Volksleiden

Der große Kopfschmerz-Kompass

27.03.2015

90 Prozent der Österreicher leiden mindestens einmal in ihrem Leben an Kopfschmerzen.

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Die Mehrheit der Österreicher leidet an Kopfschmerzen. Die Gründe dafür sind meist harmlos, können aber auch Anzeichen einer ernsthaften Krankheit sein. Demnach ist Kopfschmerz nicht gleich Kopfschmerz. Rund 250 verschiedene Kopfschmerzarten verzeichnet die internationale Kopfschmerzklassifikation.

Primäre Kopfschmerzen
Prinzipiell unterscheidet man primäre und sekundäre Kopfschmerzerkrankungen, wobei die Allgemeinbevölkerung meist unter den primären Kopfschmerzerkrankungen leidet. Hierbei handelt es sich um Schmerzen, die nicht auf einen Hirntumor oder eine andere Ursache zurückzuführen sind. Wohingegen sekundäre oder auch als symptomatisch bezeichnete Kopfschmerzen immer eine Ursache haben – und sei es nur das Auftreten im Rahmen eines grippalen Infekts.

Der häufigste in der Allgemeinbevölkerung auftretende Kopfschmerz ist der episodische (weniger als 15 Tage pro Monat) des Spannungstyps und betrifft rund 90 Prozent der Bevölkerung. Wobei die Symptomatik meist so mild ausgeprägt ist, dass es nahezu zu keiner Beeinträchtigung kommt. Am zweithäufigsten ist das Krankheitsbild der Migräne, gefolgt von trigeminoautonomen (Reizungen des fünften Gehirnnervs) Kopfschmerzen wie z. B. der Clusterkopfschmerz. Etwa drei bis vier Prozent der Bevölkerung leiden an chronischen (öfter als 15 Tage pro Monat) Kopfschmerzen.



Die richtige Diagnose
Meist reicht ein Besuch beim Hausarzt oder Neurologen aus, um eine richtige Diagnose zu stellen. Sollte dieser trotz seiner diagnostischen Möglichkeiten nicht weiterwissen, ist eine Überweisung in ein spezielles Kopfschmerzzentrum mit erweiterten Diagnose- und Therapiemöglichkeiten sinnvoll.

Das Wichtigste für die Einordnung der Kopfschmerzen ist die Frage, wie lange der Schmerz andauert. Handelt es sich um Attacken, die Sekunden oder Stunden andauern oder ist der Schmerz permanent? Wobei trigeminoautonome Schmerzen eher kurz andauern. Migräne hingegen kann bis zu drei Tage am Stück anhalten. Handelt es sich um chronische Schmerzen oder Kopfschmerzen bedingt durch Medikamenteneinnahme, können diese dauerhaft präsent sein.
Ein weiteres wichtiges Kriterium sind Begleitsymptome. Typisch für Migräne wären Licht- und Lärmempfindlichkeit sowie Übelkeit bis hin zum Erbrechen und verstärktes Geruchsempfinden. Bei trigeminoautonomen Kopfschmerzen sind sogenannte trigeminoautonome Begleitsymptome, wie z. B. ein Tränen des Auges oder eine laufende Nase, typisch.
Das dritte entscheidende Kriterium ist das Verhalten während des Schmerzes. Migränepatienten verspüren während der Attacke ein verstärktes Ruhebedürfnis, wohingegen Clusterschmerzen Unruhe und Bewegung fordern.
Meist ergibt sich anhand dieser drei Kriterien, auf die man das eigene Schmerzbild untersucht, eine Tendenz der Kopfschmerzdiagnose.



Schmerz ist immer subjektiv

Jeder Mensch empfindet Schmerz anders. Letztlich sind es Sie alleine, die den Schmerz und dessen Intensität sowie Qualität (z. B. stechend oder pulsierend) bewerten können. Auch wenn Schmerz subjektiv ist, gibt es Skalen, die zur Abschätzung der Schmerzintensität verwendet werden können. Eine Möglichkeit hierfür wäre eine Skala von eins bis zehn, wobei eins leichte Schmerzen darstellt und zehn die stärksten. Ausgegangen wird zur Schmerzbeurteilung immer vom stärksten Schmerz, der je erlebt wurde. Ebenso wichtig zur Beurteilung und möglichen Diagnose ist die Schmerzqualität, sprich mit welchem Auftreten (Qualität) äußert er sich. Dies könnte beispielsweise bei Migräne ein Pulsieren sein.
Handelt es sich um einen Schmerz mit besonders starker Intensität, den Sie in dieser Form noch nie erlebt haben, ist es ratsam einen Arzt zu konsultieren.

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