Zahl der Mandeloperationen bei Kindern sinkt

Kaum Todesfälle

Zahl der Mandeloperationen bei Kindern sinkt

Viele Eltern kommen mit der Hals-Nasen-Ohren-Medizin wegen einer Mandeloperation des Nachwuchses in Berührung. Eine hohe Operationsfrequenz bis 2002 und dramatische Todesfälle fünf Jahre später haben zu viel Skepsis geführt. Heute werden viel weniger Kinder totaloperiert und es kommt kaum zu dramatischen Komplikationen, hieß es am Donnerstag in Wien bei einem Pressegespräch zum 60. HNO-Kongress.

Todesfälle führten zu Änderungen der Behandlung

In den Jahren 2006 und 2007 starben insgesamt fünf Kinder unter sechs Jahren nach Mandeloperationen, was zu Änderungen hinsichtlich der Indikation und Technik und daraufhin einem deutlichen Rückgang führte. Grundsätzlich kann es zu Nachblutungen bei Abstoßung der Wundbeläge oder durch Aufplatzen von Gefäßen kommen. Je jünger und kleiner der Patient, desto weniger Reserven sind vorhanden, was die Lebensgefahr etwa durch den Blutverlust oder Verlegung der Atemwege drastisch erhöht.

Bei Kindern bis fünf Jahren wurden um 87 Prozent weniger Mandeloperationen durchgeführt, bei den Sechs- bis 15-Jährigen fiel der Wert um 56 Prozent und bei Personen über einem Alter von 15 Jahren waren es um 37 Prozent weniger, erläuterte Wilhelm Streinzer, HNO-Facharzt und Bundesfachgruppenobmann der Österreichischen Ärztekammer. Bis 2002 verzeichnete man in Österreich im Vergleich eine hohe Operationsfrequenz und es gab sehr starke regionale Unterschiede, sowohl in den einzelnen Ländern als auch im Vergleich der Staaten.

Risiko ist bei Verkleinerung der Gaumenmandeln geringer

Die operative Teilentfernung der Gaumenmandel - im Fachjargon Tonsillotomie - wird vor allem bei Kindern zwischen dem zweiten und achten Lebensjahr durchgeführt. Die Nachblutungsrate ist bei der Verkleinerung der Gaumenmandeln deutlich geringer als bei der kompletten Ausschälung. Alternativ kann eine Tonsillektomie gemacht werden, bei der die Gaumenmandel - vor allem bei erheblicher Mandelvergrößerung - vollständig entfernt wird. Diese Erkrankung geht oft mit Atembehinderung oder -aussetzern und Schluckbeschwerden einher.

Von 2002 bis 2014 ist ein deutlicher Rückgang der Operationsfrequenzen zu beobachten. Vor allem die Tonsillektomie wird bei den Jüngsten weit seltener angewendet. Lag der Ausgangspunkt 2002 bei jeweils etwa 22.000 Eingriffen, beobachtete man bei der Tonsillektomie einen Rückgang von 62 Prozent über alle Altersgruppen.

Service

Von 14. bis 18. September 2016 findet im Congress Center Villach die 60. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie statt. Details finden Sie unter www.mondial-congress.com/de/hno2016.

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