Demenz: 130.000 Österreicher betroffen

Langsames Vergessen

Demenz: 130.000 Österreicher betroffen

Gedächtnisverlust, Unfähigkeit konzentriert zu denken und die richtigen Worte zu finden, sind meist die ­ersten Anzeichen einer Demenz. Hier die Fakten!

Vergessene Verabredungen, verlorene Schlüssel oder eine verlegte Brille – diese Situationen kennen wir alle und sie sind keinesfalls Grund zur Panik. Nehmen solche Vorfälle jedoch zu, besonders im fortgeschrittenen Alter, kann es sich bereits um erste Anzeichen einer Demenzerkrankung handeln. Demenz bleibt meist lange unbemerkt und schleicht sich langsam in den Alltag ein. In Österreich sind etwa 130.000 Personen betroffen. Mit steigender Lebenserwartung wird sich die Anzahl der Demenz-Patienten in den nächsten Jahren drastisch erhöhen. Was steckt hinter dieser Erkrankung, die mit zunehmender Vergesslichkeit beginnt und die Betroffenen im fortgeschrittenen Stadium meist in die Abhängigkeit von Angehörigen oder Pflegepersonal zwingt? 
 
Demenz-Test 1/3
Mini-Mental-Status-Test:
gibt Aufschluss über Merkfähigkeit, Orientierung, Konzentration und Sprachverständnis. Der Patient soll Fragen beantworten (nach Jahr oder Ort) und Aufgaben erfüllen (rechnen, buchstabieren).
 
 
Langsamer Verfall
Demenz hat viele Ursachen. Genau genommen handelt es sich um keine eigenständige Krankheit, sondern um ein Symptom einer Gruppe von Krankheitsbildern. Diese haben eines gemeinsam: den langsamen Verlust der geistigen Fähigkeiten. Häufigste und bekannteste Form der Demenz ist die Alzheimer-Demenz. Sie beginnt schleichend und führt allmählich zum geistigen Verfall. Durch krankhafte Eiweiße kommt es zu Ablagerungen im Gehirn und zu Störungen dieser Regionen. Eine weitere häufige Ursache ist die vaskuläre Demenz aufgrund von Durchblutungsstörungen im Gehirn.
 
INFO
Verlauf:
Je nach Ursache der Demenz verläuft die Erkrankung unterschiedlich:
 
Die Alzheimer-Demenz ist gekennzeichnet durch einen schleichenden Beginn und ein allmähliches Fortschreiten der Symptome.
 
Eine vaskuläre Demenz (gefäßbedingte Demenz) hingegen zeigt meist einen plötzlichen 
Beginn.  
 
Demenzstadien:
Demenzstadien werden häufig in drei Schwere­grade eingeteilt:
 
Leichte Demenz: Hier stehen Gedächtnis- und Orientierungsstörungen im Vordergrund. Es zeigen sich auch Depression, Antriebslosigkeit oder Stimmungsschwankungen. Komplexe Aufgaben können nicht mehr ausgeführt werden. 
 
Mittlere Demenz: Die Symptome nehmen nach und nach zu. Die selbstständige Lebensführung der Betroffenen wird schwierig und sie sind auf fremde Hilfe angewiesen.
 
Späte Demenz: Gedankengänge können nicht mehr nachvollziehbar kommuniziert werden. Unruhe, psychotische Störungen, aggressives Verhalten sind die häufigsten Anzeichen. Dauerhafte Betreuung und Beaufsichtigung sind notwendig.
 
Demenzrisiko senken
Demenz ist nicht heilbar und das Risiko einer Erkrankung erhöht sich mit zunehmendem Alter. Beugen Sie daher rechtzeitig vor. Studien belegen, dass bei Menschen mit einem gesunden Lebensstil, die sich regelmäßig bewegen, ein aktives geistiges und soziales Leben führen, eine Demenz seltener auftritt. Achten Sie daher in jedem Alter auf regelmäßiges Training von Körper und Geist.
 
Die wichtigsten Fakten im Überblick

Störung im Gehirn. Hier finden Sie die ­wichtigsten Informationen über Entstehung, Symptome und Behandlung von Demenz. 

Definition 
Bei Demenz handelt es sich genau genommen um keine eigenständige Krankheit, sondern um das Symptom einer Gruppe von Krankheitsbildern, bei denen es langsam zum Verlust der geistigen Fähigkeiten kommt. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an einer Demenz zu erkranken. Rund acht Prozent aller Menschen über 65 Jahren sind betroffen, bei den über 90-Jährigen sogar 40 Prozent. In Österreich liegt die Zahl der Erkrankten bei etwa 130.000 und wird laut Prognose der Experten auf 240.000 ansteigen, da der Anteil alter Menschen zunimmt. Frauen sind häufiger von der Erkrankung betroffen, was vor allem daran liegt, dass sie im Durchschnitt älter werden als Männer. 
 
Symptome 
Nach und nach gehen wichtige Funktionen des Gehirns verloren – etwa das Gedächtnis, die Fähigkeit zum Denken, Handlungen zu planen oder zu sprechen. Veränderungen in Verhalten oder der Persönlichkeit können ebenfalls auftreten. Eine Demenz wird oft erst spät bemerkt, eine Früherkennung ist jedoch für eine entsprechende Behandlung von Bedeutung. Warnzeichen einer beginnenden Demenz sind vor allem Vergesslichkeit, Konzentrationsstörungen, Schwierigkeiten bei der zeitlichen und örtlichen Orientierung sowie Probleme beim Fällen von Entscheidungen. In der Anfangsphase zeigen sich auch oft Symp­tome einer Depression. Im späteren Stadium kommen noch Halluzinationen, die Unfähigkeit den Alltag alleine zu bewältigen oder aggressive, depressive sowie sprunghafte Verhaltensweisen hinzu.
 
Diagnose 
Die richtigen Experten zur Erstellung einer entsprechenden Diagnose sind Neurologen, Psychiater oder Geriater (Spezialisten für Altersheilkunde). Neben ausführlichen Gesprächen mit dem Betroffenen, Abklärung von Vor- und Begleiterkrankungen sowie körperlicher Untersuchung können Computer-Tomografie (CT) oder Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) des Gehirns zur Diagnose herangezogen werden. Zur Früherkennung stehen den Ärzten spezielle neurobiologische Tests zur Verfügung (siehe Kasten rechts).  

Behandlung 
Demenzerkrankungen sind nicht heilbar, der Abbau der Hirnleistung lässt sich jedoch aufhalten. Ziel der Therapie ist, dass der Betroffene seinen Alltag so lange wie möglich selbstständig bewältigen kann. 
Medikamentöse Therapien können einerseits den Krankheitsverlauf stabilisieren und ein Fortschreiten verzögern, andererseits ist es möglich, Begleitsymptome einer Demenz wie Schlafstörungen oder Depressionen, zu behandeln. 
Nicht-medikamentöse Therapien (wie Gedächtnistraining, Kunst- und Musiktherapie, PET-Therapie, Krankengymnastik oder Ergotherapie) zielen darauf ab, die geistigen sowie körperlichen Fähigkeiten zu erhalten und zu aktivieren, einen sozialen Rückzug zu vermeiden, Orientierung, Sicherheit und positive Gefühle zu vermitteln sowie die Persönlichkeit der Betroffenen zu fördern.