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Dr. Gabrielle Dienhart im Talk

Dr. Gabrielle Dienhart im Talk

Frauen sterben häufiger an einem Herz­infarkt als Männer. Warum ist das so?

Dr. Gabrielle Dienhart: Der Herzinfarkt gilt noch immer als DIE Erkrankung des gestressten Mannes. Mit den Wechseljahren, wenn die Schutzwirkung des Östrogens wegfällt, entwickeln Frauen dann mehr Herzkrankheiten wie Infarkte, Vorhofflimmern, Klappenveränderungen, Arrhythmien als Männer. Diese Erkrankungen sind mittlerweile Todesursache Nummer eins. Statistiken sagen, dass Frauen nach ihrem ersten Herzinfarkt doppelt so häufig versterben wie Männer, die wesentlich schneller auf die Intensivstation gelangen. Frauen haben feinere Gefäße, was beispielsweise Katheteruntersuchungen erschwert. Auch können Medikamente für Frauen oft falsch dosiert oder weniger wirksam sein, da Medikamentenstudien  fast   ausschließlich an Männern durchgeführt werden. Diese sind in der Regel Mitte 30, wiegen mehr als Frauen, so dass hier dann falsche Werte zugrunde liegen. Auch gehen Frauen oft erst zu spät zum Arzt, weil ihre Symptome nicht infarkttypisch sind und sie dies selbst falsch einschätzen.

Welche Herzinfarkt-Symptome sind ­typisch weiblich?

Dr. Dienhart: Ein Herzinfarkt kann bei Frauen unter völlig anderen Symptomen wie Übelkeit, Oberbauchschmerzen, Rücken- oder sogar Zahnschmerzen sozusagen ­maskiert auftreten. Dies führt zu falschen Diagnosen, die Frauen selbst wiegen sich in Sicherheit und erhalten daher oft erst verspätet eine adäquate Behandlung. Dadurch verstreicht oft wertvolle Zeit.

Sind Frauenherzen anders?

Dr. Dienhart: Männer haben im Verhältnis zu ihrem Körper ein um 10 Prozent größeres Herz. Gewicht und Größe der Frauen sind häufig niedriger, sie haben feinere Gefäße, einen höheren Körperfettanteil und einen niedrigeren Blutdruck, das heißt Frauenherzen schlagen schneller und „verbrauchen“ sich rascher. Männer haben mehr Hämoglobin – daran ist der Sauerstoff gebunden – als Frauen, die dadurch im Vergleich relativ wenig Sauerstoff haben.