Fit für die Schule

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Fit für die Schule

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Es geht zurück auf die Schulbank. Um lernen zu können, müssen Schulkinder aber gesund und fit sein. Wie Sie das physische und psychische Wohlbefinden Ihres Kindes fördern. 

Für viele Kinder beginnen mit Anfang September ein neuer Lebensabschnitt und der "Ernst des Lebens". Von Schulkindern wird meist viel erwartet, doch die Voraussetzung für ihren Bildungserfolg ist ihre physische und psychische Gesundheit. Eine Psychologin und ein Orthopäde verraten, wie Sie das Wohlbefinden Ihres Kindes fördern können.

Psychische Gesundheit

"Besonders nach den vergangenen zwei Jahren mit vielen Schulunterbrechungen sollten Eltern ihre Kinder - je nach Alter - gut auf die Schule vorbereiten und Ihnen damit Sicherheit vermitteln", betont Mag. Dr. Caroline Culen, klinische Psychologin und Geschäftsführerin der Österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit (www.kinderjugendgesundheit.at). Dazu gehört gemeinsames Planen, Organisieren und Aufräumen. Außerdem ist es laut der Psychologin hilfreich, wenn die Eltern mit den Kindern bereden, worauf sie sich freuen, ob es etwas gibt, das ihnen Sorgen bereitet - etwa ein Schulwechsel, ein Neueinstieg, eine nicht stabile Freundesgruppe oder fachliche Herausforderungen. "Sind die Kinder im Teenageralter, sollten die Eltern regelmäßig das Gespräch mit ihnen suchen und sie spüren lassen, dass sie sich wirklich für sie interessieren", so Dr. Culen. Dabei könne man mit den jugendlichen Kindern überlegen, wie sie nach den Ferien wieder eine gute Tagesstruktur und Schulroutine herstellen können oder welche Aktivitäten ihnen neben der Schule wichtig sind. Auch Mütter und Väter dürfen dabei aussprechen, was sie sich von dem Schuljahr und/oder von ihren Kindern erwarten. "Frühstücksvereinbarungen, Hausaufgabenroutinen, Vorbereitungen für Prüfungen sowie Freizeitgestaltung betrifft auch das Leben der Eltern und unterschiedliche Vorstellungen können immer wieder zu Konflikten führen", erklärt die Psychologin. Daher ist es ratsam, wenn die ganze Familie gemeinsam überlegt, was in der Vergangenheit gut geklappt hat und wo es Stresssituationen oder Streitereien gab. Auch neue Routinen können gemeinsam ausprobiert werden, um den Alltag entspannter zu gestalten. Die Psychologin verrät auch, wie Eltern erkennen, ob ihr Kind etwa psychisch gefährdet ist. Als Warnsignale gelten "das nicht Einhalten des Tag-Nacht-Rhythmus, das Fehlen an Tagesstruktur, ein sozialer Rückzug, das Zunehmen der Zeit am Bildschirm, sozialer Druck bzw. Leistungsdruck wie z. B. Vergleichen, Mithalten, Kopf-oder Bauchschmerzen oder Schlafprobleme. Dr. Culen empfiehlt bei Auffälligkeiten und Schwierigkeiten frühzeitig Kontakt mit der Schule aufzunehmen, bzw. idealerweise von Anfang an in gutem Kontakt mit der Schule zu bleiben. Außerdem sollten sich Eltern nicht davor scheuen, sich aktiv Unterstützung zu holen, wie z. B. nach der/dem Schulpsychologin/Schulpsychologen zu fragen. "Denn Kinder und Jugendliche brauchen neben den Eltern ein tragfähiges Netz an Menschen, die sie unterstützen und begleiten", so die Psychologin.

