Die bittere Wahrheit über Zucker

Süßes Risiko

Die bittere Wahrheit über Zucker

Übergewicht ist ein großes Gesundheitsproblem der westlichen Welt. Schuld daran soll vor allem zu viel Zucker sein. Was ist dran?

Erst kürzlich forderte ein amerikanischer Doktor namens Robert Lustig Gesetze, die den Zuckerkonsum einschränken sollen – ähnlich der bezüglich Alkohol und Tabak. Unter anderem schlug er eine Preisverdoppelung bei Brausegetränken vor, sodass Kinder sich diese nicht mehr leisten könnten. Weiters schlug er auch ein generelles Werbeverbot für gesüßte Nahrungsmittel vor. Und wem das allzu drastisch erscheine, der klebe bereits in den „picksüßen Fängen der Zuckerindustrie“.

Lustig hat starke Argumente. Derzeit gibt es 30 Prozent mehr übergewichtige Menschen auf der Welt als Unterernährte. 2011 zählte man 366 Millionen Diabetiker auf der Welt – das sind doppelt so viele wie 1980 und knapp fünf Prozent der Weltbevölkerung. Was ist also passiert? In den 70er-Jahren stellte sich die ganze westliche Welt auf „low fat“ um, da man in der Medizin meinte, einen Zusammenhang zwischen Fetten und dem Herzinfarktrisiko zu erkennen.
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Zucker ist ein enormes Problem
„Das Problem dabei ist, dass die Nahrung ohne Fette nicht mehr schmeckt“, sagte Lustig in einem Interview mit der britischen Zeitung Telegraph. Ein Ersatz musste her. Und so stieg die Lebensmittelindustrie auf Kohlenhydrate in Form von Maisstärke und Saccharose um. Ein weiteres Problem, das Lustig thematisiert, betrifft die Auswirkungen von Fruktose (Fruchtzucker) auf die Leber. Es ist ein komplexer Prozess, der sich im Körper vollzieht, der letzten Endes  zu einem sogenannten „Leptin-Widerstand“ führt. Leptin ist ein Hormon, das produziert wird, um unserem Körper zu sagen, wann wir gesättigt sind. Wenn wir aber zu viel Fruktose essen, stoppt die Produktion manchmal. Folglich wissen wir nicht mehr, wann wir satt sind. Das ist demnach der Grund für die omnipräsente Fettleibigkeit. Die Betroffenen empfangen kein natürliches Warnsignal mehr und der Körper produziert zu viel Insulin, das die Blutzuckerwerte abstürzen lässt. Dadurch entsteht ein erneutes Bedürfnis nach Zucker und der Teufelskreis beginnt. Währenddessen entwickelt der Körper eine Insulin-Resistenz. Was folgt, ist meistens Diabetes.

Wie geht es weiter?

Doch es ist nicht nur die Zuckerkrankheit, die durch die süße Substanz ausgelöst wird. Dr. Lustig beschreibt verschiedene Krankheitsbilder, für die es unterschiedliche Hinweise gibt, dass der erhöhte Zuckerkonsum schuld daran sei: Weitsichtigkeit, Karies, Hautschäden, Gicht, koronare Herzbeschwerden und Erkrankungen der Leber sind einige davon.

Auch der Ernährungszustand unserer Kinder ist zu hinterfragen. Denn heutzutage sieht man jede Menge dicker Kinder, von denen viele bereits vor ihrem ersten Geburtstag einen Zustand erreicht haben, der später in einen langjährigen Kampf gegen das Übergewicht münden wird. Doch neben der Fettleibigkeit ist ein weiterer Effekt des Zuckerkonsums das reduzierte Alter, in dem bei Jungen und Mädchen die Pubertät einsetzt.

Was, wenn der US-Experte also recht hat? Was, wenn Zucker wirklich so ein Übeltäter ist? Kann man Zucker gar mit Tabak und Alkohol gleichstellen? Nun: Zucker ist sogar ein mächtigerer Gegenspieler als etwa Tabak. Der Grund: Tabak ist limitiert auf Zigaretten, Zigarren und Pfeifen. Zucker hingegen ist überall. Er steckt im Kuchen, in Softdrinks, in Fertiggerichten, aber auch im Ketchup, in allen möglichen Gewürzmitteln und sogar in der Wurst.

Feststeht: Zucker ist ein enormer Wirtschaftsfaktor. Ein Beispiel für die Übermacht der Zucker-Industrie ist der „Starr Report“, ein Untersuchungsbericht über Bill Clinton. Darin wird unter anderem der Moment beschrieben, in dem Präsident Clinton während eines intimen Moments mit Monica Lewinsky von einem Anruf unterbrochen wurde. Am anderen Ende der Leitung war Alphonso Fanjul, ein Zuckerbaron aus Florida, der sich über den Vorschlag einer möglichen Zuckersteuer beschwerte. Clinton nahm den Anruf entgegen. Die Zuckersteuer wurde kurz darauf abgelehnt.

Die Zucker-Übeltäter 1/5
Zucker
Die gängigsten Decknamen für Zucker sind Saccharose, Lactose, Maltose, Glucose, Dextrose und Fructose. Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit und Xylit sind zwar für Diabetiker, aber nicht für Kinder geeignet. Und egal wie er definiert wird, Zucker greift immer in den Vitaminhaushalt ein, denn er schädigt nützliche Bakterien der Darmflora, die für die Erzeugung von B-Vitaminen nötig sind.