Ein Tag mit der Gesundheits-Ministerin

Im Talk

Ein Tag mit der Gesundheits-Ministerin

Sabine Oberhauser, 51, seit 1. September Österreichs Gesundheitsministerin, ist eine Frohnatur. Ihr Tipp gegen grippale Infekte: „Gar nicht daran denken!“ Ihr Rat an Eltern: „Locker lassen! Nicht zu viele Regeln und Verbote!“

Die ehemalige Kinderärztin, Gewerkschafterin, Ehefrau (sie ist mit einem Radiologen verheiratet) und Mutter zweier Töchter (Sophie, 27 und Franziska, 24) lacht viel und ist – so ganz anders als Vorgänger Dr. Alois Stöger – sehr kontaktfreudig. Bei unserem Besuch added sie uns sofort zu ihren Facebook-Freunden und plaudert humorvoll über schmerzende Knöchel, Abnehmversuche, Wechselbeschwerden und Kampagnen. Der Talk:

Was bedeutet Gesundheit für Sie?
Sabine Oberhauser: Gesundheit ist ein Optimalzustand. Aber es ist kein Ziel: Viele Menschen werden nicht gesund geboren. Gesundheit ist daher etwas sehr Individuelles. Für mich persönlich ist es das größte Glück, gesund zu sein. Ein Glück, das man etwa durch bewussten Lebensstil, selbst mit beeinflussen kann.

Fühlen Sie sich gesund?
Oberhauser: Derzeit ja – bis auf einen kleinen Defekt (deutet auf ihren Knöchel, der bandagiert ist): Ich bin beim Spazierengehen mit dem Hund umgeböckelt und hab mir das Band gezerrt. Das schmerzt.

Wer geht jetzt mit dem Hund spazieren?
Oberhauser: Ich! Mein gesündester Moment des Tages beginnt gleich in der Früh: Ich stehe zwischen halb fünf und fünf Uhr auf und gehe dann zwischen fünf und acht Kilometer, also im Schnitt eineinhalb Stunden, mit dem Hund spazieren (zeigt uns ihre Routen auf „Runtastic“).

Fällt es Ihnen gar nicht schwer, so früh aufzustehen?
Oberhauser: Doch. Kein Mensch steht um diese Zeit gerne auf. Aber wenn man dann mal unterwegs ist, geht‘s. Ich habe beim Walken auch viel Zeit, um nachzudenken. Da hat man die besten Einfälle!

Um fünf Uhr ist es noch finster...
Oberhauser: Ich gehe mit Stirnlampe. Im Sommer fällt das Aufstehen leichter.

Spüren Sie beim Walken das „Runner‘s High“, also dass Glückshormone freigesetzt werden?
Oberhauser: Nein, darauf habe ich mein Leben lang gewartet – vergeblich. Hatte ich auch beim Laufen nie.

Nach dem Walking gibt es Frühstück...
Oberhauser: Nur Kaffee. Manchmal esse ich auch ein Joghurt. Aber wirklich schön frühstücke ich nur am Sonntag. Im Büro snacke ich dann Cranberrys oder Hüttenkäse mit Tomaten. Mittags bestellen wir öfter Maki, was Leichtes halt!

Sie haben seit Juni 14 Kilogramm abgenommen. Mit einer speziellen Diät?
Oberhauser: Nein. Ich habe alles probiert - von „FdH“ („Friss die Hälfte“) bis „Schlank im Schlaf“... es hat alles nichts gebracht. Wie ich 50 geworden bin, hat mich ein Freund gefragt, was ich mir wünsche. Und ich habe gesagt: 20 Kilo weniger. Da hat er gemeint, das könne ich mir nur selber schenken. Seit dem Sommer esse ich sehr bewusst. Ich schaue, dass ich nicht mehr als 1.200 Kalorien pro Tag zu mir nehme. Aber es gibt keine Verbote. Zusätzlich mache ich meine Morgenrunden und zwei mal die Wochen Kräftigungsübungen zu Hause, gemeinsam mit einer Trainerin.

Wollen Sie noch weiter abnehmen?
Oberhauser: Ja – fünf Kilogramm hätte ich bis zum Ärzteball (31.1. 2015) gerne noch weg. Ich hoffe immer auf die Wunderdiät – aber es geht nur mit Disziplin.

Kochen Sie selbst ?
Oberhauser: Fast nie. Ich komme oft erst gegen 22 Uhr oder später nach Hause... und mein Mann kocht ohnedies viel besser. Und gegen 23 Uhr falle ich meist schon ins Bett.

Schlafen Sie gut?
Oberhauser: Einschlafen kann ich gut. Durchschlafen ist oft schwieriger. Das passiert mir schon, dass ich um drei Uhr munter werde und überlege, was noch zu tun ist...