Den Bewegungsapparat fördern

Auch die Erhaltung des Bewegungsapparates spielt eine fundamentale Rolle für die Gesundheit. Wie Orthopäde OA Priv. Doz. DDr. Leo Pauzenberger, MBA, FFSEM verrät, zeigen sich bei Schulkindern bereits eingeschränkte Körperwahrnehmung und Beweglichkeit, denn: "Kinder sitzen pro Tag im Durchschnitt 8,5 Stunden im Zusammenhang mit der Schule", so der Arzt. Freizeitbeschäftigungen wie etwa Computerspielen, Fernsehen oder die Handynutzung seien dabei noch gar nicht eingerechnet. Daraus resultieren immer häufiger Probleme des Bewegungsapparates, die man bisher nur von Erwachsenen gekannt hat. Durch das lange Sitzen komme es beispielsweise zu einer Verkürzung der Hüftbeuger und zur Schwächung der Hüftstrecker. Das kann wiederum ein Hohlkreuz und Schmerzen im unteren Rücken verursachen. Besonders oft treten bei Schulkindern außerdem Verspannungen mit Kopfschmerzen und Konzentrationsschwächen auf, aber auch schon ausgeprägte Fehlhaltungen des Rückens bedingt durch langes Sitzen. Gewisse negative Berühmtheit habe darüber hinaus der sogenannte "Handynacken" erlangt - das heißt Verspannungen und Probleme durch das langzeitige nach vorne Neigen des Kopfes bei der Handybenutzung. All diese Schäden lassen sich im Erwachsenenalter nur mehr schwierig verbessern und können im Laufe des Lebens zu Problemen führen. Ein Entgegenwirken sollte bereits in jungen Jahren erfolgen. Die nachhaltigste Vorsorge vor Rückenbeschwerden seien laut dem Orthopäden körperliche Aktivität, denn nur eine leistungsfähige und starke Muskulatur hält den Rücken gesund. In der Schule sollen Kinder "dynamisches Sitzen" praktizieren, das bedeutet alle zehn Minuten die Sitzposition zu verändern -siehe dazu den Infokasten rechts. Gegen langes Sitzen helfen auch die Übungen vom Orthopäden (Anm.: n der Infospalte li.). Auch die Hüftbeuger sollten regelmäßig gut gedehnt und die Hüftstrecker gekräftigt werden. Damit können die Kinder einer Beckenkippung bzw. einem Hohlkreuz vorbeugen und so das Risiko für Beschwerden im unteren Rücken reduzieren. Das gelinge so: "Im Stehen ein Bein nach vorne stellen und das andere nach hinten. Das Körpergewicht nach vorne verlagern, die Hände auf dem vorderen Knie abstützen. Rücken- und Bauchmuskulatur anspannen und den Oberkörper aufrichten, bis eine Dehnung in der Hüfte zu spüren ist." Auch die Hüftbrücke ist hilfreich: "Auf den Rücken legen und die Beine aufstellen. Das Becken anspannen und nach oben drücken. Am höchsten Punkt die Gesäßmuskulatur maximal anspannen und kurz halten -mehrmals wiederholen."

Bei der Handynutzung ist es prinzipiell vorteilhaft den Kopf nicht zu lange, zu weit nach vorne geneigt zu halten. Denn dadurch wird der Kopf immer schwerer (Anm.: bis zum Fünffachen des Gewichtes bei aufrechter Position des Kopfes), die Nackenmuskulatur wird überlastet und es treten Verspannungen auf. Die Kinder sollten sich daher idealerweise angewöhnen, beim Nachuntensehen das Kinn zur Brust zu bringen und nicht den gesamten Hals nach vorne zu neigen. Verspannungen in der Nackenmuskulatur kann man kurzfristig auch durch Dehnübungen verbessern. Es ist laut dem Orthopäden allerdings nachhaltiger Fehlhaltungen in erster Linie zu vermeiden und den oberen Rücken gezielt zu stärken. Jedoch muss das nicht unbedingt durch spezielle Übungen erfolgen, sondern kann ebenso durch entsprechende Sportarten, etwa Schwimmen, Yoga oder Klettern, erreicht werden. Überdies ist es laut dem Mediziner zur Erhaltung der Gesundheit wichtig, dass Schulkinder ihre Schultaschen richtig anlegen und bepacken -siehe dazu seine Tipps im Infokasten unten.


