Umfrage zeigt deutliche Defizite

Hygienealarm in Krankenhäusern

17.03.2016

Krankenhaushygieniker beklagen Arbeitssituation in Österreich

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Die Österreichische Gesellschaft für Krankenhaushygiene (ÖGKH) hat eine Online-Umfrage unter österreichischen Hygieneteams gestartet, um deren Arbeitssituation zu evaluieren. Offenbar gibt es deutliche Defizite. Die Ergebnisse wurden am Donnerstag im Rahmen der 16. Konferenz der International Federation of Infection Control in Wien in einer Pressekonferenz präsentiert.

Wenig Zeit für Hygienemaßnahmen
In einem Zeitraum von zwei Monaten nahmen 237 Personen (Rücklaufquote 51 Prozent), darunter Hygienefachkräfte (80 Prozent), hygienebeauftragte Ärztinnen und Ärzte (16 Prozent) und Biomedizinische Analytiker teil. 61 Prozent der Befragten sind demnach in ihren Krankenhäusern nur in Teilzeit für Belange der Hygiene tätig. Dementsprechend gaben weniger als die Hälfte der Befragten (47 Prozent) an, dass die ihnen zur Verfügung stehende Zeit ausreicht, um die hygienerelevanten Aufgaben zu erledigen, hieß es in einer Aussendung.

Hautkeim Staphylococcus aureus könnte stark reduziert werden
76 Prozent der Befragten gaben an, eine Form von standardisierter Surveillance auf die Keimsituation in ihrem Krankenhaus durchzuführen. Die Hygieneteams seien in Österreich offenbar ungenügend in die Beschaffung von Antiinfektiva und Medizinprodukte sowie bei Neu-, Um- und Zubauten eingebunden. Bei 73 Prozent der Befragten ist eine Arzneimittelkommission im Haus vorhanden, dort sind aber nur 23 Prozent der Hygieneteams Mitglieder. Lediglich in 45 Prozent der Einrichtungen gibt es in Österreich offenbar ein Programm zur Steuerung der Antibiotikaverwendung (ABS). Darin sind laut der Umfrage Hygieneteams nur zu 20 Prozent eingebunden. In 80 Prozent der Fälle fänden solche Programme ohne die Hygieneteams statt. Alarmierend sei auch, dass vor 80 Prozent der chirurgischen Eingriffe keine Untersuchung der Patienten auf den häufig Wundinfektionen auslösenden Hautkeim Staphylococcus aureus erfolge. Wird der noch vor dem Eingriff beseitigt, liegt die Komplikationsrate durch Wundinfektionen viel niedriger.

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