Volkskrankheit: Tipps bei Vorhofflimmern

Taktstörung

Volkskrankheit: Tipps bei Vorhofflimmern

Unser Herz schlägt ­etwa 60 bis 100 Mal pro Minute und pumpt  mühelos tausende Liter Blut durch den Körper. Taktgeber ist der Sinusknoten, der als „körpereigener Herzschrittmacher“ elektrische Impulse abgibt und dafür sorgt, dass sich die Vorhöfe rhythmisch zusammenziehen und das Blut in die Herzkammern  und von dort in die Lunge beziehungsweise den Körper pumpen.  

Tipps bei Vorhofflimmern 1/2
Ruhe bewahren Wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Herz rast, Sie spüren Schwindel oder Übelkeit, dann versuchen Sie, Ruhe zu bewahren.
Setzen Sie sich hin, atmen Sie langsam ein und aus. Trinken Sie ein Glas ­Wasser.
Versuchen Sie die Luft anzuhalten. Dies hilft unter Umständen, die Symptome von Vorhofflimmern zu mindern.
Arzt aufsuchen Klingen die Beschwerden nicht nach wenigen Minuten ab oder kommen körperliche Beschwerden hinzu, sollten Sie ehestens den Arzt aufsuchen. Da Vorhof­flimmern nur bei Flimmer-Episoden am EKG erkennbar ist und nicht in der Zeit dazwischen, wenn der ­Sinusrhythmus wieder normal ist, sollte so rasch wie möglich (innerhalb von 24 Stunden) nach Auftreten der Beschwerden ein EKG gemacht werden.

Herzrhythmusstörung

Gelegentlich gerät das Herz etwas aus dem Takt. Rund zwei Prozent weltweit sind betroffen, vor allem Personen in höherem Lebensalter. Viele wissen es nicht einmal. Vorhofflimmern zählt zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen. Eine elektrische Störung der Vorhöfe des Herzens bewirkt, dass sich die Vorkammern nicht mehr richtig zusammenziehen und der Blutstrom verlangsamt wird. Dies führt einerseits zu einem erhöhten Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln, die ins Gehirn gelangen, dort ein ­Gefäß verstopfen und einen Schlaganfall auslösen können. Ebenso führt ein unregelmäßiger, meist zu schneller Puls zu ­einer unökonomischen Arbeitsweise des Herzens.  Die typischen Beschwerden – die jedoch auch völlig ausbleiben können – reichen von spürbaren, oft raschem Herzklopfen, Herzstolpern, allgemeinem Unwohlsein bis zur Schwächung des Herzmuskels und Herzinsuffizienz. Das Schlaganfallrisiko steigt bei Vorhofflimmern bis auf das Fünffache der Normalbevölkerung.

Die wichtigsten Fakten im Überblick 1/6
Definition Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung wobei das Herz durch eine unkoordinierte, häufig zu schnelle und unregelmäßige Aktivität der Vorhöfe aus dem Takt gerät.
Ursache Vorhofflimmern tritt meist als Folge anderer Grunderkrankungen – vor allem des Herzens – auf. Häufigste Auslöser sind Bluthochdruck, Erkrankungen der Herzkranzgefäße, Herzinfarkt, Herzmuskelschwäche, Verengung einer Herzklappe, Diabetes mellitus, Schilddrüsenüberfunktion oder übermäßiger Alkoholkonsum.
Formen Je nach Dauer und Verlauf unterscheidet man verschiedene Formen: Paroxysmales Vorhofflimmern: Die Flimmer-Episode tritt anfallsartig auf, dauert zwei Minuten bis höchstens sieben Tage und endet spontan. Persistierendes Vorhofflimmern: Hier hält das Flimmern länger als sieben Tage an, kann durch ärztliche Behandlung (Medikamente oder elektrische Kardioversion) beendet  und der normale Herzrhythmus wieder hergestellt werden. Permanentes Vorhofflimmern: Haben elektrische und mechanische Umbauvorgänge im Herzen die Vorhöfe stark verändert, können medizinische Maßnahmen das Vorhofflimmern nicht mehr beenden und es bleibt dauerhaft bestehen.
Symptome Vorhofflimmern macht sich häufig durch Herzklopfen, Herzstolpern oder -rasen sowie Atemnot, innere Unruhe und Angst bemerkbar. Schwindelanfälle, Ohnmacht sowie Brustschmerzen können ebenfalls auf Vorhofflimmern hindeuten. In einigen Fällen sind die Beschwerden dramatisch mit Einschränkungen der Lebensqualität, in anderen Fällen verlaufen Vorhofflimmer-Attacken symptomfrei und vom Patienten völlig unbemerkt. Auftreten oder Fehlen von Symptomen sagt jedoch nichts über die Schwere der Erkrankung aus, denn auch ohne Beeinträchtigung besteht das gleiche Risiko für Folgeerkrankungen.
Folgen Durch unregelmäßigen Herzschlag und dadurch verminderte Pumpleistung des Herzens wird der Blutfluss verlangsamt und die Bildung von Blutgerinnseln (Thromben) begünstigt. Gelangen diese in den Körperkreislauf können sie über die Hauptschlagader in das Gehirn gespült werden, dort zu einem Gefäßverschluss führen und einen Schlaganfall auslösen.
Diagnose Bei einer Flimmer-Episode ist die Erkrankung am EKG erkennbar. Da in der Zeit zwischen diesen Episoden, wenn sich der Sinusrhythmus wieder normalisiert, der EKG-Befund unauffällig ist, sollte nach Auftreten der Symptome rasch (nicht später als 24 Stunden) eine EKG-Aufzeichnung erfolgen. Eventuell sind Langzeit-EKG (Aufzeichnung über 24 Stunden) oder Aufzeichnung über mehrere Wochen mittels „Event-Recorder“ erforderlich. Röntgen des Brustkorbs, Herz­ultraschall, Herzkatheter-Untersuchung, Laborwerte dienen der Abklärung oder dem Ausschluss von Grunderkrankungen.

