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Was spricht dafür und was dagegen?

Kaiserschnitt: Soll ich oder nicht?

Immer mehr Frauen verlangen nach einer Geburt nach Plan. Auch wenn einer natürlichen Geburt nichts im Wege steht, entscheiden sie sich für den Kaiserschnitt.

Innerhalb des letzten Jahrzehnts ist die Kaiserschnittrate in Österreich von knapp zehn Prozent auf rund 29 Prozent – in manchen Krankenhäusern auf bis zu 40 Prozent – angestiegen und liegt somit über dem EU-Durchschnitt. Nicht erfasst ist, wie viele dieser Eingriffe einer medizinischen Indikation folgten und wie viele auf Wunsch der Mutter durchgeführt wurden. Der Expertise von Kinderwunschexperten Dr. Armin Breinl zufolge könne aber davon ausgegangen werden, dass viele dieser Kaiserschnitte geplant waren. „In höchstens zehn bis 15 Prozent der Fälle, ist eine Schnittgeburt medizinisch notwendig“, so schätzt der Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Dass sich bei dieser Form der Entbindung ein Trend abzeichnet, ist für Dr. Breinl nicht weiter verwunderlich: „Die Möglichkeiten der Anästhesie und der Operationstechnik haben sich die letzten Jahre über derart positiv entwickelt, dass ein Kaiserschnitt, eine Sectio, glücklicherweise kein erhöhtes Risiko im Vergleich zu einer Spontan-Entbindung mehr darstellt.“ Dennoch polarisiert das Thema Wunschkaiserschnitt wie kaum ein anderes. Was nun tatsächlich für und was gegen einen geplanten Kaiserschnitt spricht, das verrät der Experte bei uns.

Kaiserschnitt - die Fakten
Voruntersuchung

Vor dem Eingriff wird die Mutter untersucht und die Herzschläge des Ungeborenen werden gemessen. Bleiben die Untersuchungen ohne Befund, geht es für die werdende Mutter weiter in den Operationssaal.

Anästhesie


Anschließend beginnt der Anästhesist schmerzhemmende Maßnahmen zu setzen. Die gängigste ist der Kreuzstich. Hierzu wird die Einstichstelle im Bereich der Lendenwirbelsäule mit ­einem Lokalanästhetikum behandelt, ehe der Arzt ein Medikament, das den Bauchbereich gefühllos macht, zwischen zwei Wirbel spritzt. Eine andere, wesentlich seltenere Methode ist die Vollnarkose.

Operationstechnik

Nach Pfannenstiel: Bei der klassischen Operation erfolgt der Hautschnitt (ca. 10–12 cm) quer zum Körper, ungefähr zwei bis drei Finger breit oberhalb der Schambeinäste. Fettgewebe und Faszien werden durchtrennt, die freiliegenden Bauchmuskeln zur Seite gedrängt, das drunter liegende Bauchfell durchtrennt und anschließend die Gebärmutter eröffnet. Kind und Plazenta werden geboren. Anschließend wird schichtweise vernäht. Dauer ca. 45 Minuten.
Nach Misgav-Ladach: Im Vergleich zur herkömmlichen OP-Technik wird auf die scharfe Durchtrennung der Bauchschichten verzichtet – Gefäße und Nerven geschont. Der Hautschnitt wird etwas höher gesetzt, Fettgewebe und Faszien nur wenige Zentimeter durchschnitten. Anschließend wird die Öffnung unter Zug – die Bauchmuskeln werden zur Seite gezogen – vergrößert. Bauchfell und Gebärmutter werden eröffnet, das Kind und die Plazenta geboren. Vernäht werden nur Muskelhüllen und Haut.
Vertikaler Schnitt: (zwischen Nabel und Schambein). Diese Technik wird vor allem bei sehr korpulenten Frauen und im Zuge eines Not-Kaiserschnitts angewendet.

Nachsorge

Nicht übernehmen! Faustregel: nicht schwerer als das Neugeborene heben. Wenige Stunden nach dem Eingriff dürfen Sie erstmals aufstehen. Der Krankenhausaufenthalt dauert in etwa drei bis fünf Tage.


