So wird Covid-19 behandelt

Verlauf & Therapien

So wird Covid-19 behandelt

Unsere Schleimhäute sind die erste Bastion gegen gefährliche Erreger und Eindringlinge wie die Coronaviren (in der Fachsprache wird das Virus bezeichnet als „SARS-CoV-2). „Können Viren“, so erklärt Immunologe Prim. Peter Peichl, „diese Schutzbarriere überwinden – z. B. weil man sich mit kontaminierten Händen ans Gesicht/in den Mund fasst – und sich an den Schleimzellen festsetzen, kommt es zu einer Ansteckung. Der Coronavirus ist ein RNA-Virus (Anm.: RNA steht für Ribonukleinsäure). Sein primärer Lebenszweck ist seine Fortpflanzung. Dafür benötigt er die lebendige Zelle. Dabei nutzt der Virus die Zellmaschinerie der befallenen Zelle aus und zwingt sie förmlich, neue Viruspartikel herzustellen. Beim Coronavirus geschieht diese Vervielfältigung vor allem im Rachenbereich – weitergehend bis in die Lunge, deren Oberfläche mit all ihren Lungenbläschen die Größe eines Tennisfeldes erreicht. Diese Ausbreitung belastet den Organismus und das Immunsystem, das versucht diesen Eindringling zu beseitigen, enorm.“

Milder Verlauf

Je gesünder der Organismus und je stärker sein Immunsystem ist, desto besser kann der Körper – ähnlich wie bei einer Grippe-Erkrankung – gegen die Erreger ankämpfen. Bei gesunden Menschen verläuft Covid-19 daher eher in einer milden Ausprägung. Laut Studien werden bei etwa 81 Prozent der Infizierten leichte Verläufe beobachtet. Die Infektion kann asymptomatisch verlaufen – sprich ohne erkennbare Symptome. Beziehungsweise treten Symptome auf, wie sie auch bei einem grippalen Infekt vorhanden sind.“ Zu diesen Symptomen zählen Fieber und Husten, aber auch Müdigkeit und Gelenkschmerzen können auftreten. Diese Ähnlichkeit erschwert eine Unterscheidung. Bei einem ersten Verdacht auf eine Coronavirus-Erkrankung rät der Immunologe die Hotline 1450 zu kontaktieren, um eine Übertragung eventuell an gefährdete Personen (Anm.: s. auch Risikogruppen) zu vermeiden). „Man bekommt via Hotline eine entsprechende Empfehlung – das geht bis hin zu Blutabnahme, die z. B. im Rahmen eines Hausbesuchs stattfinden kann“, so Prim. Peichl.

Wie sich Grippe und Erkältung von Cornavirus unterscheiden
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Symptombehandlung

Wie auch bei einem grippalen Infekt und einer Influenza erfolgt die Behandlung symptomatisch. „Der Erkrankte hat die Möglichkeit Symptome mit bekannten Arzneien zu lindern – also mit ‚klassischen‘ Grippemitteln, Hausmitteln und bei Bedarf fiebersenkenden Medikamenten. Zudem wird körperliche Schonung empfohlen“, so der Mediziner.

Schwerer und kritischer Verlauf

Wird das Immunsystem zu stark belastet – weil z. B. bereits eine Grunderkrankung, wie Diabetes Typ 2 oder eine Herzerkrankung vorliegt – kann dies zu Sekundärinfektionen führen. Als Sekundärinfektion bezeichnet man eine Infektion, die zusätzlich und mit einem anderen Erreger als dem der zunächst vorhandenen Infektion („Primärinfektion“) erfolgt. Wenn das Immunsystem sehr geschwächt ist, kann wie bei einer Influenza auch, eine gefährliche Lungenentzündung entstehen. Je stärker der Körper geschädigt ist, desto schwerer der Verlauf und desto höher das individuelle Risiko. In schweren Fällen kommt es schließlich zu einer lebensgefährdenden Organschädigung der Lungen oder auch Nieren. Prim. Peichl: „Schwere Fälle – also wenn das Krankheitsgefühl massiver wird und Atemnot und sehr hohes Fieber auftreten – gehören im Spital behandelt. Etwa fünf Prozent der Betroffenen benötigen intensivmedizinische Betreuung.“ Welche Möglichkeiten der modernen Medizin zur Verfügung stehen, verrät Intensivmediziner DDR. Oberkogler im Interview.

