe Dr. med. Alexander Just mit Geschäftspartnerin Silvia Hecher, MSc (sie begründeten das Juno-Institut in Wien 7) einen softwaregestützten Hormontest für zu Hause zur Bestimmung der weiblichen Eizellreserve.

Fertilität Die Fakten 1/3
Der Begriff
Als Fruchtbarkeit (Fertilität) wird die Fähigkeit, Nachkommen („Früchte“) hervorzubringen, bezeichnet. Die weibliche Eizelle (nach dem Eisprung 6 bis 24 Stunden befruchtungsfähig) wird von der männlichen Samenzelle befruchtet. „Eine Frau“, so Reproduktionsspezialist Dr. Alexander Just, „könnte theoretisch bis zu
40 Kinder in ihrem Leben gebären.“


Fertilitätseinschätzung – warum?
Sämtliche Eizellen  werden bereits vor unserer Geburt angelegt. „Frauen kommen – ganz grob gesagt“, so Dr. Just, „mit etwa 1,5 bis 2 Millionen Eizellen zur Welt. Danach sinkt die Zahl drastisch. Mit dem Einsetzen der ersten Periode sind es nur noch einige Hunderttausend. Mit jedem Zyklus nimmt diese Zahl weiter stark ab. Obwohl in jedem Zyklus meist nur eine Eizelle ausreift, werden jedes Monat im Schnitt 1.500 bis 2.000 Eizellen für den Reifeprozess rekrutiert und somit verbraucht. Die Heranreifung der Eizelle, die beim Eisprung freigegeben wird, dauert einige Monate.“ So geht die Eizellenreserve nach und nach zur Neige, bis sie erschöpft ist und die Menopause einsetzt. Dr. Just: „Wie schnell die Reserve zu Ende geht, das ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Es hängt von vielen Faktoren ab: von der Genetik – davon, wie hoch die Reserve bei der Geburt war (Anm.: guter Indikator ist das Einsetzen der Menopause bei der Mutter), vom Lifestyle (Anm.: Rauchen, Übergewicht, ungesunde Ernährung schaden) und von vorangegangenen Schwangerschaften – die einzige Zeit in der Frau Eizellen spart.“ „Ich habe“, so Dr. Just, „zwei Patientinnen, die mit Anfang 30 im Wechsel sind. Andere können bis Mitte 40 Kinder bekommen. Und da setzt der Test an: Durch die Blutanalyse und die Integration von Alter, Lebensstilfaktoren und medizinischer Vorgeschichte wird durch einen Algorithmus mithilfe eines eigens von uns entwickelten Softwareprogramms ein individueller Befund erstellt, der das Fruchtbarkeitspotenzial prognostiziert.“ 

Wann testen? Dr. Alexander Just rät, die Eizellenreserven-Abklärung Mitte, Ende 20 durchzuführen. So geht frau auf Nummer sicher.

Für wen ist der Test konzipiert?
Wenn man sich so lange wie möglich Zeit lassen möchte, rät der Mediziner zwischen dem 33. und 35. Lebensjahr mit der Babyplanung zu starten. „Da sind die meisten Frauen noch sehr gut bestückt. Aber wie gesagt, das ist auch nur ein Durchschnittswert. Viele Frauen wiegen sich vielleicht in falscher Sicherheit. Studien zeigen, dass knapp 10 Prozent aller Frauen mit Mitte 30 von einer erschöpften oder stark dezimierten Eizellreserve betroffen sind. Deshalb rate ich, den Test schon früher zu machen. Am meisten profitieren Frauen im Alter von 27 bis 35. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte die Eizellreserve vor 30 bestimmen lassen. Die Frauen bekommen einen langfristigen Überblick, eine Prognose über die nächsten zehn Jahre und können bestmöglich planen.“ Eine weitere Zielgruppe, so der Mediziner, seien Frauen, die seit einiger Zeit erfolglos versuchen schwanger zu werden und aktiv etwas tun wollen.

