04. April 2019 13:03
Das sagen Ärzte über die Homöopathie
Verwender haben ihre ganz eigene Meinung zur Homöopathie. Viele schwören auf die Kraft der homöopathischen Medizin. Doch was sagen Ärzte zu dieser Therapiemethode? Wir haben sie gefragt.
Das sagen Ärzte über die Homöopathie
© sales / Kornfeld

In Österreich ist die Homöopathie Ärzten vorbehalten. Das bedeutet, dass die homöopathische Therapie nur von ausgebildeten Medizinern angewendet werden darf. Um die Homöopathie anzubieten, müssen sich Ärzte also einer intensiven Zusatzausbildung unterziehen. So ist in Österreich gewährleistet, dass jeder, der homöopathische Hilfe in Anspruch nimmt, sicher sein kann, dass seine Beschwerden ganzheitlich betrachtet werden und neben der homöopathischen Unterstützung eine konventionelle Therapie eingeleitet wird, wenn diese bei bestimmten Erkrankungen oder Symptomen notwendig ist.

Doch warum möchten Ärzte überhaupt mit der Homöopathie arbeiten? Und welche Erfahrungen haben sie mit dieser Therapiemethode gemacht? Wir haben uns umgehört.

"Wenn es notwendig ist, psychiatrische Medikamenten zu verschreiben, arbeite ich häufig unterstützend mit homöopathischen Arzneien, um die verbleibenden Symptome in den Griff zu kriegen und etwaige Nebenwirkungen zu behandeln. Und auch, wenn keine passenden Psychopharmaka für die Symptome eines Patienten zur Verfügung stehen, können Homöopathika eine wertvolle Rolle in der Psychiatrie spielen: Eine Patientin etwa, die von starker Nervosität betroffen war und bei der kein herkömmliches Medikament geholfen hat, schilderte mir, dass sie nach der Gabe der passenden Globuli in der U-Bahn eingeschlafen ist! Das sind immer wieder spannende Momente und auch jene, warum ich immer sage: Ich habe den schönsten Beruf, den es gibt!"

Dr. Christine Allen
Fachärztin für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin mit ÖAK-Diplom in Homöopathie, Ernährungsmedizin, Geriatrie und Palliativmedizin

"Wir sind primär Ärzte, die kranke Menschen behandeln. In unserem Werkzeugkasten haben wir aber zusätzlich unsere homöopathischen Arzneien. Wir müssen als Ärzte die Art und Schwere der Erkrankung, ihren Verlauf und die zu erwartenden Komplikationen einschätzen, um zu entscheiden, ob wir den Patienten ausschließlich homöopathisch behandeln können oder ob wir die homöopathische Arznei komplementär zu einer konventionell medikamentösen Behandlung einsetzen. Die Begegnung mit den Patienten in der Homöopathie ist eine sehr intensive, schöne und achtsame. Und diese Begegnungen sind mir wertvoll. Ich gehe in der Regel also zwar schon müde, aber auch innerlich berührt und beflügelt aus meiner Praxis."

Dr. Volker Neubauer
Arzt für Allgemeinmedizin und Homöopathie im siebten Bezirk in Wien und seit Herbst 2018 Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Homöopathische Medizin

"Besonders beeindruckend an der Homöopathie ist aus meiner Sicht, dass homöopathische Mittel auch nach vielen Jahren erfolgloser Behandlung mittels anderer Methoden rasch und anhaltend zum Erfolg führen können, wie das Beispiel einer Patientin zeigt, die seit vielen Jahren mit einer Pollenallergie kämpft. Auch eine durchgeführte Desensibilisierung brachte keine nachhaltige Besserung. Der Anlass für den Besuch bei mir waren allerdings schmerzhafte, wiederkehrende Herpesschübe am Rücken und Gesäß. ,Wegen der Allergie brauchen Sie sich aber nicht bemühen, das hat noch keiner geschafft’, meinte sie dazu. Doch die genaue Anamnese der Allergie- und Herpessymptome in Kombination mit den emotionalen Besonderheiten, welche die Patientin dabei zeigte, deuteten auf ein bestimmtes homöopathisches Arzneimittel hin. Die Gabe dieser Arznei in einer hohen Potenz hat sowohl die Ausbrüche der Hautausschläge im Laufe von mehreren Monaten völlig verschwinden lassen, als auch die Allergiebeschwerden so gut abgedeckt, dass die Patientin ohne schulmedizinische Behandlung durch die belastende Allergiesaison gekommen ist. Durch die Fortsetzung der Behandlung konnte auch im darauffolgenden Jahr völlige Beschwerdefreiheit hinsichtlich des Hautproblems und der Allergie erreicht werden."

Dr. Ilse Fleck-Václavik
Ärztin für Allgemeinmedizin und Homöopathie in Perchtoldsdorf

"Für mich war beispielsweise der Fall einer chronischen Schmerzpatientin eine eindrucksvolle Erfahrung in meiner Arbeit mit der Homöopathie. Eine Frau, die seit 15 Jahren an schweren Kreuzschmerzen litt. Trotz aller bisherigen Therapieversuche wurden die Beschwerden nicht besser und somit war die Verzweiflung der Patientin aufgrund der dauerhaften Schmerzbelastung bereits sehr groß. Nach einer genauen Anamnese ihrer Symtomgeschichte waren die geschilderten Leitsymptome ausschlaggebend für mich, die Frau mit einem bestimmten Homöopathikum in der Potenz C30 zu behandeln. Sie nahm das Mittel einmal täglich ein und schon nach drei Wochen waren die chronischen Schmerzen fast verschwunden. Beispiele wie dieses zeigen aus meiner Sicht sehr gut, welche Behandlungserfolge mit der homöopathischen Medizin möglich sind."

Dr. Erfried Pichler
Arzt für Allgemeinmedizin und Homöopathie, ehemaliger Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Homöopathische Medizin

"Die Behandlung von Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch ist ein perfektes Beispiel für das Zusammenspiel von konventioneller Medizin und der klassischen Homöopathie. Ich möchte nicht Homöopathin sein, ohne dabei Gynäkologin zu sein und ich will auf keinen Fall Gynäkologin sein, ohne homöopathisch zu arbeiten. Da ich möglichst nebenwirkungsfrei und effizient helfen will, brauche ich einfach eine große Bandbreite an Wissen aus konventioneller Medizin und Homöopathie."

Dr. Micha Bitschnau
Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe und Homöopathin in Wien, sie hat ihre Homöopathie-Ausbildung an der Royal Faculty of Homeopathy in London absolviert

Dieser Text wurden freundlicherweise zu Verfügung gestellt vom Homöopathie-Experten Dr. Peithner KG.