Corona-Impfstoff: Probanden beschreiben Nebenwirkungen

Herdenimmunität als Ziel

Die wichtigsten Fakten rund um die Covid-impfstoffe

Mit der Zulassung der ersten Coronavirus-Vakzine  und den ersten verabreichten Impfdosen steigt die Hoffnung auf eine baldige Eindämmung der globalen Pandemie. Welche Impfstrategie Österreich verfolgt und warum eine hohe Impfrate über den Erfolg entscheidet.

Nachdem Großbritannien und die USA bereits Anfang Dezember den Impfstartschuss gaben, folgt nun auch die Europäische Union. Am Sonntag war es in Österreich soweit: Die ersten Impfsoden wurden in Wien verabreicht. Der Impfstoff des Herstellers ­BioNTech/Pfizer hat nun auch in der EU als Erster eine Zulassung erhalten. Im Jänner wird Prognosen zufolge das zweite Vakzin, vom Konzern Moderna, zugelassen und das dritte, von AstraZeneca, bis Februar. 
 
mRNA-Impfstoffe an der Front 
Bei den beiden erstverfügbaren Vakzinen – BNT162b2 von BioNTech/Pfizer und mRNA-1273 von Moderna – handelt es sich um mRNA-Impfstoffe. Diese neue Technologie ermöglicht eine rasche Herstellung großer Impfdosenmengen: Sie basiert darauf, dass lediglich ein „Bauplan“ des Virusproteins verimpft wird, welches schlussendlich zu einer Immunreaktion führt. Diese Art der Herstellung ist nur eine von vielen Ansätzen: Derzeit wird an über 200 unterschiedlichen Impfstoffkandidaten gegen das Coronavirus geforscht. Der „Multiportfolio-Ansatz“ ist entscheidend, denn auf diese Weise können nicht nur unterschiedliche Präparate auf bestimmte Zielgruppen zugeschnitten werden, sondern es können auch sehr große Mengen an Impfdosen gleichzeitig produziert und zur Verfügung gestellt werden. In Bezug auf Qualität soll es keine Unterschiede geben: „Nach derzeitigem Wissensstand gibt es hinsichtlich Wirksamkeit und Sicherheit keinen Anlass, einen Qualitätsunterschied zwischen den Impfstoffen anzunehmen“, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme des Gesundheitsministeriums. Die sehr rasche Entwicklung der Impfstoffe ist der umfassenden Vorerfahrung der Hersteller zu verdanken: „Ein Grund für die schnelle Entwicklung von Impfstoffen gegen Covid-19 sind die vorhandenen Erfahrungen mit den bereits bekannten MERS- und SARS-Coronaviren“, heißt es von Seiten des Österreichischen Verbands der Impfstoffhersteller (ÖVIH). „Außerdem werden für alle derzeit in weit fortgeschrittener klinischer Entwicklung befindlichen Impfstoffe Plattformtechnologien verwendet, die normalerweise für die Herstellung von Impfstoffen gegen unterschiedlichste Erreger zur Impfstoffproduktion benützt werden.“ 

Logistik als Herausforderung
Das Drängen auf die Impfstoffe ist groß, dementsprechend ist in den ersten Monaten ihres Verfügbarwerdens mit Knappheiten zu rechnen, die eine kontrollierte Aufteilung erforderlich machen. Sowohl bei Beschaffung als auch bei der Verteilung und schlussendlich Verabreichung ist ein Punkt zentral: die Logistik. „Aufgrund der Eigenschaften der Impfstoffe werden sie voraussichtlich in unterschiedlichen Settings angeboten werden“, heißt es vom Gesundheitsministerium. So sei es beispielsweise voraussichtlich logistisch schwierig, einen Impfstoff, der bei minus 70 Grad gelagert werden muss (Anm.: mRNA-Impfstoffe), im niedergelassenen Bereich – also etwa durch Hausärztin oder Hausarzt – flächendeckend anzubieten. Das sei bei Impfstoffen, die bei Kühlschranktemperaturen gelagert werden, eine ganz andere Situation. Auch der Sonderbeauftragte des Gesundheitsministeriums, Dr. Clemens Martin Auer, sprach in einer Pressekonferenz des ÖVIH davon, dass die österreichische Impfstrategie dezentral geplant sei: Es solle „dort geimpft werden, wo die Menschen arbeiten und sich aufhalten“. Für die erste Phase der Impfung sei etwa geplant, dass „immer bestimmte Dosen an eine konkrete Impfstelle gebracht“, auf richtige Temperatur gebracht und dann vor Ort und binnen weniger Tage verimpft werden.
 
Impfplan in Österreich 
Im Sinne der ethischen Priorisierung führen Menschen mit dem höchsten Infektions- und jene mit dem schwersten Verlaufsrisiko die Impfschlange an. Die erste Lieferung von BioNTech/Pfizer soll 250.000 Vakzine umfassen, wie Dr. Auer erklärte. Diese reichen für 125.000 Menschen, da zwei Impfungen nötig sind. Nach der Impfung des stark exponierten Gesundheitspersonals und der Menschen in Alten- und Pflegeheimen sollen in der zweiten Phase Personen über 65 Jahre geimpft werden sowie Personen mit Systemrisiko in den Bereichen Sicherheit, Justiz, Schulen und Bildungseinrichtungen, kritische Infra­struktur und zur Aufrechterhaltung des öffentlichen Lebens. Ab dem zweiten Quartal folgt die allgemeine Bevölkerung. „Wir gehen derzeit davon aus, dass es bis zum dritten Quartal 2021 ausreichend Impfstoff für alle Menschen in Österreich geben wird. Es gibt Vorverträge (mit Impfstoffherstellern, Anm.) für circa 16,5 Millionen Dosen“, so Auer. 