Kontroverse Diskussionen

„Selbst ernannte Experten und Expertinnen aus den verschiedensten Berufsgruppen schaffen durch unsachliche Aussagen vermehrt Unsicherheit bei werdenden Müttern“, so Dr. Breinl. Aber auch von Fachleuten wird die stetig wachsende Zahl an Wunschkaiserschnitten kritisch betrachtet. „Besteht kein Grund für eine Sectio – verläuft in der Schwangerschaft alles ohne Komplikationen und spricht nichts gegen eine Spontan-Entbindung – setzt sich die Mutter den Risiken eines operativen Eingriffs aus“, so Dr. Breinl, der seinen Patientinnen – wenn möglich und völlig wertfrei – zu einer Spontan­geburt rät.

© g&f

Kaiserschnitt

Die Risiken auf einen Blick
Auch wenn die Risiken heutzutage vergleichbar gering sind, ist zu ­bedenken, dass es sich auch bei ­einem Kaiserschnitt um einen operativen Eingriff handelt, der unweigerlich gewisse Risiken mit sich bringt:
  • erhöhtes Infektionsrisiko
  • Gewebsverletzungen
  • Wundheilungsstörungen
  • Komplikationen durch Narkose
  • erhöhtes Thromboserisiko
  • Blutverlust


Gründe für hohe Kaiserschnittrate

„Als seit Jahrzehnten tätiger Geburtshelfer habe ich die Entwicklung der Opera­tionstechniken selbst miterlebt. Zu Beginn meiner Ausbildung war die Vorgabe, möglichst jedes Kind, auch bei Lageanomalien, großen Babys und schlechten Herztönen, auf natürlichen Weg auf die Welt zu bringen. Ein Kaiserschnitt wurde somit nur im äußersten Notfall durchgeführt – was zur Folge hatte, dass Kinder häufig intensivmedizinisch betreut werden mussten. Heute ist der verantwortungsvolle Geburtshelfer bestrebt, bei ­einem erhöhten Geburtsrisiko für Mutter oder Kind lieber frühzeitig eine Schnittentbindung durchzuführen, um weder die Gesundheit der Mutter noch die des Kindes aufs Spiel zu setzen.“ Einige weitere wichtige Gründe für die hohe Kaiserschnittrate sollten auch nicht unerwähnt bleiben: Frauen entschließen sich heutzutage immer später zur Familienplanung – sie sind häufig voroperiert und haben Kinderwunschbehandlungen hinter sich, andere haben Angst vor Beckenbodenveränderungen und lehnen von Beginn der Schwangerschaft an eine Spontangeburt vehement ab. „Auch diesem Wunsch ist nach ausführlicher Beratung selbstverständlich Rechnung zu tragen.“

Erlebnis Spontangeburt

Es kann auch sein, dass eine geplante Spontangeburt aus medizinischen Gründen abgebrochen und eine Schnittentbindung durchgeführt werden muss. „Viele – die Mehrheit – der Frauen setzen nach wie vor auf eine natürliche Entbindung und freuen sich auf die Geburt. Ist diese dann nicht möglich, haben sie oft das Gefühl, versagt zu haben. In diesen Fällen ist es wichtig, die Geburt mit der frischgebackenen Mutter nachzubesprechen und wenn nötig Hilfe anzubieten. In speziellen Gruppenkursen können die Erlebnisse gemeinsam mit anderen aufgearbeitet werden“, zeigt sich Dr. Breinl einfühlsam.   
„Ganz egal, für welchen Weg der Geburt sich die werdende Mutter entscheidet – wichtig ist es, sie in ihren Wünschen zu unterstützen und entsprechend zu beraten. In jedem Fall ist die Geburt ein nicht vergleichbares Erlebnis und kann für die Mutter nur als großer Sieg gefeiert werden. Hält die Mutter erstmals ihr gesundes Neugeborenes im Arm, wird der gewählte Geburtsmodus ohnehin zweitrangig.“

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