Empfinden Sie Ihre Arbeit als stressig?
Oberhauser:
Ja. Ich versuche, Stress zu kompensieren, indem ich nicht alles hinunterschlucke, sondern sage: Jetzt reicht‘s aber!

Sie hauen dann auf den Tisch?
Oberhauser:
Das nicht. Ich sage das mehr zu mir selbst. Eine meiner Grundregeln lautet: Ärgere dich nur über Dinge, die du auch ändern kannst. Bei vielem denke ich mir: „Okay, ist so.“ Und sonst mach ich einfach einmal die Türe zu oder ich lege kurz die Füße hoch.

Sie machen also Power-Napping im Büro?
Oberhauser:
Das schaffe ich noch nicht. Bis Weihnachten halte ich in dem Tempo noch durch, dann möchte ich etwas ­ändern. Ich brauche Pausen zwischen den Terminen. Derzeit habe ich keine – trotz 16-Stunden-Arbeitstagen.

Wie entspannen Sie?
Oberhauser:
Ich versuche, beim Stricken abzuschalten. Derzeit stricke ich mir ein Seidentop, oft auch beim Fernsehen. Aber Entspannen muss ich noch lernen.

Welche Kampagnen dürfen wir 2015 
erwarten?
Oberhauser:
Mir ist es wichtig, Menschen, die nicht rauchen, ein gesundes Leben zu ermöglichen: daher das Rauchverbot in Lokalen. Noch wichtiger ist mir, sie fangen gar nicht erst damit an. Ich hätte also gerne eine Anti-Raucher-Kampagne für Kinder und Jugendliche. Nicht etwas, wo man mit dem Zeigefinger kommt, sondern es sollte uns gelingen, zu vermitteln, dass Rauchen weder chic noch cool ist.

Sie waren selbst Raucherin ...
Oberhauser:
Ích habe eine Schachtel Marlboro light bzw. dann Gauloises am Tag geraucht. Ich habe 1996 aufgehört und nach sieben Jahren wieder begonnen. Vor 804 Tagen habe ich endgültig aufgehört (am 4. 9. 2012). Die Schweizer App Stop-­tabac hat mir sehr dabei geholfen. Die ­bestätigt mir: Ich habe seither 17.688 Zigaretten nicht geraucht! (lacht)

Kein Nikotinersatz?
Oberhauser:
Ich hatte für Notfälle ein angefangenes Packerl Zigaretten im Auto und einen leeren Nicorette-Inhalator. Aber es gibt so etwas wie den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören – und meist ist es nicht Silvester. Jetzt gehen mir Zigaretten nicht mehr ab.

Sie haben sich auch gegen die Legalisierung von Marihuana ausgesprochen. Was ist an Cannabis schlimmer als an der legalen Volksdroge Alkohol?
Oberhauser:
Als Gesundheitsministerin bin ich gegen jegliche Form von Suchtmitteln. Ich kann nicht gegen Rauchen auftreten und sagen: Marihuana geht. Außerdem treten psychische Erkrankungen bei psychisch labilen Menschen durch den Konsum noch viel stärker auf.

Werden Nikotin oder Marihuana durch Verbote nicht erst recht interessant?
Oberhauser:
Kann sein. Aber ich habe lieber klar denkende Menschen um mich: daher keine Freigabe für die breite Masse. Als medizinisches Mittel kann Marihuana zum Einsatz kommen: Man muss Menschen, die Schmerzen haben, den Zugang zu synthetische Cannabinoide leichter ermöglichen. Aber man wird den Joint nicht in der Apotheke rauchen können.

Die Eizellenspende bei Lesben ist nun legal. Warum nicht auch für alleinstehende Frauen, die sich ein Kind wünschen?
Oberhauser:
Es war ein Kompromiss und ich bin sehr froh, dass wir das neue Gesetz überhaupt durchgebracht haben. Als Frauenpolitikerin hätte ich mir das freilich auch für alleinstehende Frauen gewünscht.

Sie sind jetzt 51. Spüren Sie den Wechsel?
Oberhauser:
Oh ja, es ist sehr heiß! ­Es ist lästig, aber erträglich und ich nehme ganz bewusst keine Hormone.

Sie waren Kinderärztin, haben zwei ­erwachsene Töchter. Ihr Rat an Eltern?
Oberhauser:
Ich habe immer versucht, möglichst wenig zu verbieten. Das meiste regelt sich von selbst. Es gibt halt Pommes- und Palatschinken-Phasen. Es waren auch meine Töchter, die wollten, dass ich mit dem Rauchen aufhöre. Mein Tipp: Rituale sind wichtig. Aber lassen Sie Fünf auch mal gerade sein ...

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