Übungen bei langem Sitzen

Apfelpflücken
Sitzend oder stehend langsam nach oben strecken -wie beim Apfelpflücken -bei kompletter Streckung einige Sekunden halten. Diese Übung fördert die Beweglichkeit von Rumpf, Schultern und Hals. Der Rücken wird gestreckt sowie aufgerichtet und die Bauchmuskulatur trainiert.

Schulterkreisen
Die Schultern in kreisenden Bewegungen nach oben, hinten und unten ziehen -mehrmals vorwärts und rückwärts. Dadurch werden Nacken und Schulter gestärkt.

Oberkörper-Drehung
Sitzend auf einem Stuhl die Arme verschränken und zuerst Kopf, dann den gesamten Oberkörper abwechselnd nach links und rechts drehen. Dies mobilisiert den gesamten Oberkörper und kräftigt die Bauchmuskulatur.

Katze-Kuh
Auf einem Stuhl sitzend oder auf allen Vieren auf einer Matte mit zurückgezogenen Schultern aufrichten bis ins Hohlkreuz und den Hals strecken. Dann mit einem Katzenbuckel vorneigen und das Kinn an die Brust führen. Diese Übung trainiert den gesamten Oberkörper - vom Rumpf bis zum Nacken.

Arme auseinanderziehen
Im Sitzen oder Stehen bei aufrechtem Oberkörper ein Theraband schulterbreit greifen und mit gestreckten Armen auseinanderziehen. Bei zunehmender Spannung die Brust herausstrecken und die Schulterblätter zusammenziehen, als ob man damit einen Bleistift einzwicken würde. Ist kein Theraband vorhanden, alternativ mit den Fingern vor der Brust ineinandergreifen und wiederum die Arme auseinanderziehen. Mehrmals wiederholen und bei maximaler Spannung kurz halten.


Beschwerden und Fehlhaltungen vermeiden - Tipps vom Orthopäden

Schultasche richtig nutzen
Gewicht. Grundsätzlich sollte die Schultasche maximal zehn Prozent des Körpergewichtes des Kindes haben. Eine ideale angelegte Schultasche sollte oben mit den Schultern sowie unten über dem Gesäß auf Hüfthöhe abschließen und direkt an den Schulterblättern anliegen. Brustgurt/Hüftgurt. Ist ein Brustgurt vorhanden, sollte dieser nicht zu eng getragen werden, denn er dient lediglich der Unterstützung. Ist ein Hüftgurt vorhanden ist, sollte dieser mittig auf der Hüfte aufliegen und straff sitzen. Auch das richtige Packen der Schultasche ist wichtig: Schwere Gegenstände wie Bücher oder Mappen gehören nahe an den Rücken. Dies ermöglicht eine optimale Gewichtsverteilung und verhindert, dass der Rücken in eine schlechte Haltung gezogen wird. Eine regelmäßige Kontrolle des optimalen Sitzes ist unerlässlich, da sich durch Wachstum oder beispielsweise unterschiedliche Kleidung die Position der Schultasche verändert.

Dynamisches Sitzen
Sitzposition ändern. In der Schule sollte "dynamisches Sitzen" praktiziert werden. Das die Sitzposition wird alle zehn Minuten verändert: aufrecht sitzen, Beine überschlagen, ein Bein am Sessel, Schneidersitz oder auch kurz richtig "lümmeln". In den Pausen unbedingt aufstehen, ein paar Schritte gehen, bewegen und auslockern.

Handynutzung
Beschwerden vermeiden. Nutzt man das Handy, sollte man den Kopf nicht zu lange zu weit nach vorne geneigt halten, sondern beim Nachuntensehen das Kinn zur Brust bringen, statt den gesamten Hals nach vorne zu neigen. 

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