Passgenau: Richtige Therapie für geeignete Patienten

Personalisierte Medizin

Passgenau: Richtige Therapie für geeignete Patienten

Die Zeit, in der Kranke nach den Durchschnittsergebnissen aus klinischen Studien mit Tausenden Patienten behandelt werden, dürfte zunehmend ad acta gelegt werden. Die "personalisierte Medizin" hilft, die richtige Therapie auf der Basis objektiver Laborbefunde des Einzelnen zum richtigen Zeitpunkt zu verabreichen.

Hier ein Überblick über die aktuelle Situation und die möglichen Konsequenzen dieses Denkansatzes, an dem international an Universitäten sowie in der Pharma- und Diagnostikindustrie intensiv gearbeitet wird:

Personalisierte Medizin - die Erfolge 1/6
Zulassung 2008 waren durch die US-Arzneimittelbehörde FDA fünf Arzneimittel für die personalisierte Therapie von Patienten zugelassen. Im Jahr 2010 waren es 36, im Jahr 2012 dann 81, im Jahr 2014 schließlich 106. 2016 kommt man auf 135.
Biomarker-Tests 2015 wurden von der FDA in den USA bereits 28 Prozent aller neu zugelassenen Arzneimittel nur in Verbindung mit entsprechenden Tests auf deren Wirksamkeit bei dem einzelnen Patienten registriert. Die Arzneimittelbehörden verlangen immer mehr das Vorhandensein solcher Biomarker-Tests für innovative Medikamente.30 Prozent aller derzeit in der Wirksamkeitsprüfung stehenden neuen Medikamente (späte Phase der klinischen Entwicklung - Studien auf Wirksamkeit) benötigen den Einsatz von Biomarkern, um die individuelle Eignung des Patienten für das Arzneimittel zu prüfen. Das gleiche trifft auf 50 Prozent der neuen Medikamente in früher klinischer Entwicklung (Phase I und Phase II - Studien auf Verträglichkeit und zur Dosisfindung) zu. Bei den noch nicht an Probanden getesteten potenziellen neuen Wirksubstanzen (Präklinik) liegt der Anteil der Biomarker-Tests bereits bei 60 Prozent.
Brustkrebs Bei Brustkrebspatientinnen könnte zu einem Drittel auf eine belastende Chemotherapie verzichtet werden, wenn sie bzw. ihre Erkrankungsform per molekularbiologischem Test untersucht würden. In 50 Prozent aller klinischen Studien werden jetzt schon von den Probanden DNA-Teile untersucht, um damit Biomarker identifizieren zu können.
Dickdarmkrebs Bei einer einzigen Erkrankung, dem metastasierten Dickdarmkrebs mit einer bestimmten Genmutation (KRAS-Mutation), könnten pro Jahr in den USA 600 Millionen Dollar (560 Millionen Euro) eingespart werden, wenn die Patienten vor der Therapie auf genetische Merkmale ihres Tumors untersucht würden.
Schlaganfall Allein in den USA ließen sich pro Jahr 17.000 Schlaganfälle durch die Anwendung von genetischen Tests zur genauen Bestimmung der notwendigen Dosis von Blutverdünnungsmitteln bei Herzpatienten etc. verhindern. Bei Herzpatienten reduziert sich die Häufigkeit von Spitalsaufnahmen bei jenen, welche Blutverdünnungsmittel einnehmen müssen, bei Verwendung solcher Untersuchungsmethoden um 30 Prozent.
Myeloische Leukämie Bei der myeloischen Leukämie hat allein schon das erste zielgerichtete Medikament (Imatinib/Glivec) vor Jahren die Fünf-Jahres-Überlebensraten verdoppelt. Durch personalisierte Medizin hat sich die Rate jener Dickdarmkrebspatienten, welche länger als fünf Jahre überleben, um 15 Prozent erhöht.

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