Probiotikum könnte Migräne-Attacken verringern

Neue Therapie

Probiotikum könnte Migräne-Attacken verringern

Eine vielfältige Darmflora soll einen positiven Effekt auf Migräne-Attacken haben.

Zehn Prozent der Österreicher leiden an Migräne, Frauen doppelt so häufig wie Männer. Die medikamentöse Prophylaxe bei Menschen mit hoher Anfallfrequenz ist schwierig. Ein neues Probiotikum dürfte hilfreich sein, hieß es am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Anita Frauwallner vom Grazer Unternehmen Institut Allergosan verwies auf erst in jüngerer Vergangenheit immer stärker wissenschaftlich belegte Zusammenhänge zwischen Darm und Gehirn. Die für das Gehirn typischen Fresszellen, die Mikroglia-Zellen, benötigten für ihre Ausreifung kurzkettige Fettsäuren, zum Beispiel Butyrat. Diese würden von einem Teil der Darmbakterien produziert und gelangten mit dem Blut ins Gehirn.

Darmflora ausschlaggebend
Ein Mangel an gesunder und diverser Darmflora führe hier zu zwei Defiziten: Einerseits bekäme das Gehirn zu wenig der kurzkettigen Fettsäuren zur Verfügung gestellt, andererseits bedeute eine geschädigte Darmflora auch eine mangelhafte Barrierefunktion zum Organismus. Toxische und Entzündungen fördernde Stoffe gelangten vermehrt ins Gehirn, hieß es bei der Pressekonferenz. Migräne ist durch eine entzündliche Reaktion auf verschiedene Reize gekennzeichnet.

Auf der Etablierung einer vielfältigen Darmflora soll der Effekt des neuen Probiotikums Omnibiotic Migräne mit pro Säckchen 7,5 Milliarden Keimen von acht verschiedenen Stämmen beruhen. Das diätetische Lebensmittel wurde in einer Studie an 27 Probanden mit zumindest vier Migräneattacken drei Monate lang untersucht. Sie ist bereits wissenschaftlich publiziert worden.

Hier einige Tipps, die helfen können Migräne vorzubeugen und sie effektiv zu behandeln:

10 Tipps bei Migräne 1/10
1. Selbst-Test
Finden Sie heraus, welche Kopfschmerzen Sie haben. Dazu beantworten Sie folgende Fragen mit Ja oder Nein, dieser liefert erste Hinweise darauf ob bei Ihnen eine Migräne vorliegt.
  • Beschränken sich die Kopfschmerzen auf eine Kopfhälfte?
  • Haben die Kopfschmerzen einen pulsierenden Charakter?
  • Würden Sie die Schmerzen als mittelschwer bis schwer beschreiben?
  • Werden die Kopfschmerzen durch körperliche Aktivitäten wie z.B. Treppensteigen verstärkt?
  • Werden die Kopfschmerzen von Übelkeit und/oder Erbrechen begleitet?
  • Werden die Kopfschmerzen von Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet?
  • Dauern Ihre Kopfschmerzen 4 bis 72 Stunden an, wenn Sie kein Medikament einnehmen oder eine Behandlung erfolglos bleibt?
  • Sind bei Ihnen schon mindestens fünf Kopfschmerzanfälle aufgetreten, die der Beschreibung entsprechen?
Führen Sie außerdem ein Kopfschmerz-Tagebuch, notieren Sie wann und wie stark die Schmerzen auftreten, was der Auslöser sein könnte! Ein Arzt kann Ihnen wertvolle Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können.

Weniger Attacken
Demnach sank bei Einnahme einer Dosis pro Tag die Zahl der Migräneattacken pro Monat von vor dem Start durchschnittlich 6,7 auf 6,3 in den ersten vier Wochen, in den Wochen neun bis zwölf waren es dann durchschnittlich nur noch 5,2 Anfälle. "Insgesamt konnte die durchschnittliche Anzahl an Migräne-Tagen nach Ende der Probiotika-Einnahme um 23 Prozent gesenkt werden", sagte Anita Frauwallner. Die Probanden nahmen am Ende der Studiendauer auch um 29 Prozent weniger Analgetika-Dosen ein.

Schwere Nebenwirkungen bei Medikamenten
In den 1990er-Jahren haben die sogenannten Triptane als neue rezeptpflichtige Arzneimittel die Behandlung schwerer akuter Migräneanfälle revolutioniert. Bei Menschen mit häufigen Attacken wird aber eine medikamentöse Prophylaxe empfohlen. Die dabei verwendeten Betablocker, Kalziumantagonisten und Antiepileptika sind allerdings Arzneimittel mit zum Teil erheblichen Nebenwirkungen. Deshalb sind Alternativen gesucht.