Arm und krank - mehr als ein Sprichwort

Österreich:

Arm und krank - mehr als ein Sprichwort

Arm und krank - das ist kein leeres Sprichwort. Dass sozial weniger gut gestellte Menschen einen schlechteren Gesundheitszustand aufweisen, geht auch aus österreichischen Daten hervor. Hinzu kommt, dass für sie Leistungen des Gesundheitswesens in manchen Fällen sprichwörtlich unerschwinglich sind.

Bericht der österreichischen Armutskonferenz

"Menschen in Haushalten unter der Armutsgrenze weisen einen dreimal schlechteren Gesundheitszustand auf als in Haushalten mit hohen Einkommen und sind doppelt so oft krank wie in solchen mit mittleren Einkommen. Die 385.000 Personen in Österreich, die als arm und mehrfach ausgegrenzt bezeichnet werden können, sind von einem sehr schlechten allgemeinen Gesundheitszustand, von chronischer Krankheit und starken Einschränkungen bei Alltagstagstätigkeiten betroffen - dreimal so stark wie der Rest der Bevölkerung", hieß es vergangenes Jahr in einem Bericht der österreichischen Armutskonferenz mit dem Titel "Lücken und Barrieren im österreichischen Gesundheitssystem aus Sicht von Armutsbetroffenen" mit Verweis auf Daten der Statistik Austria.

Weniger Einkommen macht auch weniger gesund

Je nach sozialer Situation der Betroffenen existente Unterschiede in den gesundheitlichen Belastungen, in den Bewältigungsressourcen und Erholungsmöglichkeiten, in der gesundheitlichen Versorgung und schließlich im Gesundheits- und Krankheitshandeln führen dazu, dass weniger Einkommen eben auch weniger gesund macht. Das eine bedingt das andere. "Stress durch finanziellen Druck und schlechte Wohnverhältnisse gehen Hand in Hand mit einem geschwächten Krisenmanagement und hängt unmittelbar mit mangelnder Inanspruchnahme von Gesundheitsdiensten und einem ungesunden Lebensstil zusammen", schrieben in dem Armutskonferenz-Report Florian Riffer und Martin Schenk.

Flüchtlinge noch nicht miteinberechnet

Die Autoren definierten - Monate vor Ausbruch der aktuellen Diskussion über die Mindestsicherung in Österreich - folgende Risikogruppen, in denen Flüchtlinge noch gar nicht enthalten waren: "Davon betroffen sind Menschen in prekärer Beschäftigung, Personen in schweren psychischen Krisen, Arbeitssuchende ohne Leistungsanspruch, vormals mit ihrem Ehemann mitversicherte Frauen nach der Scheidung, Hilfe Suchende, die ihren Mindestsicherungsanspruch aus Scham nicht einlösen."

Im Bericht wurden Details aus österreichischen Studien zum in der Alpenrepublik noch immer gegebenen eindeutigen Zusammenhang zwischen Gesundheit und Sozialstatus genannt: Vier Prozent der Mehrfach-Ausgrenzungsgefährdeten hatten innerhalb des vorangegangenen Jahres einen Fall im Haushalt, in dem eine zahnmedizinische oder sonstige medizinische Leistung aus Kostengründen nicht in Anspruch genommen wurde. Bei etwas weniger Gefährdeten waren es zwei Prozent. Einkommensschwächere Personen suchen nicht nur um 20 Prozent seltener Fachärzte auf als vergleichbare rezeptpflichtige (nicht von der Rezeptgebühr Befreite; Anm.) Menschen, sondern erhalten auch durchschnittlich billigere Medikamente. Drei Prozent der armutsgefährdeten Personen geben an, einen notwendigen Arztbesuch nicht in Anspruch genommen zu haben, gegenüber einem Prozent der Personen mit mittlerem Einkommen und niemand aus der Gruppe von Personen mit hohem Einkommen.

Heilbehelfe und Zahnersatz sind oft nicht leistbar

Für den Bericht der Armutskonferenz wurde auch ein Sample aus 22 Menschen detailliert befragt. 82 Prozent waren österreichische Staatsbürger, 18 Prozent Asylwerber. Es waren Langzeitarbeitslose, psychisch Kranke, Wohnungslose, Mindestpensionisten, Mindestsicherungsbezieher, Straßenzeitungsverkäufer und Asylwerber.

Was die Befragten angaben, spiegelt die Situation wider, die über diese Personengruppen hinaus auch noch viele andere Menschen in Österreich betrifft. "Durch Selbstbehalte oder fehlenden Kostenersatz seitens der Krankenkassen sind etwa Heilbehelfe, Brillen, Schuheinlagen oder Hörgeräte oft nicht finanzierbar. Selbiges gilt für Zahnersatz und andere notwendige Zahnbehandlungen", hieß es in dem Report.

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