Lungenkrebs - Erfolge bei einzelnen Patientengruppen

Fortschritte in der Therapie

Lungenkrebs - Erfolge bei einzelnen Patientengruppen

Mit jährlich rund 4.500 Neudiagnosen und mehr als 3.800 Todesfällen ist und bleibt der Lungenkrebs die tödlichste Krebsform. Bei einzelnen Patientengruppen lässt sich mittlerweile durch die modernste Medizin eine lange Überlebenszeit erreichen, betonten Mittwochabend Wiener Experten vom Comprehensive Cancer Center (AKH/MedUni Wien) bei einem Hintergrundgespräch.

Welt-Lungenkrebs-Kongress in Wien

Insgesamt sieht die Situation weiterhin schlecht aus. Nur rund 20 Prozent der Lungenkarzinomerkrankungen werden derzeit in einem frühen, heilbaren Stadium diagnostiziert. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate spiegelt sich deshalb für alle Patienten mit solchen Erkrankungen - die Medizin unterscheidet immer mehr Untergruppen - ein einem ähnlichen Prozentsatz wider. Vom 4. bis 7. Dezember tagt in Wien der Welt-Lungenkrebs-Kongress mit rund 6.000 Teilnehmern.

Es gibt trotzdem deutliche Fortschritte, wie Walter Klepetko, Leiter der Klinischen Abteilung für Thoraxchirurgie von MedUni Wien und AKH, sagte: "Früher war die Chirurgie den Stadien I und II von Lungenkrebs vorbehalten. In den fortgeschritteneren Stadien III und IV gab es Strahlen- und Chemotherapie. Heute schaut der Therapieablauf jetzt ganz anders aus."

Zielgerichtete Therapie

In den Frühstadien wird bei Entfernung von betroffenen Lungenlappen möglichst wenig invasiv mit heilendem Anspruch operiert. Gleichzeitig haben sich Operationsmöglichkeiten auch in den späteren Stadien der Erkrankung aufgetan. Chemo- oder zielgerichtete medikamentöse Therapie vor oder nach der Operation, Strahlentherapie davor oder danach etc. sind die Optionen je nach dem Einzelfall. Auch wenn zum Beispiel bereits eine einzelne Metastase eines Lungenkarzinoms - zum Beispiel im Gehirn oder in der Nebennieren - vorliegt, kann noch eine heilende Therapie ins Auge gefasst werden: Beseitigung der Metastase zum Beispiel durch Strahlentherapie (Gamma Knife etc.) oder Chemotherapie und dann Operation bzw. in abgewandelten Formen. "Da haben wir Patienten, die fünf Jahre lang mit einer solchen Erkrankung überleben." Beim fortgeschrittenen mehrfach metastasierten Lungenkarzinom betrug die durchschnittliche Überlebenswahrscheinlichkeit zumeist höchstens ein Jahr.

Immer schwieriger wird es, die Klarsicht bei der sich explosionsartig veränderten Zahl der medikamentösen Therapien bei den verschiedenen Lungenkrebsformen zu bewahren. Hier haben - wie der CCC-Koordinator Christoph Zielinski erklärte - zwei Fakten die Entwicklung in den vergangenen Jahren charakterisiert: Insgesamt liegen bei maximal 25 Prozent der Patienten Tumoren vor, welche spezifische Merkmale aufweisen, die auch mit spezifisch wirksamen Medikamenten ("zielgerichtete Therapie") behandelt werden können. Der größte Anteil sind dabei die sogenannten Tyrosinkinase-Hemmer, die deutlich weniger Nebenwirkungen als die klassischen Chemotherapeutika haben und bei Personen, deren Tumoren eine Mutation im EGFR-Rezeptor aufweisen, zu 60 Prozent wirken und das Fortschreiten der Erkrankung gut ein Jahr hinausschieben. Dann treten aber Resistenzen auf.

Nun gibt es aber solche Medikamente der zweiten und der dritten Generation, die wiederum bei Resistenzen auf die Ersttherapien eingesetzt werden. Das verlängert die Zeit, in der eine Lungenkrebskrankheit unter Kontrolle gehalten werden kann.

Neue Immuntherapeutika

"Eine ganz andere Möglichkeit hat sich mit den neuen Immuntherapeutika aufgetan. Für Patienten, bei denen der Tumor eine hohe Zahl an PD-L1-Oberflächenstrukturen aufweist, ist das von großem Vorteil", sagte Zielinski. Aber auch Kranke mit weniger guten Voraussetzungen für eine solche Behandlung sprechen an. "Ich bin überzeugt, dass PD-L1 nicht der optimale Tumormarker (der für oder gegen den Einsatz dieser Therapeutika spricht; Anm.) ist". Mit Anti-PD-L1 Antikörpern wie Nivolumab etc., welche die Tumor-eigenen Bremsen (PD-L1, CTL-A4) für den Angriff der Immunzellen lösen und das Abwehrsystem der Betroffenen wieder "scharf machen", konnte bei Patienten mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom die Überlebenswahrscheinlichkeit nach einem Jahr von 24 auf 42 Prozent und nach zwei Jahren von acht auf 23 Prozent gehoben werden.

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