Hohe Durchimpfungsrate als zentraler Schlüssel  
Von diesen 16,5 Millionen Dosen sollen, so hoffen Bund und Experten, auch möglichst viele in Anspruch genommen werden. In der österreichischen Covid-19-Impfstratgie wird als Ziel eine Durchimpfungsrate von mehr als 50 Prozent definiert. Von Expertenseite hieß es jedoch bereits mehrmals, dass eine Durchimpfungsrate von zumindest 70 Prozent notwendig sei, um die Pandemie zurückzudrängen. „Je mehr Menschen geimpft sind, umso besser“, betonte der Gesundheitssonderbeauftragte. Die breite Impfung gilt als das einzige Mittel zu einer baldigen breitflächigen Immunität der Bevölkerung – und damit zu einer Rückkehr zum gewohnten Leben. Für die vielzitierte Alternativroute – die Herdenimmunität, die die Virusverbreitung auf natürlichem Weg eindämmen könnte – ist eine Durchseuchung von 60 bis 70 Prozent nötig. Dass sie keine Option ist, zeigte die erste groß angelegte Antikörperstudie in Österreich auf, die vom Bildungsministerium in Auftrag gegeben wurde: Sie ergab, dass zum Zeitpunkt der Auswertung (ab Mitte November) nur 4,7 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher über Antikörper gegen SARS-CoV-2 verfügten und somit immun waren. Zwar ist dieser Wert seither gestiegen – von einer Herdenimmunität seien wir aber „sehr weit entfernt“, wie Bildungsminister Heinz Faßmann im Rahmen der Studienpräsentation erklärte. Bis eine solche erreicht sei, würde es Jahre dauern. Bis dahin wären „viele Tausend Tote“ zu beklagen, gab auch der an der Studie beteiligte Virologe Assoc.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Lukas Weseslindtner zu bedenken. Es sei „moralisch undenkbar, das Virus ungebremst zirkulieren zu lassen“.
 

Die 3 Impfstoff-Arten

Totimpfstoffe
Zwei Arten von Totimpfstoffen sind für Covid-19 relevant: 
1. Ganzvirusimpfstoffe: Es werden infektiöse Viren produziert, gereinigt und abgetötet, wodurch sie nicht mehr infektiös sind. Diese Technologie ist schon sehr lange (z. B. gegen Influenza, FSME, 
Hepatitis A) im Einsatz.
2. Rekombinante Protein-Subunit-Impfstoffe: Enthalten keine vollständigen, abgetöteten Erreger, sondern nur kleine Teile davon. Im Fall von Covid wird der DNA-Bauplan des Spike-Proteins eingebracht.
 
Vektorimpfstoffe 
Bei Vektorimpfstoffen wird ein anderes abgeschwächtes Virus als Vehikel (z. B. Adeno- oder Masernvirus) für einen Teil der Erbinformation von SARS-CoV-2 verwendet. Man unterscheidet zwischen nicht vermehrungsfähigen (nicht replizierende rekombinante Virus-Vektoren) und vermehrungsfähigen (replizierende rekombinante Virus-Vektoren) Vektoren. In beiden Fällen stellen die Körperzellen dann das Antigen selbst her, in der Folge kommt es zu einer Immunreaktion. Diese Impfstoff-Technologie ist z. B. gegen Ebola und Dengue-Fieber im Einsatz.

rna-Impfstoffe
Im Impfstoff ist ein Gen des Virus in Form von mRNA (messenger-RNA) enthalten. Damit wird der Bauplan eines Virusproteins des Erregers verabreicht. Die Körperzellen können das Virusprotein damit selbst produzieren. In der Folge kommt es zu einer Immunreaktion. Bei dieser Technologie entstehen keine ganzen vermehrungsfähigen Viren, sondern nur einzelne Bestandteile davon, weswegen sie für den Körper ungefährlich sind. Auf die DNA der Körperzellen hat der Impfstoff ebenfalls keinen Einfluss, sie bleibt völlig unverändert. Auf Basis dieser noch neuen Technologie sind neben dem Covid- auch andere Impfstoffe in Entwicklung, z. B. gegen Influenza und Tollwut. Die Impfstoffe können besonders rasch in großen Mengen produziert werden.
 
Die Präparate von BioNTech/Pfizer und Moderna sind mRNA-Impfstoffe, jener von AstraZeneca ein Vektorimpfstoff.
Quelle: ÖVIH
 

Der Impfplan für Österreich

✏ Phase 1 (Jänner/Februar)

Geimpft werden: Bewohnerinnen und Bewohner in Alten- und Pflegeheimen, Personal im Gesundheitsbereich mit hohem Expositionsrisiko und Hochrisikogruppen (mit definierten Vorerkrankungen). In dieser Phase werden erst wenige Impfstoffe zur Verfügung stehen.
 
✏ Phase 2 (Februar–April)
Geimpft werden: Personen höheren Alters, Personen in kritischer Infrastruktur.
In dieser Phase sollen bereits mehr und verschiedene Impfstoffe verfügbar sein. 
 
✏ Phase 3 (ab 2. Quartal)
Geimpft wird (zusätzlich zu Gruppen aus Phasen 1 und 2): Allgemeinbevölkerung in Reihenfolge gemäß der 
Impfgremium-Empfehlungen.
 
Quelle: Gesundheitsministerium; 
Stand Mitte Dezember 2020