Steigende Zahlen in Österreich

Bauchspeicheldrüsenkrebs wird häufiger

27.12.2017

Noch immer viele späte Diagnosen in Österreich

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Hat Bauchspeicheldrüsenkrebs noch vor einigen Jahrzehnten als seltene Karzinomerkrankung gegolten, ist er mittlerweile zur dritthäufigsten Krebstodesursache geworden.

Dritthäufigste Ursache für Krebstod

Nach vielen Jahren mit wenigen Fortschritten befindet sich die Situation aber derzeit buchstäblich schrittweise auf einem langsamen Weg der Besserung, betonten jetzt Wiener Experten (MedUni/AKH) gegenüber der APA.

Am Comprehensive Cancer Center (CCC) existiert seit Beginn an ein Spezialteam (CCC-Pankreaskarzinom-Unit; PCU) mit den Koordinatoren Gerald Prager (Onkologie) und Martin Schindl (Chirurgie), in der fächerübergreifende Patientenbetreuung und Wissenschaftsprojekte gebündelt werden. "Patienten mit einem Pankreaskarzinom gehören an ein Zentrum mit spezialisierter Chirurgie, Onkologie, Strahlentherapie, Gastroenterologie, Pathologie etc. Das erhöht die Chancen", sagten Prager und Schindl.

Viele Neudiagnosen in Österreich

In Zahlen gefasst handelt es sich beim Pankreaskarzinom zwar nicht um eine der häufigsten Krebserkrankungen, doch wird seit Jahrzehnten ein kontinuierlicher, deutlicher Zuwachs registriert. "In Österreich gibt es pro Jahr 1.500 bis 1.600 Neudiagnosen. Für 2020 werden rund 2.000 pro Jahr prognostiziert, für das Jahr 2030 um die 3.000 Neudiagnosen", sagte Schindl.

Onkologe Prager ergänzte: "Pankreaskarzinome machen nur vier Prozent der Karzinomerkrankungen aus, sind aber schon die dritthäufigste Krebs-Todesursache." Bei derzeit fast gleich vielen Neudiagnosen wie Todesfällen pro Jahr ist das ohne Zweifel eine ernste Situation.

Mögliche Gründe für vermehrte Diagnosen

"Die Gründe für den Anstieg werden noch nicht verstanden. Der Altersgipfel für das Auftreten der Erkrankung liegt im Alter über 65 Jahre. Wir registrieren aber eine Zunahme der Erkrankung bei Patienten unter 60 Jahren. Krankhaftes Übergewicht und Fettsucht, Rauchen und der Alkoholkonsum gelten als Risikofaktoren. Es gibt zwar Familien, in denen das Pankreaskarzinom gehäuft auftritt, aber das ist nur bei einem kleinen Anteil der Fälle so", sagte der Chirurg.

Eine möglichst frühe Diagnose entscheidet über die Aussichten der Betroffenen. "Leider sehen wir nach wie vor die meisten Patienten in einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung", meinte Schindl. "Eine plötzlich auftretende Gelbsucht, in den Rücken ausstrahlende Schmerzen oder ungewollter Gewichtsverlust in Verbindung mit Oberbauchschmerzen gehören möglichst schnell abgeklärt", betonte Onkologe Prager. Längere Abstände zwischen einzelnen Untersuchungsschritten, die zur Diagnose führen können, schädigen die Überlebensaussichten der Patienten.

Ablauf der Diagnose

Entscheidend sind heute die bildgebenden Befunde aus der Computertomografie und/oder der Magnetresonanztomografie. Dadurch kann in vielen Fällen eine verlässliche Verdachtsdiagnose für ein Pankreaskarzinom gestellt werden und die Entfernbarkeit des Tumors per Chirurgie sowie das Vorhandensein eventueller Absiedlungen in anderen Organen beurteilt werden. Durch die hohe Auflösung dieser Untersuchungen wird daraus auch die Indikation für eine Operation gestellt.

Im Gegensatz dazu ist eine Diagnosesicherung aus dem Tumorgewebe mittels Biopsie vor einer geplanten Chemotherapie oder Strahlentherapie notwendig, oder wenn die Veränderung in der Bildgebung nicht sicher zur beurteilen ist. Die Gewebeentnahme erfolgt zumeist durch die per endoskopischen Ultraschall gezielte direkte Punktion des Tumors durch die Magenwand. Derzeit laufen Studien, welche den Wert von Kombinationsuntersuchungen wie PET-CT (Positronen-Emissionstomografie) und PET-MR bestimmen sollen. Einen Spezialfall stellen Zysten in der Bauchspeicheldrüse dar, weil ein Teil von diesen Vorstufen für Pankreaskarzinome darstellen. "Hier wird gegebenenfalls operiert, um die Entstehung eines Karzinoms zu verhindern", erklärte Schindl.

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