So funktioniert der Test
Der Hormontest basiert auf der Analyse des Anti-Müller-Hormons (AMH). Bei der geschlechtsreifen Frau wird AMH in den Granulosazellen heranwachsender Follikel im Ovar produziert. Zwischen dem AMH-Spiegel und der Anzahl reifungsfähiger Eizellen besteht ein direkter Zusammenhang. Zuerst – nachdem man den Test online bestellt hat (Infos: Kasten re.) – werden mittels Home-Test-Kit mit einer Lanzette einige Tropfen Blut vom Finger abgenommen und in ein Kapillarblutröhrchen massiert. Dieses wandert per Post ins Labor, online werden wichtige Daten sowie die medizinische Vorgeschichte abgefragt. Einige Tage nach Eintreffen der Blutprobe kommt das Ergebnis via Mail. Und zwar mit einer Einschätzung der verbleibenden fruchtbaren Zeit bis zu den Wechseljahren in Form von Infografiken und einem ausführlichen Text, mit Empfehlungen hinsichtlich Lebensstil, weiterer Untersuchungen und der persönlichen Familienplanung. „Abhängig davon, ob Sie aktuell einen Kinderwunsch haben oder nicht, mit einer Zeitachse mit Schwangerschaftswahrscheinlichkeit“, so Dr. Just. Und ganz wichtig:  das Ergebnis beinhaltet eine Risikoanalyse für das Vorliegen eines polyzystischen Ovar-Syndroms (PCOS), welches eine der häufigsten hormonellen Erkrankungen bei Frauen ist – eine der Ursachen für unerfüllten Kinderwunsch (weltweit sind 10 bis 12 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter betroffen). Aber Achtung: der Test kann keine Aussagen über Eileiterstatus, Samenzellenqualität des Partners und Endometriosestatus (Endometriose: gutartige, aber chronische Erkrankung die Zysten, Verwachsungen, Entzündungen und Vernarbungen im Bauchraum verursachen kann) treffen. Will man auf Nummer sicher gehen, müssen diese Parameter noch zusätzlich abgeklärt werden.

Juno Fruchtbarkeitstest

© Juno Fruchtbarkeitstests
Juno Fruchtbarkeitstests

Auswertung. Drei bis vier Tage nach Einsendung der Blutprobe kommt das Ergebnis. Auf sechs Seiten veranschaulichen Grafiken (s. o.) die Langzeitprognose.

Juno Fruchtbarkeitstest im Check
gesund&fit ließ sich vom Entwickler des softwaregestützten Hormontests zur Bestimmung der Eizellreserven, Dr. Alexander Just, das Home-Test-Kit zeigen.

Schritt 1: über www.fruchtbarkeitstest.at das Kit ordern.
Schritt 2: den Fragebogen zum Lebensstil beantworten.
Schritt 3: Bluttest (im Kit befindet sich u. a. eine Lanzette und ein Röhrchen) durchführen und per Post einsenden. Das Ergebnis steht 3–4 Werktage später online zur Verfügung.

Kosten: 189 Euro.
Hinweis: Der Test ist erst ab einem Alter von 25 möglich, weil das Anti-Müller-Hormon erst ab Mitte 20 abzufallen beginnt.


Getestet und dann?  

„Wir bieten“, so Hecher, „u. a. die Interpretation des Testergebnisses, Kinderwunschsprechstunden, Coachings und Beratung zu Social Freezing, Eizellspende und Pflegeelternschaft an. Mit dem Fruchtbarkeitstest können einerseits durch rechtzeitige Planung künstliche Befruchtungen vermieden werden, andererseits Frauen mit eingeschränkter Eizellreserve rechtzeitig von der Kinderwunschmedizin profitieren. Hauptziel: Frauen in den unterschiedlichsten Situationen ihre Optionen aufzuzeigen.“