Leben mit Dauer-Jetlag

Nachteulen vs. Lerchen

Leben mit Dauer-Jetlag

Die Debatte um die Zeitumstellung und ihre Abschaffung geht in die nächste Runde. Währenddessen kennen „Nachteulen“ die Probleme um die innere Uhr schon lange.

Der erste Augenaufschlag ist für Sie stets ein mühsamer? Das Weckerläuten ist der Ton, aus dem Ihre Albträume gemacht sind? Sie sind nicht alleine in Ihrer Misere: Für viele Österreicher und Österreicherinnen ist der morgendliche Start aus dem Bett eine Qual. Dennoch gibt es sie, die Glücklichen, die am Morgen vor Lebensfreude sprühen und für die der Tag gar nicht früh genug beginnen kann. Was ist der Unterschied zwischen diesen Glückskindern und Ihnen? Warum können manche schwungvoll in den  Tag starten und für Sie ist die Frühstückszubereitung bereits eine Herkules-Aufgabe? Es könnte daran liegen, dass Sie gegen Ihre innere Uhr leben.

Von Eulen und Lerchen
In Sachen Tageszeit-Präferenz existieren zwei klare Lager: die Frühaufsteher und die Nachteulen. Ganz nach dem altbekannten Motto „der frühe Vogel ...“ genießen die „Lerchen“ dieser Welt die frühen Morgenstunden und sind in dieser Zeit besonders vital und produktiv. Die Nachteulen hingegen fangen sich ihre Würmer zu später Stunde: Sie brauchen lange, um in der ersten Tageshälfte in die Gänge zu kommen und werden erst gegen Abend so richtig aktiv. Frühaufsteher genießen einen entscheidenden Vorteil, denn Ihr Rhythmus entspricht dem des in Österreich üblichen Standards: Arbeiten von 8:00 bis 16:00 Uhr oder von 09:00 bis 17:00 Uhr. Die Nachteulen sind in diesem üblichen Konstrukt deutlich benachteiligt. Ihre Vormittage sind oft von Müdigkeit und dem Gefühl, dem Tag „hinterherzulaufen“, geprägt. Was oft als selbst herbeigeführtes Schlafdefizit und Faulheit gesehen wird, suchen sich viele Menschen jedoch nicht selbst aus: Sie könnten nicht früher zu Bett gehen, selbst wenn Sie wollten und sämtliche Versuche, zum vormittagsproduktiven Menschen zu werden, scheiterten kläglich. Dazu kommt oft, dass Betroffene am Abend nachholen müssen, was sie ob der Anlaufschwierigkeiten früher am Tag nicht geschafft haben. Es zeigt sich deutlich: Für Nachteulen ist ein klassischer „9 to 5“-Job und entsprechender Alltag ein stetiger Kampf  gegen die eigene innere Uhr. Es ist nur logisch, dass Betroffene unter erhöhter Belastung stehen und sich psychische und körperliche Folgen einstellen können. Sie leiden unter einer Art dauerhaften Jetlags – jenem Phänomen, das sonst nur auftritt, wenn mehrere Zeitzonen überbrückt werden und dadurch eine Störung des Schlaf-wach-Rhythmus entsteht.

Alltag ohne Rhythmus
Betroffene sind auch jene Menschen, die sich ihrer Rolle im Tierreich prinzipiell sicher wären, aber sich ihr Eulen- oder Lerchen-Dasein nicht aussuchen können: Rund 600.000 Österreicher und Österreicherinnen arbeiten im Schicht-, Wechsel- oder Nachtdienst. Während diese Strategie zwar besonders hohe Effizienz bedeutet und in manchen Betrieben (z. B. in Krankenhäusern) eine Notwendigkeit ist, fordert sie ihren Tribut: Dauerhaft Betroffene – egal, ob Ärzte, Nachtwächter,  Polizisten oder Fabriksarbeiter – stehen unter großer Belastung. Wechseln Arbeits- und Schlafenszeit immer wieder, so hat der Körper nie die Möglichkeit, sich anzupassen und in eine Routine zu kommen.  Schlafstörungen, Konzentrationsschwächen, Stoffwechselprobleme und gar Depression werden dadurch begünstigt. Auch zahlreiche Überstunden können einen ähnlichen Effekt haben und den intrinsischen Rhythmus durcheinanderbringen. Denn bereits kleine Umstellungen – wie jene, die zweimal jährlich im Rahmen der Zeitumstellung vorkommen, – können sich negativ auf unseren Organismus auswirken.

Zeitumstellung in der Kritik

Vor diesem Gesundheitsaspekt wird aktuell eine Abschaffung der Zeitumstellung in der EU diskutiert. Viele Menschen und zahlreiche Experten beklagen die negativen Auswirkungen auf die Gesundheit. Vor allem die Umstellung auf „Sommerzeit“ soll vielen Menschen über Wochen und Monate hinweg Probleme bereiten: Bleibt es länger hell, hindert uns dies mitunter am zeitgerechten Müdewerden und verursacht wieder Dysbalance: Der Einklang zwischen gefühlter und realer Zeitmessung verschiebt sich und der Körper kommt aus dem Gleichgewicht.

Raus aus dem Jetlag

All diese Faktoren – erzwungenes Frühaufstehen, Schichtarbeit, Zeitumstellung – führen dazu, dass unser Organismus unter dem Jetlag-Effekt leidet. Logischerweise können nicht alle Betroffenen schlagartig etwas an ihrem Tagesablauf ändern (Es sei denn, Ihr Arbeitgeber erlaubt sehr flexible Dienstzeiten.). Deshalb lautet die Devise für die wohl meisten: Eindämmen! Viele kleine Maßnahmen können Ihnen dabei helfen, in besserem Einklang mit Ihrer inneren Uhr und wieder vitaler zu leben  (siehe unten).

❯❯ Die häufigsten Jetlag-Symptome:
✏ Müdigkeit
Wer einen unvorteilhaften Schlaf-/Wach-Rhythmus pflegt, wird von Müdigkeit bestraft. Wird diese zum Dauerzustand, kann die psychische Belastung schwer sein.

✏ Schlafstörungen
Erholsamer Schlaf ist Grundvoraussetzung für ein vitales Körpergefühl. Jetlag bewirkt jedoch Schlafstörungen, die wiederum zu „lähmender“ Müdigkeit führen können.

✏ Verdauungsprobleme
Auch unser Stoffwechsel braucht klare Tagesstrukturen. Bleiben sie aus, kann es zu Verdauungsproblemen und Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts kommen.

✏ Kopfschmerzen
Kopfschmerzen und Migräne gehören zu den häufigsten Symptomen und können stark einschränken.

✏ Schlechte konzentration
Unter dem „Jetlag“-Einfluss kann unser Gehirn nicht dieselbe Leistung erbringen wie sonst. Konzentrationsprobleme stellen sich ein.

✏ Reizbarkeit
Das Gemüt leidet unter einem ungesunden Schlaf-/Wach-Rhythmus und neigt zu Unruhe, Nervosität, Reizbarkeit und Ungeduld.

So stellen Sie Ihre innere Uhr 1/4
Zwar können wir äußerliche Faktoren wie Schicht-/Nachtarbeit und Zeitumstellung nicht umgehen. Dennoch können wir dazu beitragen, dass unser Körper in einen gesunden Rhythmus findet.

Gleiche Schlafenszeit
 

Streben Sie eine einheitliche Schlafenszeit an – auch am Wochenende. Variierende Schlaf-wach-Zeiten stören Ihre innere Uhr und verursachen Schlafstörungen, Müdigkeit und mehr.