Fragen an Intensivmediziner DDr. Wolfgang Oberkogler
Ab welchem Zeitpunkt sollte ein Covid-19-Patient stationär aufgenommen werden?

DDr. Wolfgang Oberkogler: Sollten Symptome – wie hohes Fieber, Husten und Kurzatmigkeit – akut auftreten, ist der erste Schritt immer die Hotline 1450. Dort wird auch erklärt, wie man sich bis zum Eintreffen des medizinischen Personals zu verhalten hat. Vor Ort wird Ihnen dann ein Rachen- bzw. Nasenabstrich entnommen und ins Labor zur Analyse geschickt. Je nach Stärke der Ausprägung des Virus und natürlich des Allgemeinzustands des Patienten (Anm.: ältere, schwache Menschen Menschen mit einer Grunderkrankung) sind besonders häufig betroffen) wird dann ein Spitals­aufenthalt nahegelegt.

Wie läuft der Einlieferungsprozess ab? Was passiert im Krankenhaus?
DDR. Oberkogler:
Zuallererst kommt man direkt auf eine Isolierstation im Krankenhaus – also in Quarantäne –, um keine weiteren Menschen zu infizieren. Dort untersucht man zunächst die Suffizienz (Anm.: Funktionstüchtigkeit) der Atmung und, ob die Blutgase sich in einem ausgewogenen Verhältnis befinden. Falls dies nicht der Fall ist und eine Ateminsuffizienz (Anm.: Atemversagen) droht, dann wird dem Patienten durch eine künstliche Beatmung geholfen. So kann der Patient genügend Sauerstoff in sein Blut aufnehmen, man nennt das auch Oxygenation. Der Betroffene bleibt dann so lange an der Beatmungsmaschine, bis er wieder selbstständig atmen kann. Ob man fiebersenkende Maßnahmen ergreifen sollte, hängt stark vom individuellen Gesamtzustand ab und ob der Kreislauf beim Hochfiebern mitspielt. Ein gesunder, junger erwachsener Körper wird mit Fieber bis zu 40 Grad eher fertig als ein älterer, von Vorerkrankungen geprägter Mensch – hier ergreift man schon bei 39 Grad Celsius bestimmten fiebersenkenden Maßnahmen. Das alles passiert bereits auf der Intensivstation.Da es noch kein Heilmittel gegen das Coronavirus gibt, muss man momentan allein die Symptome bekämpfen.

Ab wann wird es besonders kritisch?
DDR. Oberkogler:
Auch das kann man pauschal nicht sagen. Das hängt davon ab, welche Vorerkrankungen der Patient hat, ob er multimorbid (Anm.: gleichzeitiges Bestehen mehrerer Krankheiten bei einem Patienten) ist, an Diabetes leidet, ob beim Patienten eine Herz-Kreislauf-Erkrankung vorliegt oder ob er auch nierenkrank ist. Und natürlich hängt es auch davon ab, womit der Körper selbst fertig werden kann.

Woran stirbt ein Covid-19-Betroffener letztendlich? Was ist letal?
DDR. Oberkogler:
Patienten sind meist an einem Multiorganversagen verstorben. Aber auch hier ist das Zusammenspiel mehrerer Faktoren – wie die eben genannten Vorerkrankungen und der Allgemeinzustand – ausschlaggebend. Meist waren die Todesopfer ziemlich kranke Menschen, die eine Infektion mit dem Virus bekommen haben. In weiterer Folge wurden auch weitere Organe betroffen und außer Gefecht gesetzt.

DDR. Wolfgang Oberkogler ist Anästhesist und Intensiv­mediziner an der Privatklinik Confraternität

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