Die besten Covid-19-Therapien

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Die besten Covid-19-Therapien

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Für wen sie geeignet sind und wie man sie bekommt. 

Es gibt zielgerichtete Corona-Medikamente zur Vermeidung von schweren Verläufen bei vulnerablen Menschen. Wer zu den Risikopatient:innen gehört und welche Arzneimittel eingesetzt werden.

Die Corona-Zahlen sind wieder gestiegen, die Herbst-Welle hat sich auch schon in den österreichischen Krankenhäusern niedergeschlagen. Zwar geht die derzeit vorrangige Omikron-Virusmutation BA. 5 mit einem verhältnismäßig milderen Verlauf einher. Doch laut Prim. Priv.-Doz Arschang Valipour, FERS aus der Klinik Floridsdorf ist das Virus nur in der öffentlichen Wahrnehmung mild - für Risikopatient:innen kann eine Infektion dennoch gefährlich werden. "Die Zahlen steigen dramatisch an", warnt der Intensivmediziner. Entwickeln Infizierte keine ernsthafte Erkrankung, sei das der Wirksamkeit der Impfung zu verdanken -immerhin seien in Österreich sechs von zehn Menschen aufgrund der Schutzimpfung ausreichend gegen Corona geschützt. Deswegen appelliert der Lungenspezialist, sich nach der dreiteiligen Grundimmunisierung der Schutzimpfung unbedingt auch eine Auffrischungsimpfung zu holen. Eine vollständige Immunisierung kann, wie Studien zeigen, jedenfalls das Risiko für Long-Covid deutlich senken. Erkanke man dennoch an Covid-19, gibt es dem Mediziner zufolge wirksame, medikamentöse Therapien. Die hat er auch seinen erstmals positiv getesteten Eltern, die viermal geimpft waren, verschrieben. Die Medikamente können das Risiko für einen schweren Verlauf reduzieren.

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Das Bewusstsein erhöhen

Eine Umfrage der Lungenunion verdeutlicht, dass es Wissensdefizite in puncto Arzneimittel zur Verhinderung eines schweren Covid-19-Verlaufs gibt. Wie Prim. Valipour berichtet, ist die österreichische Bevölkerung außerdem unsicher bei der Einschätzung der Risikogruppe. In den Vereinigten Staaten habe man festgestellt, dass 50 Pro zent der Gesellschaft einer Risikogruppe angehören. In Österreich sei die Zahl zwar etwas niedriger, da es weniger Übergewichtige gibt, dennoch: "Die Zahl der Betroffenen, die einer Risikogruppe angehören, ist nicht unbeträchtlich", so der Mediziner. Zu den vulnerablen Menschen gehören in erster Linie ältere Personen ab 60 Jahren, doch bereits ab 55 Jahren kann man -je nach Vorerkrankung -betroffen sein. Etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung haben eine chronische Atemwegserkrankung wie Lungenfibrose, Asthma oder COPD - auch Raucher:innen zählt man zu den Risikogruppen. Eine komplette Auflistung der Risikofaktoren für einen schweren Verlauf finden Sie im Infokasten auf Seite 12.

Die groß angelegte Awareness-Kampagne "Covid-19 positiv: Nicht warten, Anruf schnell starten!" der Lungenunion soll nun umfassend über Risikofaktoren und Covid-19-Therapien aufklären, um vulnerable Patient:innen zu schützen.

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Weg zum Medikament

Etwa 24 Prozent der Menschen gaben aber bei der Umfrage der Lungenunion an, sie würden nach Symptombeginn zuwarten und nicht gleich Medikamente nehmen. Die Therapie mit antiviralen Medikamenten sollte man aber laut Prim. Valipour frühzeitig beginnen. Empfohlen wird der Einsatz der Mittel nach nachgewiesener Infektion idealerweise nach zwei bis spätestens fünf Tagen.

Derzeit werden zwei Arzneimittel an Risikogruppen ab 18 Jahren verschrieben, die oral eingenommen werden: Molnupiravir von Merck & Co (MSD) und die Kombinationstherapie Nirmatrelvir/Ritonavir von Pfizer. Diese Pillen können eine sehr wirksame Risikoreduktion von schweren Verläufen erreichen. Für Schwangere sind diese Mittel nicht geeignet. Wird man positiv getestet, genügt ein Anruf beim Hausarzt oder der Hausärztin, dann werden die Arzneimittel auf die E-Card hochgeladen und die Medikamente können aus der Apotheke abgeholt werden. Risikogruppen werden in Wien vom Wiener Gesundheitsdienst (MA 15) proaktiv kontaktiert, damit die Arzneimittel per Fahrradboten direkt an die Patient:innen geliefert werden. Voraussetzung für das Verschreiben eines Medikaments sei laut der Lungenunion eine Abklärung von Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Risikofaktoren für einen schweren Verlauf

Bestimmte Risikofaktoren können einen schweren Covid-19-Verlauf begünstigen. Trifft mindestens einer der folgenden Faktoren auf Sie zu, haben Sie wahrscheinlich ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf.

  • Höheres Alter: ab 60 oder eventuell bereits ab 55 Jahren, je nach zusätzlichem Risiko
  • Übergewicht: BMI über 30, je nach zusätzlichem Risiko eventuell über 25
  • Herz-Kreislauf-Krankheiten z. B. Bluthochdruck
  • Chronische Lungenkrankheiten wie COPD oder Asthma
  • Rauchen
  • Diabetes Mellitus l
  • Aktive Tumorerkrankungen
  • Autoimmunerkrankungen
  • Chronische Nierenerkrankung
  • Chronische Lebererkrankung
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Immunsuppression durch Erkrankungen oder Medikation
  • Neurologische Entwicklungsstörung
  • Sichelzellkrankheit

Info: Awareness-Kampagne

"Covid-19-positiv: Nicht warten, Anruf schnell starten!"
Die Lungenunion möchte mit einer neuen Kampagne über Risikofakten und Covid-19-Therapien aufklären, um damit vulnerable Patient:innen zu schützen.

Covid-19-Medikamente
Derzeit werden an Risikopatient:innen ab 18 Jahren zwei Medikamente verschrieben. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin über mögliche Covid-Therapien.

  

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