Richtig vorbeugen

Vorhofflimmern ist in der Regel nicht problematisch, es sind vielmehr die Folgen, wie Schlaganfall, die sogar lebensbedrohliche Ausmaße annehmen können. Wichtig ist daher, Symptome sofort abklären zu lassen. Mit der entsprechenden Therapie lässt sich das Schlaganfallrisiko verringern und auch oft das Herz wieder in den richtigen Takt bringen. Einer der Hauptrisikofaktoren für Vorhofflimmern ist Bluthochdruck. Regelmäßige Messung von Blutdruck und Blutzucker, aber auch ein gesunder Lebensstil mit viel körperlicher Aktivität leistet einen wertvollen Beitrag zur Vorbeugung der Flimmerattacken.

Behandlung 1/5
Medikamentöse Kardioversion Spezielle Medikamente (Antiarrhythmika) stellen den normalen Herzrhythmus wieder her. Um einen Rückfall zu vermeiden, werden Medikamente wie Betablocker oder spezifische Antiarrhythmika verordnet.
Frequenztherapie Nicht der Sinusrhythmus wird hergestellt, sondern die zu schnelle Herzfrequenz gesenkt, sodass sich der Patient nicht ­beeinträchtigt fühlt.
Elektrokardioversion Ein verabreichter Stromstoß führt zum Wechsel in den erwünschten ­Sinusrhythmus.
Gerinnungshemmer Die orale Antikogulation (Blutverdünnung) reduziert das Schlaganfallrisiko auch bei unbemerkten Flimmer-Episoden.
Ablationstherapie Mit speziellen Kathetern erfolgt durch Hitze, Kälte oder Laser-Licht eine Verödung bestimmter Bereiche im Vorhof, um elektrische Störimpulse zu blockieren.

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Herz © Getty Images

Vorhofflimmern aus Sicht der TCM 1/5
Ursache Aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin gibt es zwei Ursachen für Vorhofflimmern: entweder Herz-Yang Mangel oder Herz-Qi Mangel.
Symptome Die Symptome sind kalte Hände, Füße und Körper, Herzrasen, kurzes und oberflächliches Atmen, Erschöpfung, Vergesslichkeit. Bei Kälte können auch Herzschmerzen auftreten. Der Puls ist langsam und tief. Die Zunge ist rosa und leicht geschwollen mit weißem Belag.
Empfehlung Der Patient sollte sich nicht überanstrengen beim Sport und zum Beispiel auf schnelles Laufen, Schwimmen für eine längere Zeit oder anstrengende Fitnessprogramme verzichten. Geeignete Bewegungen sind Spazierengehen, Atemübungen wie QiGong, Tai Chi und lang­same Bewegungen.
Ernährung Der Patient sollte Kaffee, starken Tee, Alkohol und scharfe Gewürze vermeiden. Herzstärkende Lebensmittel sind Äpfel, Tomaten, Datteln, Nüsse, Maroni, Hühnerfleisch, Rindfleisch, Paprika, Azukibohnen, Lychee, Zimt, Wassermelonen, Papaya.
Geeignete Kräuter Gui Zhi, Rou Gui, Ren Shen, Wu Wei Zi, Shan Zha, Mu Li, Fu Ling, Chuan Xiong.

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