Jeder 5. fürchtet, psychisch zu erkranken

Depressionen und Co.

Jeder 5. fürchtet, psychisch zu erkranken

Psychische Erkrankungen: Weit verbreitet und immer noch tabuisiert.

Knapp ein Fünftel der Bevölkerung fühlt sich aktuell gefährdet, psychisch zu erkranken. Fast 80 Prozent kennen in ihrem Umfeld jemanden, der entweder psychisch krank ist oder war. Das ergab eine Befragung von 1.000 Personen im Rahmen der Initiative "Open Innovation in Science" der Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG). Die Initiative will Fragen von Bürgern in die Forschung einfließen lassen.

Nach wie vor Tabuthema
Vier von fünf Befragten sind davon überzeugt, dass psychische Erkrankungen nach wie vor ein Tabuthema sind. Dabei sprechen neun von zehn Befragten für eine Gleichstellung psychischer und physischer Erkrankungen aus, zeigt die vom Gallup Institut durchgeführte Umfrage. 78 Prozent der Interviewten wünschen sich darüber hinaus, stärker am Forschungsprozess beteiligt zu werden.

"Die Befragung zeigt, dass psychische Erkrankungen sehr weitverbreitet, aber noch immer stark tabuisiert sind", erläuterte Ulrike Schmidt, Leiterin der Trauma-Ambulanz des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München und Mitglied im Beirat der Initiative "Open Innovation in Science" am Donnerstag in einer Aussendung der LBG.

Online-Plattform
Betroffene, Spezialisten und Interessierte haben ab dem 16. April über die Online-Plattform www.redensiemit.org konkret die Möglichkeit, sich an der Entwicklung von Forschungsfragen zum Thema psychische Erkrankungen beteiligen. "Es geht uns um eine Diskussionskultur auf Augenhöhe zwischen der Wissenschaft und der Gesellschaft. Das heißt für uns auch, dass Bürger Einfluss darauf haben, was erforscht wird. Wir wollen also Wissen, das außerhalb einer Kerndisziplin liegt für konkrete Forschungsanliegen nutzbar machen, erklärte LBG-Geschäftsführerin Claudia Lingner.

Bei "Open Innovation in Science" handelt es sich nach Angaben der LBG um eine europaweit einzigartige Initiative. Sie wird von der LBG getragen und von einem Advisory Board unterstützt, dem unter anderem Vertreter der WHO, der Harvard Medical School und der Max-Planck-Gesellschaft angehören.